Geständnis im Berufungsprozess

Mit wertlosen Pferden viel Geld gemacht

Langen/Darmstadt -  Zweite Runde im Strafprozess um den Verkauf von angeblich hochwertigen Turnierpferden: Die Betrügerin muss nun doch nicht hinter Gitter; die Haftstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Von Sina Beck 

Für die 26-Jährige aus Langen hat sich die zweite Instanz gelohnt: Nachdem sie im März 2017 vom Amtsgericht zu zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt wurde, ging die wegen gewerbsmäßigen Betrugs in mehreren Fällen angeklagte Frau in Berufung. Dabei legte sie, die in der ersten Instanz noch sämtliche Vorwürfe weit von sich gewiesen hatte, am ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht ein überraschendes Geständnis ab. Dem verdankt sie das revidierte Urteil, das nun eine zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe von zwei Jahren vorsieht.

Von der Strafverfolgung wegen Urkundenfälschung sieht die Staatsanwaltschaft im Laufe des Verfahrens zwar ab, doch damit bleiben immer noch sieben Vorwürfe des schweren beziehungsweise versuchten Betrugs im Raum stehen, die die Angeklagte bereits am ersten Prozesstag nach Beratung mit Verteidiger Dr. Ulrich Endres eingesteht. Demnach hat sie im Zeitraum von August 2014 bis Ende 2015 zum Sport ungeeignete, teils kranke Pferde günstig gekauft und als turniertauglich gewinnbringend weiterveräußert. Hinzu kommt eine falsche eidesstattliche Versicherung, die die Eventmanagerin beim Gerichtsvollzieher in Langen abgegeben hat.

Trotz des Geständnisses gilt es für Richterin Barbara Bunk, mit der Beweisaufnahme fortzufahren und dem einen oder anderen dubiosen Sachverhalt auf den Grund zu gehen. Da die Angeklagte zwischenzeitlich unter dem Verdacht stand, mit Drogen zu handeln, wurde im November 2015 eine Hausdurchsuchung vorgenommen. Dabei fiel zum einen der teure Lebensstil – hochwertige Kosmetika, Markenkleidung, Rechnungen diverser Schönheitsoperationen – der damaligen Hartz IV-Empfängerin auf, wie eine an der Durchsuchung beteiligte Kriminaloberkommissarin berichtet. Zum anderen fanden die Beamten in einem Umschlag 12.500 Euro Bargeld, die jedoch dem früheren Freund der Angeklagten gehörten, wie dieser nun bezeugt.

Deutlich nebulöser noch scheinen die Besitzverhältnisse des beschlagnahmten BMW zu sein, welchen die Angeklagte 2016 gekauft, anschließend einem Freund ihres Bruders verkauft und daraufhin wieder ausgeliehen haben soll. Der 31-jährige Kletterparkbetreiber sorgt mit seinen verwirrenden, nicht nachvollziehbaren Angaben für reichlich Irritationen und nimmt nach wohlmeinendem Einwirken von Bunk und Endres seine Aussage auch schnell wieder zurück.

Die Angeklagte wiederum verzichtet ganz im Sinne der Verteidigungsstrategie darauf, das beschlagnahmte Fahrzeug zurückzufordern. Diesen Umstand sowie das frühe und umfängliche Geständnis berücksichtigend plädiert Rechtsanwalt Endres für sein erklärtes Ziel einer Bewährungsstrafe. Die Taten liegen inzwischen bis zu drei Jahre zurück und es habe sich nur um einen Abschnitt im Leben seiner Mandantin gehandelt, der beendet sei. Strafmildernd solle sich seiner Meinung nach auch die Zielgruppe – Reitsport bringt tendenziell wohlhabende Opfer mit sich – auswirken: „Sie wurden um relativ kleine Beträge betrogen. Und keiner von ihnen musste deswegen am Hungertuch nagen.“

Tierische Gerichtsprozesse des Jahres 2016

Das sieht die Staatsanwaltschaft freilich anders, schließlich wurden die für Turniersport untauglichen Pferde günstig erstanden und dann für bis zu 5900 Euro verkauft, in einem speziellen Fall ging eines der Reittiere sogar für 90.000 Euro in die Niederlande. Kleine Beträge seien das nicht. Auf die Forderung, die Berufung zu verwerfen, geht die Vorsitzende nicht ein, sondern ändert nun das Urteil der ersten Instanz ab.

Die Bewährungszeit für die zweijährige Freiheitsstrafe beträgt drei Jahre. Wenngleich Bunk zustimmt, dass es sich offensichtlich um einen Lebensabschnitt gehandelt habe, so stecke auch eine erhebliche kriminelle Energie hinter diesen Taten. Zieht man die Erwerbskosten ab, so erlangte die 26-Jährige durch die Betrügereien mehr als 103.000 Euro. Für diese Summe ordnet Bunk eine Beschlagnahmung („Dinglicher Arrest“) an. Von einer Geldauflage sieht das Gericht ab, denn „Schadensersatzforderungen von den Geschädigten werden wahrscheinlich noch auf Sie zukommen“, so Bunk. Stattdessen hat die Verurteilte 200 Stunden gemeinnützige Arbeit abzuleisten.

Rubriklistenbild: © dpa

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