Mit dem Bembel-Opel in die Wüste

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Im Bembel-Opel wollen (von links) Mathias May, Frank Breidert, Andre Krueger, Falk Henninger, Sebastian Schulze und Andreas Emmerling vom Allgäu bis nach Amman fahren.

Langen ‐ Die Uhr auf der Internetseite des Rallye-Teams „Spirit of Frankfurt amMan“ läuft unerbittlich rückwärts: 45 Tage werden es heute Morgen noch sein, dann bricht die sechsköpfige Gruppe – darunter fünf Langener bzw. Von Markus Schaible

Ex-Langener – mit drei Autos zu einer ungewöhnlichen 6 000-Kilometer-Tour auf. Vom Start in Oberstaufen (Allgäu) geht es bis nach Amman (Jordanien). Das wäre an sich schon bemerkenswert, doch ein Blick ins Regelwerk zeigt, dass es die Teilnehmer mit einer ganz besonderen Rallye zu tun haben: Die Autos müssen älter als 20 Jahre sein oder laut Gebrauchtwagenliste billiger als 1111,11 Euro; Autobahnen, Mautstraßen und Navigationsgeräte sind tabu; pro Tag sind bei freier Streckenwahl mindestens 555, maximal 666 Kilometer zurückzulegen; Übernachtungen sind nur im Auto, Zelt oder Unterkünften, die maximal 11,11 Euro kosten, erlaubt. Und dass es keine Begleitfahrzeuge, Mechaniker und Ähnliches gibt, versteht sich natürlich von selbst.

Im Bembel-Opel vom Allgäu bis nach Amman fahren.

„Das ist keine professionelle Rallye und es geht auch nicht um den Sieg“, sagt Teamchef Sebastian Schulze. Vor zwei Jahren hat er erstmals von der Allgäu-Orient-Rallye gehört, die er nun gemeinsam mit fünf Freunden – drei davon aus gemeinsamen Langener Schulzeiten – meistern will. Ganz unerfahren ist er nicht: „1988 bin ich mit einem Kumpel in einem alten Mercedes für 400 Mark als Urlaub 10 000 Kilometer bis an die syrische Grenze und zurück gefahren – und das hat riesig Spaß gemacht.“ Und ein weiterer Teilnehmer (Frank Breidert) war als Kamera- und Tonmann auch schon bei der Landrover-Trophy dabei. Aber ansonsten sind die Sechs keine Schrauber, die jede freie Minute in der Werkstatt verbringen.

Ziel ist klar definiert: „Wir wollen ankommen.“

„Kleinigkeiten können wir selbst erledigen“, sagt Schulze – mehr sei aber auch nicht erforderlich: „Von Teilnehmern früherer Rallyes habe ich gehört, dass man nach Österreich kein Werkzeug mehr braucht. Dort sind die Leute sehr hilfsbereit und gewohnt, alles selbst zu reparieren.“ Allerdings geht er auch gar nicht davon aus, dass viel zu machen sein wird: Das Team fährt Opel Omega (einen haben sie schon, zwei werden noch gesucht). „Die sind sehr günstig, gut motorisiert, geräumig. Und weil es eigentlich ‚Rentnerautos‘ sind, haben die meist wenig Kilometer.“

Das Ziel der Truppe ist klar definiert: „Wir wollen ankommen“, sagt der Teamchef. „Und ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen.“ Die Rückflüge jedenfalls sind schon gebucht.

„Bei dieser Tour geht es um das, was man unterwegs erlebt und mitmacht“, so Schulze: „Wir wollen neue Erfahrungen machen.“ Dabei werden sie nur am Start, bei Zwischenprüfungen in Istanbul sowie zu den Wüstensonderprüfungen am Schluss zwangsläufig auf die anderen Teams (die 100 Startplätze waren binnen 24 Stunden vergeben) treffen. Alles andere ist von den Routen abhängig, die jeder wählt.

Neben dem Spaß hat die Rallye aber auch noch andere Intentionen. Zum einen die Völkerverständigung: „Wir sehen uns als Vertreter des Rhein-Main-Gebiets“, sagt Schulze. Die Frankfurter Sprayer-Legende „Bomber“ wird deshalb auch alle drei Wagen als rollende Bembel lackieren. Und dann ist da auch noch der humanitäre Aspekt: Zum einen wollen die Rallyefahrer schon auf der Strecke Waisenhäuser in Bulgarien und Rumänien mit Spielsachen beglücken; sie arbeiten deshalb mit dem Lions Club Offenbach/Rhein-Main zusammen. Zudem werden zum Schluss alle angekommenen Fahrzeuge in Amman als Ersatzteillager verkauft; der Erlös (2009 waren es 80 000 Euro) geht an humanitäre Projekte in Jordanien. Deshalb haben die Vereinten Nationen auch die Schirmherrschaft über die Rallye übernommen.

Das Team sucht noch Unterstützer, Spender und Mitglieder für den eigens gegründeten Motorsportverein. Kontakt: Tel.: 0174/3 40 10 87. Infos auf der Internetseite von Spirit of Frankfurt am Main.

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