Kritischer Blick auf Rekultivierung

BUND-Rundgang am Waldsee: Kritischer Blick auf Rekultivierung

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BUND-Rundgang am Waldsee Langen zu Kiesabbau

Langen - Der Waldsee als Ort der Freizeit und Erholung auf der einen, wichtiger wirtschaftlicher Standort für das Unternehmen Sehring auf der anderen Seite. Von Tobias Alarcon

Wo das Unternehmen seit nunmehr 90 Jahren Sand und Kies abbaut, kämpft nicht zuletzt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) für die Erhaltung der heimischen Flora und Fauna. Um einen Überblick über die aktuelle Rekultivierung ausgekiester Flächen und geplante Bauvorhaben der Firma Sehring zu geben, hat der BUND unter der Leitung von Thorwald Ritter am Wochenende zu einer Besichtigung der Ostgrube geladen. Rund 20 Interessierte aus der näheren Umgebung sind gekommen und folgen Ritter über die Wege um den Badesee herum. Vom Bauunternehmen selbst sind erwartungsgemäß keine Vertreter anwesend – Ritter zitiert vielmehr aus einem Schreiben, in dem der Gruppe verboten wird, bestimmte Wege zu benutzen und das Betriebsgelände an sich zu betreten.

In der Vergangenheit sind beide Parteien schon oft aneinandergeraten. Neben anderen Streitparteien wirft der BUND der Sehring AG Versäumnisse beim Umwelt- und Naturschutz vor. Das Unternehmen weist bisher jegliche Vorwürfe zurück, auch vor Gericht hatte der BUND keine Erfolge. Angeprangert wird vor allem die schleppende Rekultivierung des Abbaugebietes nach Fertigstellung einzelner Bauabschnitte. Laut Ritter wird der Kies und Sand bis zu einer Tiefe von 20 Metern abgebaut. Nach Abschluss des Abbaus werden nicht verwendbare Materialien wie Erde wieder zurückgeschüttet. Durch den intensiven Kies- und Sandabbau reichen diese Materialien jedoch nicht aus, um die Gruben vollständig wieder zu füllen. Der Firma Sehring fehlen nach Ritters Angaben die nötigen hochwertigen Materialien, die deutschlandweit bei ähnlichen Bauvorhaben enorme Mangelware seien, um das fehlende Volumen auszugleichen.

Alles zum Thema Kiesabbau in Langen

Eine Klage gegen die Sehring AG durch den BUND macht deutlich, wie ernst es den Umweltschützern ist. Verliert der BUND den Prozess, der mittlerweile vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof geführt wird, so ermöglicht es dem Unternehmen den weiteren Abbau auf einem Gebiet von 65 Hektar, was der Größe von rund 90 Fußballfeldern entspricht. Dennoch betont Ritter, dass der BUND sich auf keinen Fall in einem „Krieg“ mit dem Langener Unternehmen befinde. „Wir verstehen uns als Anwälte der Natur“, macht der Hainburger Grünen-Politiker deutlich, „wir werden die Firma Sehring unterstützen, wenn auch sie unser Anliegen ernstnehmen.“ Lösung laut BUND könnte sein, auf die fehlenden Materialien zu warten und mit einem neuen Bauabschnitt erst nach Vollendung des vorigen zu beginnen.

Hauptaugenmerk der Besichtigung gilt der Renaturierung der Ostgrube. Trotz Fertigstellung einzelner Abschnitte dieses Abbaugebietes seien Versäumnisse bei der Rekultivierung eingetreten, erklärt Ritter und macht auf die „verheerenden Folgen für die Umwelt“ aufmerksam. Die Bedingungen am Waldsee ermöglichen eigentlich eine breite Pflanzen- und Tiervielfalt, erläutert er. Durch den voranschreitenden Abbau herrsche allerdings kein konstanter Wasserspiegel, was eine Neupflanzung von Bäumen erschwere und eine brache Landschaft entstehen lasse.

Bilder: Bannwald erhalten oder Kies abbauen?

Bei den Langenern selbst seien die Meinungen zum Thema verschieden, weiß Ritter. 2010 scheiterte ein Bürgerbegehren, das sich gegen die Erweiterung des Abbaugebietes aussprach. Für die Besucher und Gäste des Badesees werde sich auch nichts ändern, betont Ritter, ein immenser Eingriff in die Natur und den Bannwald seien die Bauvorhaben dennoch. Weitere Aktionen zur Rettung des Waldes sollen daher folgen – am 21. Mai findet ein Sponsorenlauf des BUND statt, um weiter auf die Problematik aufmerksam zu machen und Spendengelder für das Gerichtsverfahren zu sammeln.

Impressionen vom Waldsee

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