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Zehn Jahre Café Beans am Langener Lutherplatz

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Von: Markus Schaible

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Von der Café-Bar zur Musikkneipe: Seit zehn Jahren betreibt Silke Bentlin das Beans, nachdem Markus Striegl vor fünf Jahren mit einstieg, gibt es immer donnerstags Konzerte. Die Räume haben eine längere Gastronomie-Tradition: Silke Bentlins Eltern betrieben dort früher das Grillstübchen, in dem auch zünftig Fastnacht gefeiert wurde, sowie später das Türmchen.
Von der Café-Bar zur Musikkneipe: Seit zehn Jahren betreibt Silke Bentlin das Beans, nachdem Markus Striegl vor fünf Jahren mit einstieg, gibt es immer donnerstags Konzerte. Die Räume haben eine längere Gastronomie-Tradition: Silke Bentlins Eltern betrieben dort früher das Grillstübchen, in dem auch zünftig Fastnacht gefeiert wurde, sowie später das Türmchen. © Strohfeldt

Langen - Auf den Tag genau vor zehn Jahren eröffnete das Café Beans am Lutherplatz. Erst als reine Café-Bar konzipiert, hat das Beans seit fünf Jahren ein Alleinstellungsmerkmal in der Langener Gastronomieszene: Es ist die einzige Musikkneipe, in der es wöchentlich Konzerte gibt. Von Markus Schaible

Der Blick beim Betreten fällt als Erstes ... ja, worauf eigentlich? Auf die goldene Gitarre, die an der Wand hängt? Auf den handgearbeiteten Bass auf der anderen Seite? Auf das große Guns n’ Roses-Plakat? Oder auf eines der vielen handsignierten Bilder, die mehr oder weniger bekannte Musiker zeigen? Das Café Beans ist voll von solchen Erinnerungsstücken der Musikgeschichte. Und doch wirkt der kleine Raum nicht vollgestopft, vielmehr authentisch. Da hat nicht irgendein Designer ein Rock-Café entworfen – da hat jemand mit viel Liebe zum Detail seiner Leidenschaft freien Lauf gelassen. Denn Musik und Gastronomie ist die Passion von Betreiberin Silke Bentlin und ihrem Freund und Kompagnon Markus Striegl. Vor elf Jahren hätte Silke Bentlin sich das noch nicht träumen lassen: Als gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau brachte sie unter anderem Wasserspender an den Mann (und die Frau) und dachte nicht daran, die Nachfolge ihrer Eltern anzutreten. Einst war in dem Haus neben dem damaligen Uhrtürmchen am Lutherplatz eine Metzgerei gewesen – betrieben von Bentlins Großeltern, der Familie Wettengel. Ihre Eltern machten das Grillstübchen daraus. Und als das nicht mehr so gut lief, wurde es zur Kneipe Türmchen. Irgendwann übernahm eine Pächterin die Räume, betrieb darin das Merci.

Als sie vor gut zehn Jahren die Türen schließt, tagt der Familienrat – und Silke Bentlin wird zur Gastronomin. Eine reine Café-Bar soll es sein – den Namen hat sie sich aus vielen Ideen ausgesucht, das Logo selbst gemalt. Zu den Getränken gibt es belegte Brötchen und von ihrer Mutter selbst gebackenen Kuchen. Die Anfangseuphorie wird allerdings bald gebremst: Immer mehr Bäckereien eröffnen ihre Filialen in der Innenstadt, das Angebot an Brötchen und Kuchen wächst stark an: „Vor sechs Jahren ging es immer schlechter“, erinnert sich Silke Bentlin. Gerade in der Phase, als sie sich Gedanken über die Zukunft des Beans macht, tritt ein Mann in ihr Leben: Markus Striegl, seines Zeichens Musiker. Die Idee kommt auf, in Richtung Musikcafé zu gehen. Allerdings erst mal nur, was die Dekoration betrifft: „Ich habe Freunde angeschrieben und um Ausstellungsstücke gebeten“, erzählt Striegl. „Dass mit den Konzerten entstand eher zufällig: Ein Freund fragte, ob er bei uns spielen könnte. Und ich fragte zurück: Wie stellst du dir das vor? Das ist doch viel zu klein.“

Klein schon, aber eben auch ein besonderes Ambiente. Und so startet die Konzertreihe, die das Beans in der Szene nicht nur national bekannt gemacht hat: „Wir bekommen mittlerweile Anfragen beispielsweise aus England. Das sind Bands, die auf Europatour sind und zwischen den größeren Auftritten am Wochenende noch Termine freihaben.“ Auch Andreas Kümmert hat durch Mundpropaganda von der Langener Musikkneipe erfahren – inzwischen ist der „Voice of Germany“-Gewinner Stammgast. Dazu kommt, dass Striegl nicht nur selbst auf den Bühnen dieser Republik (auch als Schlager-Rocker Markus Falke) unterwegs ist, sondern als studierter Tontechniker schon an Aufnahmen etwa von Guildo Horn oder den Böhsen Onkelz mitgewirkt hat und über ein entsprechendes Netzwerk verfügt. Und manchmal hilft der Zufall: Etwa, wenn die Hardrocker von Lordi (Gewinner des Eurovision Song Contests 2006) nach ihrem Konzert in der Stadthalle im Beans einkehren und die Nacht zum Tage machen, woraus eine Freundschaft entsteht, die Silke Bentlin und Markus Striegl nicht nur dieser Tage zu einer finnischen Hochzeit bringt, sondern auch Gitarrist Amen dazu, mal beim „Maggus“ auf der Bühne vorbeizuschauen.

Das alles und die Reputation, die Musiker fair zu behandeln, führt zu so vielen Anfragen, dass mehr als einmal in der Woche Konzerte möglich wären. Doch das möchten die beiden 39-jährigen Beans-Betreiber nicht: „Das wäre finanziell nicht machbar. Wir haben ja keine Laufkundschaft, zu uns kommen die Besucher gezielt. Und irgendwann wäre die Luft raus, wenn wir das zu häufig machen würden.“ Zudem wolle man Rücksicht auf die Nachbarn am Platz nehmen – „auch wenn wir uns immer an die Regeln halten und um 22 Uhr definitiv Schluss ist“. Und so ist bis auf ganz wenige Ausnahmen der Donnerstag der Konzerttag. Dienstag bis Freitag ist abends geöffnet – „wir haben es mit Samstag probiert, aber da geht in Langen gar nichts“, sagt Silke Bentlin. Bei vier Tagen in der Woche aber sei der Betrieb gut zu zweit zu stemmen, zumal Markus Striegl ja weiterhin Konzerte gibt. Nebenher macht er auch die Plakate selbst: „Grafikdesign ist mein Hobby“. Und da wird er wohl auch in Zukunft noch einige Poster fürs Beans zu machen haben. Zehn Jahre Beans, das wird heute ab 19 Uhr gefeiert. In den kommenden   Wochen  ist  das Beans auch bei der Kleinen Stadtmusik am Lutherplatz mit dabei – immer samstags im Wechsel mit dem Eiscafé La Dolce Vita.

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