Konkurrenzkampf auf dem Rücken des Personals

Betriebsrat der Asklepios Klinik kritisiert Überlastung und Bezahlung

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Unter dem Motto „Mehr von uns ist besser für alle“ fordern Matthias Rohrbach (Vierter von links) und seine Betriebsratskollegen, der Vorsitzende Martin Simon Schwärzel (Dritter von rechts) mit der Gewerkschaft Verdi und Politikern bessere Arbeitsbedingungen an der Asklepios Klinik.

Langen - Dreier-Schichten in Vollzeit und trotzdem reicht das Geld am Ende des Monats nicht – das ist nach Angaben des Betriebsrats keine Seltenheit für Beschäftigte der Langener Asklepios Klinik. Von Julia Radgen 

„Viele Kollegen müssen noch mit Sozialhilfe ihr Gehalt aufstocken oder haben einen Zweitjob“, sagt Betriebsratsmitglied Matthias Rohrbach. Andere hielten den Stress nicht aus und kündigten. „Der Asklepios-Konzern hatte in den vergangenen Jahren viel Gelegenheit, sich gut darzustellen“, meint Rohrbach. Vor allem die Bauvorhaben seien in der Öffentlichkeit präsent. „Die Interessen der Mitarbeiter und der Gewerkschaft sind nicht im Fokus“, kritisiert er stellvertretend für den Langener Betriebsrat.

Neun Mitarbeiter aus den verschiedensten Klinikbereichen bilden diesen. Insgesamt kümmern sich mehr als 500 Beschäftigte an der Röntgenstraße um Notfälle und Patienten mit komplexen Erkrankungen. Der Langener Betriebsrat und der Gesamtbetriebsrat unter Vorsitz von Martin Simon Schwärzel wollen mit Verdi, DGB und der Linken publik machen, wie die Bedingungen an der früheren Kreisklinik, die der Konzern 2002 übernommen hat, derzeit sind. Auch die Mitarbeiter der Langener Klinik seien massiv überlastet, das belegten die vielen Gefährdungsanzeigen. Das sieht der Betriebsrat als Folge der Privatisierung: „Die jahrelange Überlastung des Personals hört nicht auf. Gute Tarifbedingungen werden verweigert, Arbeitsschutzgesetze nicht eingehalten. Gesundheitsdienstleistungen werden wie Ware verkauft“, kritisiert der Betriebsrat. Der Konkurrenzkampf der Kliniken dürfe nicht auf Kosten des Personals erfolgen, weil dies die Sicherheit der Patienten gefährde.

2004 nahm Verdi Tarifverhandlungen mit Asklepios auf. Als nach zwei Jahren immer noch eine Einigung erzielt wurde, streikten die Mitarbeiter in Langen. Seither habe sich wenig verändert, berichtet der der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Schwärzel: „Es gibt einen Tarifvertrag mit dem Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verband DHV.“ Der erlaube aber keine Streiks und sei nicht akzeptabel. Eben ein Gefälligkeits-Tarifvertrag. Der andere große private Krankenhausbetreiber Sana, der das Klinikum in Offenbach betreibt, habe im Übrigen einen Tarifvertrag.

Tag der offenen Tür in der Asklepios Klinik

Deshalb fordert der Betriebsrat der Asklepios Klinik von der Konzerngeschäftsführung, dass diese endlich Tarifverträgen mit DGB-Gewerkschaften abschließt, „die tatsächlich die jeweiligen Beschäftigtengruppen in allen Konzernbetrieben vertreten.“ Zudem wollen die Vertreter der Belegschaft ein Ende von Outsourcing, Werkverträge und Leiharbeit erwirken, da diese Kollegen kein Mitbestimmungsrecht haben. Bereits im Zuge der Streiks gab es Kritik an dieser „Zweiklassengesellschaft“ durch Personal über Agenturen und Zeitarbeitsfirmen. Hier müsse auch die Politik einschreiten, wenn sich Klinikkonzerne Tarifverträgen verweigern, fordern Rohrbach und Co: „Das Asklepios-Motto ‘Gemeinsam für Gesundheit’ heißt für uns, die Möglichkeit zu schaffen, dass alle in einem Krankenhaus tätigen Gewerke zu einem Betrieb gehören.“ Dazu gehörten gute Schichtbesetzungen mit qualifiziertem Pflegepersonal.

Regelmäßig kommen alle Beteiligten zum Gewerkschaftsstammtisch zusammen und planen Veranstaltungen, um ihren Forderungen öffentlich Nachdruck zu verleihen. Nachdem es voriges Jahr in Langen eine Diskussion über den Klinikalltag mit Vertretern von DGB, Betriebsrat und Linken-Politikern gegeben hat, ist die nächste Veranstaltung am 30. August, 19.30 Uhr, im Bürgerhaus Seligenstadt. Für September ist in Langen eine Aktion zum Thema Pflegenotstand geplant, bei der der Betriebsrat Unterschriften sammeln will.

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