Prozess gegen sechs Schläger

Brutale Attacke: Schon der erste Tritt ging an den Kopf

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Das Opfe des brutalen Angriffs lag vier Wochen im Koma und wird womöglich dauerhafte Gesundheitsschäden davon tragen.

Langen/Egelsbach - Gleich sechs Angeklagte sitzen seit gestern vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts Darmstadt. Sie sollen in der Nacht zum 15. Juni 2017 in der Nähe der Stadthalle einen 35-jährigen Egelsbacher krankenhausreif getreten haben. Von Silke Gelhausen 

Der als Nebenkläger erschienene Mann lag vier Wochen im Koma und wird womöglich dauerhafte Gesundheitsschäden davon tragen.
Es ist voll im großen Saal des Landgerichts. Sechs junge Männer im Alter zwischen 18 und 23 sitzen mit ihren teilweise doppelt vertretenen Verteidigern vor der Zehnten Strafkammer. Dazu Nebenklage, Gutachter und die Vertreter der Jugendgerichtshilfe, die aus Platzmangel mit zwei Stühlen an der Wand auskommen müssen. Genau genommen fehlt sogar noch ein 22-jähriger Angeklagter. Doch der wohnt inzwischen in Würzburg und zog es gestern vor, sich seinem Strafprozess zu entziehen. Der Vorsitzende Richter Jens Aßling erlässt Haftbefehl und trennt das Verfahren gegen den ehemaligen Langener ab. Ein achter Beteiligter ist nach wie vor auf der Flucht.

Dieses Oktett ist – so die Anklage – im Sommer vergangenen Jahres nachts angetrunken auf dem Weg zur 90er Party in der Stadthalle, als ihnen eine vierköpfige Clique begegnet. Der älteste der Angeklagten soll die beiden Frauen angepöbelt haben, weshalb ihn einer der beiden Männer zur Rede stellt. Ein Streit folgt, der Geschädigte wird von zwei weiteren Angeklagten geschlagen und getreten. Als er bereits bewusstlos am Boden liegt, sollen noch drei weitere Männer zugetreten haben.

Versuchter Totschlag?

Das besonders Brutale an der Sache ist, dass sich sämtliche Tritte gegen den Kopf des 35-Jährigen richten und die beiden nicht tretenden Angeklagten den männlichen Begleiter des Opfers daran hindern, helfend einzugreifen. Damit steht eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags im Raum. Die beiden Frauen können letztlich Polizei und Rettungsdienst rufen. Als die Sirenen zu hören sind, flüchten die Täter.

Am ersten von sechs geplanten Verhandlungstagen signalisieren alle Angeklagten (fünf Langener, ein Neu-Isenburger) ihre Bereitschaft zur Klärung des scheußlichen Angriffs. Einer der Sechs, ein 21-jähriger Langener, saß im April schon vor dem Jugendschöffengericht Darmstadt. Dabei zeigte sich, dass es sich womöglich um ein versuchtes Tötungsdelikt handelt und damit nicht mehr in die Zuständigkeit des Amts-, sondern des Landgerichts fällt. Jetzt macht er den Anfang der Aussagen. Der junge Mann sitzt seit eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft, hat dort eine Ausbildung begonnen, die er unbedingt beenden will. „Ich weiß, dass ich schuldig bin!“, bekennt der Mann reuig. „Und ich will raus aus meinem früheren Leben.“

Gewalt in deutschen Gefängnissen ist Alltag

Er sehe das Gefängnis als Chance, habe dem regelmäßigen Marihuana- und Alkoholkonsum abgeschworen – und den falschen Freunden gleich mit. Zur Klärung des genauen Tathergangs kann er leider nicht allzu viel beitragen. Er gibt aber zu, dem Egelsbacher als Erster einen „High Kick“ verpasst zu haben, weil der zu einem Schlag gegen den Kumpel ausgeholt habe. „Der Mann ist einfach umgefallen und hat komische Geräusche gemacht. Irgendeine Person hat ihn in die stabile Seitenlage gebracht“, behauptet der Langener. Er habe noch gefragt, ob er den Notarzt rufen solle, aber das sei wohl im Tumult untergegangen. Dann seien sie abgehauen.

Heute soll der geschädigte Egelsbacher seine Version der Geschichte darlegen. Er sitzt seit der Tat zeitweise im Rollstuhl und ist infolge des Schädel-Hirn-Traumas auf Medikamente angewiesen. Ob der selbstständige Hausmeister jemals wieder voll arbeitsfähig sein wird, ist fraglich.

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