Hinterlassenschaften im Boden

Bombenverdacht bremst Abriss

+
Die bis zu 25 Tonnen schweren Fundamente der einstigen Hallen (im Bild links) müssen einzeln ausgegraben werden. Dann werden sie mit schwerem Gerät in einem bereits komplett auf Kampfmittel untersuchten und für sauber befundenen Bereich des Gleisschwellenwerks (hinten) zerkleinert.  

Langen - Der Abriss des ehemaligen Gleisschwellenwerks an der Liebigstraße dauert länger als geplant. Der Verdacht auf Sprengbomben aus dem Zweiten Weltkrieg im Untergrund, aber auch verunreinigter Boden erschweren die Arbeiten. Von Markus Schaible 

Ende Oktober soll das fünf Hektar große Gelände nun komplett abgeräumt sein. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als gehe der Abriss des Gleisschwellenwerks (einst Wayss & Freytag, dann Pfleiderer, zuletzt RAIL.ONE) dem Ende zu. Die meisten der Gebäude sind bereits verschwunden, nur wenige Mauern stehen noch. Dafür sind große Schuttberge aufgeschüttet. Und doch haben die Arbeiter noch jede Menge zu tun. Denn im Laufe der vergangenen Monate sind unvorhergesehene Probleme aufgetaucht.

„Man kann halt nicht in den Boden schauen“, sagt Hannes Buck, Bauleiter der Wayss & Freytag Ingenieurbau AG, der die Arbeiten koordiniert, gleich mehrfach beim Ortstermin. Soll heißen: Es war (und ist in Teilen immer noch) nicht klar, was sich unter der Oberfläche verbirgt. Oder zumindest verbergen könnte.

Mehrere Meter unter der Oberfläche wurde kontaminiertes Erdreich gefunden. Nun wird sondiert, wie weit die Verunreinigung durch Öl in den Boden reicht.

Die Stadt Langen war im Zweiten Weltkrieg kein bevorzugtes Ziel der alliierten Luftstreitkräfte, wohl aber die Eisenbahnlinie. Und an der liegt das ehemalige Fabrikgelände bekanntlich. In der Abrissgenehmigung sei zwar von möglichen Kampfmittelresten keine Rede gewesen, im Bebauungsplan aber habe sich ein kleiner Hinweis gefunden, sagt Buck. Die Aussagen des Kampfmittelräumdienstes waren dann konkreter: In dem gesamten Bereich gebe es mehrere Blindgänger-Verdachtspunkte, zwei davon direkt auf dem Gelände. Zudem bestehe der allgemeine Verdacht auf nicht detonierte Sprengbomben mit Langzeitzünder.

„Das hat uns ziemlich zurückgeworfen“, erklärt Buck. Zwar konnten die beiden konkret benannten Punkte zügig sondiert und freigelegt werden („Es fanden sich zum Glück nur Eisenteile“), aufgrund des allgemeinen Verdachts aber musste ein Kampfmittelräumkonzept entwickelt und mit den Behörden abgestimmt werden. Dieses beinhaltet unter anderem, dass die Fundamente der Hallen wegen der Erschütterungen nicht an Ort und Stelle zerkleinert werden dürfen. Vielmehr werden sie unter Aufsicht eines Feuerwerkers ausgegraben und am Stück aus der Erde geholt. Dann werden die bis zu 25 Tonnen schweren Teile zu einer Stelle geschafft, die vorher komplett auf Munitionsreste untersucht und danach freigegeben wurde. Erst dort erfolgt die Zerkleinerung.

Hyperloop und Drohnentaxi: Wie wir zukünftig reisen könnten

Allerdings funktioniert das nicht in allen Fällen: „Wir haben auch Fundamente gefunden, die bis zu 250 Tonnen schwer sind. Dafür müssen wir andere Wege finden“, sagt der Bauleiter. Überlegt wird, sie mittels Seil-Sägen erschütterungsfrei zu zerkleinern.

Ein zweites Problem, das die Arbeiter derzeit beschäftigt: Es wurde verunreinigter Boden gefunden. Aus einem früheren Heizöllager dürfte vor 20 oder 25 Jahren Öl ausgetreten und ins Erdreich eingedrungen sein. Aktuell prüfen Fachleute, wie weit die Verunreinigungen reichen und wie der kontaminierte Boden entsorgt werden kann.

„Das alles macht den Abriss erheblich teurer und verlängert die Bauzeit“, sagt Buck, sei aber nicht zu ändern. Aktuell sieht der Zeitplan vor, dass die eigentlichen Abrissarbeiten bis Ende September, die Nacharbeiten samt Bodensanierung bis Ende Oktober beendet sind.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare