STADTBÜCHEREI Nutzer kommen nicht nur zum Lesen

Beliebter „Dritter Ort“

Sangesfreudig: Wenn Isabell Beilke und Detlef Regenberg zum „Gute-Laune-Singen“ einladen, ist die Bücherei voll. Aktuell ist natürlich Pause. Foto: p

Langen – Büchereien sind ein wichtiger Ort der Unterhaltung und Weiterbildung.

Neben der Möglichkeit sich mit Literatur, Filmen oder Spielen zu versorgen, nutzen die Bürger sie zunehmend auch als sogenannte „Dritte Orte“ – Räumlichkeiten, wo sich Menschen gerne aufhalten, ohne etwas konsumieren zu müssen, und die weder das eigene Zuhause noch der Arbeitsplatz sind.

In Langen kommen – wenn die Pandemie nicht gerade für massive Einschränkungen sorgt – viele Erwachsene, Jugendliche und Kinder gerne in die Bibliothek und genießen die hellen und großzügigen Räumlichkeiten. Dies belegt die Statistik 2019, die jetzt ausgewertet wurde. Im Durchschnitt hielten sich vergangenes Jahr dort pro Stunde 43 Personen auf, hat das Büchereiteam errechnet. Zahlreiche Schüler verabredeten sich regelmäßig, um zu lernen oder in Gruppen Hausaufgaben oder Referate zu erarbeiten. Vor Abschlussprüfungen der Deutschsprachkurse in den Gesamtschulen oder den Abiturexamina versammelten sich gezielt Lerngemeinschaften, um sich mit Laptops oder Tablet-PC vorzubereiten. Hilfreich waren dabei auch das freie WLAN oder die Powerbanks vor Ort. Wer sich vormittags in Ruhe bei einem frisch aufgebrühten Kaffee der Zeitungslektüre hingeben wollte, war im Lesetempel im Stadthallenkomplex an der Südlichen Ringstraße genauso richtig wie die Jüngsten, die in der Kinderbibliothek am Nachmittag die Welt der Bücher entdeckten. Die Kleinen schauten sich in gemütlichen Sesseln Bilderbücher an, ließen sich von Eltern und Großeltern vorlesen oder spielten mit Gleichaltrigen. Damit wird klar: Die Stadtbücherei nimmt einen wichtigen Platz im Leben der Bevölkerung ein.

Auch die Zahlen der gerade vorgelegten Statistik des vergangenen Jahres sprechen dazu eine deutliche Sprache. Rund 61 000 Besucher kamen während der knapp 1 400 Öffnungsstunden. Dabei konnte das Team um Leiter Thomas Mertin 961 neuregistrierte Literaturfreunde begrüßen. Gedruckte, digitale und Online-Medien wurden rund 182 000 Mal ausgeliehen. Besonders stark nachgefragt waren die Kinder- und Jugendbücher, die über 48 700 Mal entliehen wurden. Im Vorjahr erhöhten die Bibliothekare den Leihbestand um etwa 3 300 Exemplare. In den Regalen stehen jetzt knapp 52 300 Werke.

Einen wachsenden Stellenwert nahm die Internetbibliothek ein. Bei den elektronischen Büchern, Hörbüchern oder Zeitschriften, die als Dateien heruntergeladen wurden, war mit rund 31 200 Downloads (2018: 26 600) eine Zunahme zu verzeichnen. 627 Büchereikunden bedienten sich 2019 aus der Internetbibliothek. Einen sehr großen Zuspruch gab es für das WLAN-Angebot, die beiden Internet-PCs und den Arbeits-PC mit MS-Office und Druckeranschluss. Bei mehr als 300 Arbeitssitzungen wurden daran Power-Point-Präsentationen oder auch Bewerbungen und Lebensläufe gestaltet. WLAN-Zugang und Internetcomputer wurden insgesamt über 2 500 Mal genutzt.

Bei den verschiedensten Veranstaltungen hörten sich knapp 3 000 Ein- bis Zwölfjährige spannende oder lustige Geschichten an, die die Büchereimitarbeiterinnen ausgesucht hatten. Dazu konnten sie kreativ basteln, bei Leserallyes die Bücherei erkunden oder bei der jährlichen Verlosung des Sommerferienrätsels etwas gewinnen.

Im Erwachsenenprogramm lasen unter anderem die Grand Dame der Frankfurter Literaturszene, Eva Demski, und Moderator Holger Weinert vom Hessischen Rundfunk aus ihren Büchern vor und begeisterten ihr Publikum im ausverkauften Haus. Mit den gegenwärtigen Abstandsvorschriften sind solche Events allerdings nicht mehr möglich, obwohl die Nachfrage nach Lesungen ungebrochen hoch ist. Dies gilt insbesondere für Veranstaltungen der Lokalmatadoren Dr. Manfred Neusel, Reinhold Werner, Gerd J. Grein, Klaus Wolff und der Kreativen Schreibwerkstatt.

Das neue „Gute-Laune-Singen“ mit Isabell Beilke und Detlef Regenberg erfreute sich wachsender Beliebtheit. Als musikalische Gastgeber entlockten sie dem spontanen Langen-Chor Schlager, Songs und Volkslieder. Im Zeichen von „Tröpfchenschutz“ und „Maskenpflicht“ wird das von den Fans gerade schmerzlich vermisst. Derzeit sind jedoch zwei Termine in der zweiten Jahreshälfte geplant.

Aktuell muss die Stadtbücherei zahlreiche Veranstaltungen wegen Corona streichen. Die bereits ausverkaufte Lesung des Darmstädter Krimiautors Michael Kibler wurde im März abgesagt; aktuell ist angedacht, sie im Herbst nachzuholen. Die verkauften Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit oder können zurückgegeben werden.

Gerd J. Grein wird Ende November wieder einen seiner unnachahmlich amüsanten und interessanten Abende im Lesetempel halten. Es geht dabei um die Weihnachtsgans; auch die Gaumen der Zuhörer werden dabei wieder verwöhnt. Gut besucht sein dürfte auch Heribert Götts und Peter Holles Vortrag über das Kriegsende in Langen vor 75 Jahren im Herbst, falls die Abstands- und Kontaktbeschränkungen bis dahin aufgehoben worden sind.  ble

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