Aktion im Fachärztezentrum sorgt für lange Schlangen

Impfnacht in Langen: Booster mit Geduldsprobe

1700 Dosen des Corona-Vakzins verimpfte Dr. Matthias Scholz. Auch Birgit Ahrens freute sich über den Booster.
+
1700 Dosen des Corona-Vakzins verimpfte Dr. Matthias Scholz. Auch Birgit Ahrens freute sich über den Booster.

Im Kreis Offenbach wird nachts gegen Corona geimpft. Zur langen Impfnacht in Langen kommen mehr als 1700 Impfwillige.

Langen – „Mehr Tempo beim Impfen und Boostern!“ Diese Forderung hört man beinahe täglich von Bundes-, Landes- und Lokalpolitikern. Um der Impfkampagne auch in der Region mehr Fahrt zu verleihen gab es am Mittwochabend eine groß angelegte Impfaktion von Kreis, Rotary Clubs und Asklepios Klinik im Fachärztezentrum Langen an der Asklepios Klinik zu Erst- und Drittimpfungen.

Der Andrang ist riesig: Trotz langer Verkehrsstaus, eisiger Kälte und vielen Hunderten Meter Warteschlange quer über den gesamten Parkplatz lassen sich über 1 700 Impfwillige nicht beirren. Der Großteil holt sich den „Booster“, aber immerhin 20 Prozent Erstimpfungen zählt Organisator Dr. Matthias Scholz vom FÄZ am Ende.

Ganz hinten in der Schlange steht Katja Sachs aus Rödermark mit ihrem Mann Martin. Das Ehepaar hat im Sommer die erste und zweite Impfung gegen das Coronavirus erhalten und verharrt bereits eine halbe Stunde in der Kälte. „So eine Aktion ist dringend geboten und sowohl für unsere Gesundheit, aber auch für die Gesundheit aller, machen wir das gerne“, sagt Katja Sachs. „Wir stehen hier bestimmt noch zwei Stunden“, fügt ihr Mann hinzu. Andere haben sich wohlweislich dicke Decken mitgebracht und das DRK Langen sorgt mit Zelten und heißen Getränken für etwas Wärme.

Corona: 15 Impfstraßen bei langer Impfnacht in Langen

Wer es bis zum Eingang geschafft hat und alle notwendigen Formulare ausgefüllt vorzeigen kann, bekommt den begehrten „Stoff“ – so wie Birgit Ahrens. Nach Kontrolle aller Daten kann sie endlich das Impfzimmer betreten und bekommt ihren „Booster“ gespritzt. Die Dietzenbacherin ist hellauf begeistert von der Aktion: „Es ist einfach genial, dass so etwas stattfindet und ich habe riesigen Respekt vor den Kollegen, die bis in die Nacht hier ihren Dienst tun.“

Da sie selbst aus der Pflege kommt, weiß sie, was die vielen Ärzte und Pfleger – gerade auf der Intensivstation – zu tun haben und, dass viele eigentlich am Ende sind. „Ich weiß von einer guten Bekannten, was eine Erkrankung mit dem Coronavirus und die damit verbundenen Folgen von Long-Covid bedeuten. Eine Impfung ist daher so unglaublich wichtig“, erzählt sie. „Wir lassen uns auch viel zu stark von zu vielen dummen Medien beeinflussen, die zu wenig darüber aufklären“, fügt Jürgen Thom hinzu. „Ich habe vorhin von einigen Menschen gehört, die sich zum ersten Mal impfen lassen wollen und kann dazu nur sagen: ‚Warum habt ihr so lange gewartet?’“

Weiterer Termin

Wer sich ebenfalls gegen das Coronavirus impfen lassen möchte, hat dazu am Samstag, 27. November, zwischen 8 und 18 Uhr im Fachärztezentrum, Röntgenstraße 6-8, die nächste Chance – wahrscheinlich wieder mit langen Warteschlangen.

Mit zunächst weichen Knien hat Dr. Matthias Scholz der Impfnacht in seiner Praxis entgegengefiebert. Doch trotz verhältnismäßig wenig Werbung ist der Zuspruch gigantisch. „Wir haben 15 Impfstraßen über mehrere Praxen verteilt und dadurch eine sehr hohe Impfdichte“, freut sich der Mediziner. „Die Idee entstand erst am Sonntag vor einer Woche bei einem Glas Wein am Abend“, erzählt er. Auch die Verbindung zu den Rotary Clubs aus Dreieich kam so zustande, die die Aktion ebenfalls mit einigen Ärzten unterstützen. In der ersten Stunde seien so bereits über 500 Impfungen verabreicht worden – davon aber nur 20 Erstimpfungen. „Natürlich machen wir auch Erstimpfungen und selbstverständlich kann jeder zu uns kommen, bei dem die Zweitimpfung erst fünf Monate zurückliegt. Wir machen hier keine Politik, sondern tun das, was nötig ist und handeln“, versichert Scholz.

Dr. Scholz: „Gesundheitsministerium blockiert Impfnacht in Langen immens“

Doch der Arzt übt auch Kritik an der Impfkampagne: „Ursprünglich wollten wir 4 400 Impfdosen bestellen. Dann wurde die Auslieferung des Impfstoffes von Biontech durch die Politik begrenzt und auch Moderna konnte nicht geliefert werden. Das Gesundheitsministerium blockiert diese Aktion damit immens!“ So kann der Arzt schließlich nur 3 000 Dosen auftreiben, von denen rund die Hälfte am Mittwochabend verimpft werden. „Die Motivation unter den Kollegen, auch größere Impfaktionen zu veranstalten, ist da. Aber diese Umstände machen es uns nicht gerade einfacher“, betont Scholz.

Ursprünglich wollten wir 4 400 Impfdosen bestellen. Dann wurde die Auslieferung des Impfstoffes von Biontech durch die Politik begrenzt und auch Moderna konnte nicht geliefert werden. Das Gesundheitsministerium blockiert diese Aktion damit immens!

Dr. Matthias Scholz

An ungeimpfte Bürger hat er eine klare Botschaft: „Mit Impfverweigerern diskutiere ich nicht mehr. Ich kann nur sagen, dass sich jeder von ihnen in diesem Winter zu 100 Prozent mit der Deltavariante des Virus infizieren wird.“ Ihm macht aber der Anblick der vielen Menschen, die mit einem Lächeln auf den Lippen und voller Dankbarkeit an diesem Abend aus dem Fachärztezentrum kommen, Hoffnung – dass die Intensivstationen, die seit zwei Jahren Schwerstarbeit leisten und an ihre Strapazierfähigkeit kommen, nicht unter der Verantwortungslosigkeit einer Minderheit irgendwann zusammenbrechen. (Moritz Kegler)

Die Impfnacht im Kreis Offenbach ist keine Premiere. Bereits im Mai 2021 gab es eine ähnliche Aktion in Heusenstamm.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare