Bundesweiter Staffellauf „Frieden geht“

Für den Frieden und gegen Rüstungsexporte

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Die Eine-Welt-Gruppe der evangelischen Kirchengemeinde hielt am Rande der Kundgebung Informationen parat.

Langen - Der jugendsprachlichen Redewendung „Läuft bei dir!“ kommt in der Gruppe um Pfarrer Steffen Held sportliche Bedeutung zu: Mit neun Jugendlichen aus dem Langener Petrus-Gemeindebezirk hat Held am bundesweiten Staffellauf „Frieden geht!“ teilgenommen. Von Vanessa Kokoschka 

Die Protestbewegung fordert ein Exportverbot von Kleinwaffen und Rüstungsgütern an kriegsführende Staaten oder solche, die Menschenrechte verletzen. Außerdem sollen die sogenannten Hermesbürgschaften abgeschafft werden. Diese sind Ausfallgarantien für deutsche Exporteure von Rüstungsgütern – zahlen die ausländischen Käufer nicht, übernimmt der Staat die Rechnung.

Ihre Forderungen haben die Initiatoren auf Papier gebracht, sodass die Läufer das Schriftstück zusammengerollt im Staffelstab mit sich tragen. Am Pfingstmontag sind die ersten Teilnehmer in Oberndorf am Neckar, vor den Werkstoren des Waffenherstellers Heckler & Koch, gestartet. Von dort aus soll es in mehr als 80 Etappen, die stets von einer Kundgebung begleitet werden, über 1100 Kilometer bis nach Berlin gehen. Die Strecke kann im Gehen, Laufen oder Radfahren zurückgelegt werden.

Für Steffen Held und die Jugendlichen aus Langen startet der Staffellauf am Darmstädter Ludwigsplatz. Von dort geht es zwölf Kilometer über Arheilgen und Egelsbach bis zum Langener Wilhelm-Leuschner-Platz. Dort werden die Läufer von den Organisatoren und Gästen der Kundgebung erwartet und mit Wasser und Bananen versorgt. Für die Jugendlichen ist das Erlebnis eine Premiere. „Wir sind in der Woche zuvor übungsweise zwölf Kilometer gelaufen. Aber das war im Wald und kühler“, berichtet Julian Jost (16). „Es ist aber eine gute Gelegenheit, mit dem Thema in Kontakt zu kommen“, ergänzt Laufkollege Frederik Duffner. „Im Privatleben beschäftigt man sich eher nicht mit dem Thema. Wenn, dann vielleicht noch im Unterricht in der Schule.“

Die Argumente gegen Rüstungsexporte, die sie vor dem Start bei der Kundgebung in Darmstadt gehört haben, finden beide überzeugend. Allerdings finden sie es schade, dass recht wenige Läufer aus Langen dabei waren. „Ich glaube, viele haben die zwölf Kilometer abgeschreckt“, tippt Jost. Die Kundgebung in Darmstadt war freilich schlechter besucht als die in Langen. „Das hat mich gewundert. Ich dachte, in der Studentenstadt würde mehr los sein“, merkt Held an.

Bei der Versammlung vor der Langener Stadtkirche machen mehrere Redner ihrem Unmut über deutsche Rüstungsexporte Luft. Unter ihnen drei Schülerinnen der Dreieichschule, Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD) sowie Daniel Untch, Mitarbeiter von Pax Christi im Bistum Limburg. Pfarrerin Sandra Scholz aus dem Dekanat Dreieich moderiert die Kundgebung, die Musik der Band Stereo Coffee sowie einige Infostände – unter anderem des Weltladens Langen, der Eine-Welt-Gruppe der evangelischen Kirchengemeinde und der SPD – abrunden.

Frieder Gebhardt ist seit 2009 Mitglied der internationalen Organisation „Mayors for peace“ („Bürgermeister für den Frieden“). Gemeinsam haben sich die Bürgermeister der Friedensarbeit verschrieben. „Wehret den Anfängen und lernen wir aus der Vergangenheit. Die meisten Menschen werden erst aktiv, wenn sie selbst betroffen sind“, appelliert Gebhardt.

„Frieden geht!“: Zwölf Kilometer von Darmstadt nach Langen gejoggt sind neun Jugendliche aus dem Petrus-Gemeindebezirk und Pfarrer Steffen Held (links) im Rahmen des bundesweiten Staffellaufs.

Daniel Untch, der Friedens- und Konfliktforschung studiert hat, spricht die politische und gesetzliche Situation sowie Argumente für und wider Rüstungsexporte an – aber auch die persönlichen Möglichkeiten, um Rüstungsexporte anzuprangern. „Saudi-Arabien bekommt deutsche Waffen, obwohl es Krieg gegen den Jemen führt. Indien bekommt Waffen, obwohl es im Konflikt mit Pakistan liegt – das alles angeblich in deutschem Interesse. Ich sage es ganz ehrlich: In meinem Interesse ist das nicht!“ Um die Perspektive zu wechseln, haben die Organisatoren der Kundgebung, Gäste aus Syrien und Südkorea eingeladen – mithin Länder, die Waffen importieren.

Die Syrerin Lina Khalil und ihre Tochter Roulian Mohammed stammen aus Afrin und kamen vor zwei Jahren als Flüchtlinge nach Langen. Sie erzählen von deutschen Waffen, die im Kampf gegen Kurden eingesetzt wurden. „Wenn Deutschland keine Flüchtlinge mehr will, darf es keine Waffen verkaufen“, fordert Mohammed.

Weltweite Spannungen lassen Rüstungsausgaben wieder steigen

Auch Hansol Lee aus dem südkoreanischen Gwangju hat seine Erfahrungen mit Waffen gemacht. Aktuell nimmt er an einem Austauschprogramm teil und berichtet bei der Kundgebung auf Englisch. „Beim Militär verbringst du den ganzen Tag mit deiner M 16. Du schläfst, isst und gehst auf Toilette mit dem Gewehr“, übersetzt Scholz. Sein Heimatland importiere viele Rüstungsgüter, darunter auch deutsche Waffen. „Dabei soll Südkorea lieber den Frieden aus Deutschland importieren“, meint Lee.

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