Prozess wegen versuchten Mordes

Ärzte des Brandopfers sagen aus

Langen -  Derzeit steht ein 21-Jähriger vor dem Darmstädter Landgericht, weil er am 18. Januar letzten Jahres in der Friedrichstraße ein Feuer gelegt haben soll – mit der Absicht, seine Ex-Freundin, deren Bruder und sich selbst zu töten (wir berichteten).

Am zweiten Verhandlungstag hörte die zweite Große Strafkammer eine Ärztin und die Betreuerin des damals 14-jährigen Bruders, der von dem Brand schwere Verletzungen davon trug.

Der junge Mann atmete im damals komplett verrauchten Obergeschoss des Hauses große Mengen Kohlenmonoxid ein. Eine schwere Rauchgasvergiftung zerstörte große Teile seines Gehirns. Seither kann er nicht mehr sprechen und sitzt im Rollstuhl. Es sei unklar, wie weit er seine Umwelt noch bewusst wahrnimmt, wie die Frankfurter Fachärztin (63) vor Gericht berichtete. Ihre Prognose für das künftige Leben des jetzt fast 16-Jährigen ist schlecht: Er werde sein Leben weiter mehr im Bett als im Rollstuhl verbringen. Eine wesentliche Besserung seines Zustandes sei aus medizinischer Sicht nicht zu erwarten. Das bestätigte auch die amtliche Betreuerin. Sie berichtete weiter, dass nur ein Cousin den Jugendlichen in dem Offenbacher Kinderheim besucht, in dem er jetzt lebt. Er wird dort mit einer Magensonde ernährt. Der Cousin berichtet, es habe den Anschein, als verstehe er noch wenige Worte in bulgarischer Sprache. Äußern könne er sich nur durch Lächeln.

Bilder: Drei Verletzte bei Brand in Langen

Der 21-jährige Angeklagte schweigt auch am zweiten Verhandlungstag zum Brandgeschehen und äußert sich nicht einmal zu seinen Personalien. Er selbst erlitt lediglich eine Rauchvergiftung, die ohne wesentliche Folgen blieb. Das zweite Opfer, die damals 20-jährige Schwester des Schwerverletzten, kann zum Geschehen nicht gehört werden. Die junge Frau hält sich im Ausland, entweder Bulgarien oder Holland, auf und ist nicht auffindbar. Wie Zeugen berichten, waren sie und der mutmaßliche Brandstifter ein Paar. Weil sie ein Verhältnis mit dem türkischen Vermieter gehabt haben soll, kam es zum Zerwürfnis des Paares. Danach habe der 21-Jährige wohl den Brand im Erdgeschoss des Hauses gelegt – um seine Lebensgefährtin, ihren Bruder und schließlich sich selbst umzubringen.

Der Prozess wird voraussichtlich am 29. Juni mit weiteren Zeugen fortgesetzt. Mit einem Urteil wird im Juli gerechnet. (sc)

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