„Für die Gesellschaft nicht tragbar“

Betrügerischer Pferdehandel: Zweieinhalb Jahre Haft für Langenerin

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Symbolbild

Langen/Darmstadt - Endlich: Nach vier mühsamen Verhandlungstagen mit einem Dutzend Zeugen ist der Betrugs-Prozess um kranke Gäule mit einem Urteil beendet worden – mit einer Haftstrafe für die angeklagte 26-jährige Langenerin. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Vor dem Amtsgericht Darmstadt sprach Richter Peter Liesenfeld die Frau schuldig in acht Fällen, die sich aus gewerbsmäßigem Betrug und dessen Versuch, Urkundenfälschung und falscher eidesstattlicher Versicherung zusammensetzen. Die bislang nur geringfügig, aber einschlägig vorbestrafte Pferdenärrin muss nun zum ersten Mal hinter Gitter: Zweieinhalb Jahre brummte ihr der Richter auf. Staatsanwalt Nico Kalb hatte sogar drei Jahre gefordert, zeigte sich aber nach Sitzungsende mit dem Urteil zufrieden und verzichtet auf Rechtsmittel.

Nicht so vermutlich die Langenerin. Sämtliche Prozessbeteiligten rechnen fest damit, dass sie den Weg in die nächste Instanz nimmt. Dementsprechend forderte ihr Pflichtverteidiger in seinem Plädoyer – das ihm augenscheinlich selbst schwer fiel – einen glatten Freispruch. Denn die junge Frau ist alles andere als einsichtig. Sie hält sich nach wie vor für komplett unschuldig. „Jeder hat sich so seine Geschichte ausgetüftelt, um mich in ein schlechtes Licht zu rücken!“ ist der Tenor während ihrer umfangreichen Aussage am ersten Verhandlungstag. Doch selbst Verteidiger René Thalwitzer bekannte schon zu diesem Zeitpunkt: „Es wird schwierig, ein anderes Bild als das der Betrügerin aufzuzeigen. Wir wollen aber versuchen, dieses Bild gerade zu rücken.“

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Das ist ihm offensichtlich nicht gelungen. Zu erdrückend war die Beweislast der vielen von der Angeklagten unterschriebenen Verträge, Unterlagen und Urkunden, zu glaubwürdig die zahlreichen Zeugen. Und die fünf kranken Sportpferde, die sie als gesund, turniertauglich und deshalb weit über ihrem eigentlichen Marktwert verkaufte, sind zudem nicht die einzigen Fälle. Einige weitere standen gar nicht erst in der Anklageschrift. Zudem laufen vereinzelte Zivilprozesse, in denen die Käufer gegen die dubiose Geschäftsfrau geklagt haben. Ob ein Tier nun wirklich krank oder vielleicht doch wieder gesund ist, darüber kann man sich freilich manchmal streiten. Das zeigte die Zeugenaussage des seriös wirkenden Darmstädter Tierarztes, der dem an der Spatkrankheit leidenden Dressurpferd Dancier Donnerhall einen guten Allgemeinzustand bescheinigte.

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Absolut unstrittig sind jedoch die drei weiteren Tatbestände – wegen denen die gelernte Eventmanagerin auch verurteilt wurde – und die das „schlechte Bild“ der im Prozess meist gelangweilt wirkenden jungen Frau leider weiter vervollständigen. Da geht es einmal um eine falsche eidesstattliche Versicherung, in der sie dem Gerichtsvollzieher wahrheitswidrig erklärte, keine Pferde zu besitzen. Des Weiteren soll sie eine über eBay verkaufte Geldbörse nicht an die Käuferin versendet haben. Und sie soll in ihrem Status als Hartz-IV-Empfängerin das Jobcenter vorsätzlich getäuscht haben: Um die Kosten für einen Anhänger-Führerschein erstattet zu bekommen, hat sie die Bescheinigung einer Firma selbst entworfen und der Agentur vorgelegt. Diese Event-Firma wollte sie angeblich einstellen, wenn sie die erforderliche Fahrerlaubnis mitbrachte.

Dass sie als Arbeitslose nicht gerade am Hungertuch nagte, zeigte auch eine Hausdurchsuchung der Polizei. Man fand 12.500 Euro Bargeld, einen 1er-BMW, wertvolle Kleidung, Rechnungen über Schönheitsoperationen. Allein mit dem Verkauf der kranken Pferde soll sie insgesamt 142.000 Euro Gewinn gemacht haben. „Die Art und Weise, auf die Sie sich durchs Leben schlagen, ist für die Gesellschaft nicht tragbar“, konstatierte Richter Liesenfeld in seiner Urteilsbegründung.

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