Mit Höchstgeschwindigkeit ins Netz

Breitbandversorgung in Langen - eine Bestandsaufnahme

Langen - „Surfen mit bis zu 100 Mbit/s“, „Highspeed-Internet bis 120 Mbit/s“ oder gar „Jetzt einsteigen ins Netz bis 400 Mbit/s“ – es sind vollmundige Versprechen, mit denen die Telekommunikationsunternehmen um Kunden werben. Von Markus Schaible

Der Haken ist allerdings das „bis zu“ in den Aussagen. Denn welche Übertragungsraten tatsächlich erreicht werden, hängt an unterschiedlichen Faktoren. Eine Bestandsaufnahme für Langen. Es ist noch gar nicht so viele Jahre her, da kam ein Privathaushalt mit einem einfachen Modem mit einer Datenübertragungsrate von 56 Kbit/s gut über die Runden. Doch heute muss es mehr sein, viel mehr: Die Digitale Agenda der Bundesregierung sieht vor, dass es in Deutschland bis 2018 flächendeckend schnelles Internet mit einer Downloadgeschwindigkeit von mindestens 50 Mbit/s geben soll. Einen Anspruch darauf hat der Bürger aber nicht: Vom Gesetz her ist die Deutsche Telekom lediglich verpflichtet, jedem Haushalt einen Telefon- und Internetanschluss auf niedrigem Level anzubieten – „Universaldienstleistungen nennt der Gesetzgeber das und meint damit einen Rechtsanspruch – überspitzt – auf Niveau Klingeldraht“, wie es Joachim Kolbe nennt. Langens oberster Wirtschaftsförderer ist bei der Stadtverwaltung zuständig für den Bereich Breitbandförderung.

Die erfreuliche Nachricht: Langen ist überaus gut versorgt. Allerdings gibt es tatsächlich einige schlecht erschlossene Quartiere, so genannte „weiße Flecken“ auf dem Stadtplan. Zudem klagen Bürger immer mal wieder über Schwankungen und Störungen – doch die sind auf Probleme bei den einzelnen Anbietern zurückzuführen und haben nichts mit dem Netz an sich zu tun.

Der Unterschied zum flachen Land und eben der große Vorteil für die Langener ist, dass hier gleich mehrere TK-Anbieter miteinander in hartem Wettbewerb sind und teilweise gleich drei parallele Netze existieren: Für Unternehmen gibt es ein Glasfasernetz der Stadtwerke, für Privatkunden zum einen das Kabelnetz der Telekom sowie das Koaxialkabelnetz (Fernsehen) von Unitymedia; und überdies spielen auch die Funknetze eine stetig wachsende Rolle in dem Geschäft.

„Vor allem durch die Telekom und Unity haben 95 Prozent der Kernstadt bereits heute Zugang zu einer zukunftsfähigen Netzinfrastruktur“, sagt Kolbe. Dabei ist das TV-Kabelnetz, einst von der Deutschen Post verlegt, das leistungsfähigere; es ermöglicht gegenwärtig Übertragungsraten bis zu 100 Mbit/s. Aber: „Viele Bürger wissen gar nicht, dass ihr Haus an dieses Netz angeschlossen ist“, so Kolbe. Und: „Das Netz hat seltsame Lücken.“ Im Neurott beispielsweise wurde in einigen Straßen gar kein TV-Kabel verlegt, in anderen nur teilweise: in der Steubenstraße etwa bis Hausnummer 180, in der Hermann-Bahner-Straße bis Hausnummer 12. In der Altstadt sowie zwischen Bahnlinie, Birkenwäldchen und Goethestraße gibt es ebenfalls weiße Flecken.

Mit Blick auf das Kabelnetz der Telekom (auf das auch Anbieter wie Vodaphone, 1&1 und andere zurückgreifen) ist Langen aber – Stand heute – perspektivisch unterversorgt, da keine flächendeckende Versorgung mit 50 Mbit/s erreicht werden kann, wie Kolbe erläutert. Grund ist die Physik: Je weiter ein Anschluss vom Telekom-Hauptverteiler im Postgebäude in der Bahnstraße entfernt ist und je mehr Daten gleichzeitig übertragen werden, desto schlechter die Verbindung – die Übertragungsgeschwindigkeit nimmt rapide ab.

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Mittels moderner Technik („Vectoring“) könnte auch das Telefonkabelnetz leistungsfähiger gemacht werden – bis zu 100 Mbit/s. Die Telekom hat das bei der Bundesnetzagentur beantragt, aber Bedingungen an den Ausbau geknüpft, die zulasten des Wettbewerbs gingen, klagen die Konkurrenzunternehmen in der Branche. „Diese ausgesprochen wichtige Entscheidung der Regulierungsbehörde steht noch aus. Sobald die vorliegt, da bin ich mir sicher, kommt spürbare Bewegung in den Markt und die Angebote“, meint Kolbe. Aber: Vectoring ist gewiss nur eine Brückentechnologie, die dazu nötigen neuen Verteilerkästen im Stadtgebiet wären deutlich größer und die darin enthaltene Technik verursacht Geräusche.

Das Nonplusultra ist und bleibt ein flächendeckendes Glasfasernetz bis in jedes Gebäude, was aber noch utopisch ist. „Das geht schon aus rein praktischen Gründen nicht, weil dann in der ganzen Stadt Tiefbauarbeiten erforderlich wären“, erklärt Kolbe. Zudem sei auch in den Häusern eine Glasfaseranbindung bis in die Wohnungen erforderlich, um die Geschwindigkeit nutzen zu können. Und der Preis würde deutlich steigen, auf etwa 50 Euro pro Monat, was auf dem Markt nicht durchsetzbar wäre. Zumal die meisten privaten Haushalte gegenwärtig mit einer Geschwindigkeit bis 16 Mbit/s zufrieden seien, weiß Kolbe aus Untersuchungen der TK-Unternehmen zu berichten.

20 Tipps: Sicher surfen und telefonieren

Bleiben also doch die existierenden Netze von Telekom und Unitymedia. Augenblicklich gibt es ein kreisweites Projekt zum Breitbandausbau, an dem die Stadt beteiligt ist, um die weißen Flecken zu beseitigen. Kolbe: „Der Kreis Offenbach und die 13 kreisangehörigen Kommunen arbeiten hier eng zusammen und wir kommen voran – heißt: Die Ausschreibung dazu läuft.“

Selbst tätig werden und Kabel verlegen darf die Stadt übrigens nicht. Zudem hat die Verwaltung keinerlei Anspruch darauf, die Netzpläne und Ausbaustrategien der Unternehmen einzusehen (die sind Geschäftsgeheimnis). Und: Nach der hessischen Bauordnung ist das Verlegen von Leitungen oder das Errichten von Kabelverzweigern ausdrücklich genehmigungsfrei. „Wir wissen, dass sich was tut. Es ist aber ausgesprochen schwer für uns, einen fundierten Überblick zu bekommen.“

Aber natürlich versucht die Verwaltung, in Gesprächen mit den Anbietern Verbesserungen zu erreichen. Er gehe davon aus, dass in Langen in ein bis zwei Jahren flächendeckend 30 Mbit/s geboten werden können, perspektivisch sind 50 Mbit/s angepeilt. Wer in den Neubaugebieten wohnt oder dorthin zieht, muss sowieso keine Unterversorgung fürchten, da dort leistungsfähige Leitungen zum Einsatz kommen: Im Belzborn haben die beiden Netzbetreiber Glasfaserleitungen und Leerrohre verlegt, in der Liebigstraße wird die Breitbandverkabelung schon in die Vereinbarungen zur Erschließung aufgenommen. Denn eines ist Kolbe und seinen Mitarbeitern ganz klar: „Fortschritt und Wachstum erfordern Breitband.“

Rubriklistenbild: © Symbolild: dpa

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