Begehung mit Feuerwehr soll für den Ernstfall rüsten

Stadtkirche Langen: Brandschutz fürs Wahrzeichen

Auf dem Hauptdach der Stadtkirche (links) ist die Folie zu erkennen, auf dem Seitenschiff (rechts) liegen schon die neuen Schieferplatten. Die Folie ist zwar schwer entflammbar, Schäden durch Silvesterraketen aber möglich.
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Auf dem Hauptdach der Stadtkirche (links) ist die Folie zu erkennen, auf dem Seitenschiff (rechts) liegen schon die neuen Schieferplatten. Die Folie ist zwar schwer entflammbar, Schäden durch Silvesterraketen aber möglich.

Die Dachsanierung der Langener Stadtkirche schreitet weiter voran. In einem aufwendigen Verfahren wird die gesamte Fläche des über 60 Jahre alten Dachs erneuert (wir berichteten mehrfach). Ein nicht zu vernachlässigender Punkt bei der Ausbesserung des Kirchendachs ist der Brandschutz. Denn die Verantwortlichen fürchten trotz des Feuerwerkverbots einen Brand durch Silvesterraketen.

Langen – Mitte Dezember haben die Dachdecker angefangen, neue Schieferplatten auf das Dach der historischen Kirche aufzubringen. Die darunter liegende Folie, der hölzerne Dachstuhl und die Schutzplanen am Gerüst sind zwar alle schwer entflammbar. „Doch die Sorge bleibt, dass sich eine Silvesterrakete oder ein Böller darin verfängt und einen Brand auslöst, denn bis zu Silvester werden die Arbeiten nicht abgeschlossen sein“, sagt Frank Oppermann vom Verein der Freunde der Stadtkirche.

Daher wurde kurz vor den Feiertagen eine kleine „vorbeugende Brandschau“ mit Stadtbrandinspektor Frank Stöcker und seinem Stellvertreter Christian Buchold zusammen mit dem bauleitenden Achitekturbüro von Andreas Hein aus Darmstadt und mit Architektin Christiane Thomas aus Sprendlingen unternommen. Die Aufgaben des „Sicherheits- und Gesundheitskoordinators“ (SiGeKo), dessen Mitwirken bei solchen Bauvorhaben vorgeschrieben ist, übernahm der Ingenieur Bernd Roesner aus Roßdorf, der den Ortstermin angeregt hat. Bei dieser „Objekterkundung“ wurde geklärt, wie im „Falle des Falles“ die Feuerwehr vorgehen kann, wie sie an die Treppenanlagen des Gerüstes kommt und was bei eventuellen Löscharbeiten für das Innere der Kirche zu beachten ist.

Denn die in den 90er Jahren lose eingebrachte Wärmedämmung im Dachstuhl ist zwar genauso wie andere Materialien an der Kirche schwer entflammbar. Aber bei eventuellen Löscharbeiten saugt sie auf Grund ihrer Zellulosebasis sehr viel Wasser auf. Die Dämmung könnte dann unter Umständen so schwer werden, dass die statische Standsicherheit der Gewölbekappen der Stadtkirche nicht mehr gegeben wäre. Doch durch die gemeinsame Besprechung an der Baustelle kann jetzt eine solche Kettenreaktion vermieden werden, betonen Frank Oppermann und Pfarrer Christian Mulia von der Evangelischen Gemeinde.

Alle Beteiligten hoffen natürlich, dass es in Langen gar nicht erst zu einem Kirchenbrand kommt. „Allen sind die Bilder der brennenden Kathedrale von Notre-Dame in Paris vom April letzten Jahres noch in Erinnerung. Vielleicht hat eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe eines Bauarbeiters die Katastrophe ausgelost. Die Brandursache ist bis heute unklar“, sagt Oppermann. Auch wenn das Abbrennen von Feuerwerkskörpern an Silvester und Neujahr durch die Corona-Verordnung des Kreises untersagt ist – und vor Kirchen, Altersheimen und Fachwerkhäusern nach dem Deutschen Sprengstoffgesetz sowieso verboten ist, wie Stadtbrandinspektor Stöcker ergänzt – , hoffen die Verantwortlichen, dass sich dem Verbot niemand widersetzt, damit das Langener Wahrzeichen die Neujahrsnacht unbeschadet übersteht.  (jrd)

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