Rundgang mit dem Friedhofs-Betriebsleiter

Besser im Grab als im Wohnzimmer

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Wer sagt denn, dass es auf einem Friedhof immer todernst zugehen muss? Heinz-Georg Sehring versteht es, auf launige Art und Weise die verschiedenen Möglichkeiten der Bestattung zu erläutern.

Langen - „Jährlich stirbt erfahrungsgemäß rund ein Prozent der Bevölkerung“, stellt Heinz-Georg Sehring fest. „Im vergangenen Jahr hatten wir da in Langen mit 360 Sterbefällen sogar eine Punktlandung“, fügt er hinzu und sorgt damit für einige Lacher im Publikum. Von Timo Kurth 

Das hat sich mit dem Friedhofsleiter auf einen Rundgang gemacht, um sich verschiedene Grabarten zeigen zu lassen. Ein Schelm, wer denkt, mit dem Tod würden Geschäfte gemacht. Doch trotzdem will einem irgendwie das Bild eines Staubsaugerverkäufers nicht aus dem Sinn, so wie der charismatische Heinz-Georg Sehring mit rund zwei Dutzend Interessierten – hauptsächlich ältere Semester – über den Friedhof streift und dabei über vielfältige Möglichkeiten und Arten einer Bestattung aufklärt. Der Fachbereichsleiter der Langener Friedhofsverwaltung nimmt bei seinen Führungen in gewohnt hessischer Manier kein Blatt vor den Mund. So auch dieses Mal nicht, als er seinen Besuchern die Vielfalt des Friedhofs vor Augen führt. „Es geht darum, zu zeigen, was hier in Langen alles möglich ist“, so Sehring.

„Wie sich alles andere verändert, so auch die Bestattungen eines Menschen“, berichtet der Mann der Kommunalen Betriebe, der bereits seit 17 Jahren in seiner Funktion tätig ist. Während früher vor allem die klassische Variante mit Sarg und Erdbestattung den Regelfall darstellte, ist die vergangenen Jahre die Urnenbestattung auf dem Vormarsch. „Die Katholiken haben schließlich erst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Genehmigung erhalten, sich ebenfalls verbrennen zu lassen“, erklärt Sehring grinsend mit Blick auf die Reformen der katholischen Kirche in den 1960ern.

Doch auch bei Urnen herrscht in Deutschland – so wie in Österreich und Italien – die Beisetzungspflicht auf einem Friedhof. „Manche Menschen gehen jedoch den Weg übers Ausland – dann steht die Urne plötzlich doch im Wohnzimmer“, meint der Experte sichtlich skeptisch. „Ich frage mich dann immer: Wird die Urne nicht irgendwann einmal in die Mülltonne geworfen? Die Toten gehören auf den Friedhof“, macht er seinen Standpunkt klar.

Mit dem Umbruch zu mehr Urnenbestattungen hat der Langener Friedhof in Zukunft keinen Platzmangel zu befürchten, da bei der Erweiterung weitestgehend mit Särgen kalkuliert wurde. „Wir sind mit den jetzigen Flächen mehr als auskömmlich aufgestellt.“ Vor allem für seine naturnahen Bestattungsmöglichkeiten ist das Friedhofsgelände mit einer Fläche von rund zehn Fußballfeldern bekannt. So finden sich beispielsweise einige Rasenfeldgräber auf einer freien Lichtung unter Platanen. Gehweg und Grab verschwimmen dabei zunehmend. Dass hier auf einer Beisetzungsfläche spaziert wird, ist möglich und gewollt. „Das Grab ist äußerlich nicht mehr erkennbar. Es geht dabei um schön im Sinne der Natur.“

Bestattung auf Britisch

Noch pflegeleichter geht es nebenan im sogenannten Friedpark, wo neben wenigen Steinen ganz auf natürliche Schönheit gesetzt wird. „Es steht ja immerhin zur Debatte, den Friedhof in Zukunft Naturfriedhof zu nennen“, so Sehring. Auch die wohl unkomplizierteste Beisetzungsmöglichkeit bleibt bei der Führung nicht unerwähnt. Anonym hinterlassen immer mehr Mitbürger ihre menschlichen Überreste auf einem dafür vorgesehenen Platz. Vermutlich vor allem, um ihren Hinterbliebenen Arbeit zu ersparen. „Die Personen wollen in der Regel nicht, dass ihrer gedacht wird.“ Doch diese Rechnung geht augenscheinlich nicht immer auf. „Ich habe schon einige Male speziell an diesen Orten ausgiebige Gedenkstunden ganzer Familien mit Kerzen und Gesang beobachtet“, berichtet Sehring.

Auch für muslimische Bestattungen ist auf dem Langener Friedhof Platz. Für Gräber, ausgerichtet in Richtung Mekka, wurde ein eigenes Areal eingerichtet. „Aber einige Muslime halten das gar nicht für notwendig. Das schätzen viele falsch ein.“ Nicht wenigen Menschen ist ihre letzte Ehre augenscheinlich einiges wert. So gibt es auch in Langen Personen, die sich bereits vor ihrem Tod einen Grabstein kaufen und platzieren – eine Platzreservierung also. Ein Name steht auf solchen bereits, es fehlt tatsächlich nur noch das Todesdatum. „Es gibt eben Menschen, die alles geklärt haben wollen“, sagt Heinz-Georg Sehring dazu.

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