Wahlkampf im Netz: Videokonferenz der SPPD Langen

Beim Bauen auf den Bestand konzentrieren

Die SPD-Kandidaten Joachim Knapp (obere Reihe, Zweiter von rechts), Jasmin Berger (oben rechts) und Rainer Bicknase (zweite Reihe, ganz links) kamen mit Bürgern ins Gespräch. screenshot.. kegleer
+
Die SPD-Kandidaten Joachim Knapp (obere Reihe, Zweiter von rechts), Jasmin Berger (oben rechts) und Rainer Bicknase (zweite Reihe, ganz links) kamen mit Bürgern ins Gespräch.

Wahlstände auf der Bahnstraße, am Lutherplatz oder in der Altstadt gehören im Wahlkampf normalerweise zum gewohnten Bild. Da die in Zeiten der Pandemie nicht möglich sind, müssen kreative Lösungen her. Die Langener Sozialdemokraten haben sich für Videokonferenzen mit jeweils festgelegten Themenschwerpunkten entschieden.

Langen – Drehte sich in der ersten Runde alles um die Kita-Warteliste und die ärztliche Versorgung, wurden bei der zweiten Ausgabe die Themen Umwelt, Bau und Verkehr unter die Lupe genommen. Rainer Bicknase und Joachim Knapp, die beide für die SPD im Ausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr des Stadtparlaments sitzen, stellten sich zusammen mit Jasmin Berger, die zum ersten Mal auf der Wahlliste steht, den Fragen interessierter Bürgerinnen und Bürger.

Die wollen zunächst grundsätzlich wissen, inwiefern die Politik überhaupt Einfluss auf Bauvorhaben hat. Rainer Bicknase nennt die Bebauungspläne: „In Langen sind diese traditionell nicht sehr eng definiert. Theoretisch könnte die Stadt sogar die Farbe des Hauses vorgeben, doch hier wird dem Bauherren seit jeher viel Freiheit gewährt.“ Jasmin Berger fügt hinzu, dass die Stadt aber teilweise mitentscheiden kann, was gebaut wird, und so etwa Wohnkomplexe mit der Baugenossenschaft zu niedrigen Quadratmeterpreisen realisieren kann. „Große Ausweisungen von Baugebieten wie der Liebigstraße wird es in den nächsten zehn Jahren jedoch nicht mehr geben“, weiß Joachim Knapp. Man müsse sich eher auf den Bestand konzentrieren und überlegen, wie eine anderweitige Nutzung der Gelände – beispielsweise durch Modernisierung – möglich sei.

Eine Bürgerin fragt daraufhin, wie in Zukunft kleinere Bauprojekte realisiert werden können – die Stadt habe ja schließlich ein Vorkaufsrecht bei Grundstücken. Knapp erklärt, dass dabei gesetzliche Rahmenbedingungen eine große Rolle spielen.

Im Langener Baudezernat fehlt das Personal

Doch dass viel größere Problem sei der personelle Mangel im betreffenden Dezernat, um entsprechende Planungen voranzutreiben. Bicknase betont: „Nur etwa die Hälfte der Stadt ist überhaupt in Bebauungsplänen festgehalten, beispielsweise der Plan der Bahnstraße stammt aus dem Jahr 1985.“

Ein Zuschauer merkt an, dass die Frankfurter Straße ein ähnliches Problem habe und die Stadt hier unbedingt verhindern müsse, dass „nette kleine Häuschen gegen einen riesigen Klotz“ ausgetauscht würden. Knapp erwidert, dass die Bebauungspläne dringend überarbeitet werden müssten, dafür jedoch personelle Ressourcen benötigt werden: „Der aktuelle Bürgermeister wirft uns vor, die Stadt tot gespart zu haben. Dabei hat die Fraktion der CDU, zu der er früher gehörte, regelmäßig die Zustimmung zum Haushalt verweigerte, da dieser zu teuer sei.“ Knapp weiß auch: „Qualifiziertes Personal wandert leider oft zu privaten Anbietern ab, da es dort schlicht mehr Gehalt als im öffentlichen Dienst gibt.“

Beim Thema Verkehr beschreibt Jasmin Berger, dass die SPD keinesfalls gegen Autos sei, jedoch den Radverkehr fördern und den ÖPNV ausbauen wolle. „Carsharing muss ebenfalls attraktiver gemacht werden. Auch die Unterstützung des Radschnellweges steht bereits lange auf unserer Agenda“, ergänzt Knapp. Doch Bicknase gibt zu bedenken: „So lange in der Gesellschaft das Denken, dass das Auto ein Stück Freiheit sei, vorherrscht, wird der Wandel sehr schwer. Da muss sich etwas massiv ändern.“ Berger wirft ein, dass die junge Generation damit jedoch schon sehr weit sei und die Zukunft dem Bus oder Rad gehören kann.

Termin

Die letzte Videokonferenz der SPD – zum Thema Finanzen – ist am Samstag,13. März, von 14 bis 15 Uhr. Von der SPD sind Frank Weber, Günter Wernz und Niklas Berger dabei. Anmeldung unter spd-langen.de

Durchaus zufrieden zeigen sich die SPD-Mitglieder mit dem neuen „Videokonferenz-Wahlstand“: „Dies ist leider aktuell nur eine der wenigen Möglichkeiten, mit Bürgern ins Gespräch zu kommen“, erklärt Knapp. Auch Rainer Bicknase hat Gefallen an dieser Art von Dialog gefunden: „Am analogen Wahlstand diskutieren wir mit den Bürgern vielleicht drei Minuten – hier bleiben wir oft über eine Stunde im Gespräch.“ Er kann sich gut vorstellen, dass in Zukunft eine Mischung aus Wahlstand vor Ort und digital bestehen bleibt.

Von Moritz Kegler

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare