Abschlussfest am 13. September

Kein Bedarf mehr für Café Welcome

Langen - Miteinander reden, Kaffee trinken und Berührungsängste abbauen – das war seit Sommer 2015 das Konzept des Café Welcome. Das Angebot der Kirchen soll Flüchtlinge und Langener zusammenbringen. Von Julia Radgen

Nun wird es eingestellt – weil die Neubürger mittlerweile angekommen sind, sagt das Team.
An einem Donnerstagnachmittag im Monat war das Café Welcome Anlaufstelle für Langens Neuankömmlinge. Etwa 15 Ehrenamtliche haben sich für die gemeinsame Initiative der evangelischen und katholischen Kirchengemeinenden für Flüchtlinge engagiert. Sie hatten nicht nur ein offenes Ohr für die Menschen, die oft auf dem Weg in die neue Heimat viel durchgemacht haben, sondern versuchten zu helfen, wo es geht. Neben kleinen Taten wie dem Vermitteln von Möbeln wollten die Ehrenamtlichen die Angebote von Vereinen, Kirchen und der Stadt bekannt machen – wie die 2017 gegründete Kommunikationsstelle Miteinander von Stadt und Awo.

Das habe gefruchtet, sagt Nadine Hillabrand, Migrationsberaterin beim Caritasverband Offenbach, die das Projekt betreut. „Die Flüchtlinge besuchen mittlerweile Sprachkurse, haben Arbeit und Kontakte zu ihren Nachbarn geknüpft, sodass sie das Café Welcome nicht mehr brauchen“, sagt Hillabrand. Die Entscheidung, das Angebot einzustellen, sei aus dem Kreise der Ehrenamtlichen gekommen. Dafür sprachen auch die schrumpfenden Besucherzahlen. „Die Menschen sind mittlerweile eben woanders angedockt, aber das war ja auch beabsichtigt“, so Hillbrand.

Im Juli 2015, als das Café Welcome startete, war das anders. „Viele Familien waren in Flüchtlingsunterkünften untergebracht und wollten einfach raus“, sagt die Sozialarbeiterin. Das Angebot wurde schnell bekannt, bis zu 80 Personen pro Treffen fanden den Weg zum Café, damals noch im Pfarrsaal von St. Albertus-Magnus.

Die größte Hürde zu Beginn war die Sprachbarriere. „Viele waren zunächst etwas scheu, deshalb brauchten wir Sprachlotsen“, erinnert sich Martina Hofmann-Becker vom Organisationsteam. Das waren überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene, die Farsi, Tigrinya und Arabisch dolmetschten. Zuletzt sprachen alle Kinder fließend Deutsch, weiß Hofmann-Becker, und immer mehr Eltern trauten sich, mit Deutschen ins Gespräch zu kommen.

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Im April 2017 zog das Angebot dann nach Oberlinden ins Pfarrzentrum Thomas von Aquin um, wo sich vor allem die Kinder über das große Außengelände freuten. Künftig öffnete es statt zwei- aber nur einmal pro Monat. Bei Kaffee und Stückchen erklärten die Deutschen den Flüchtlingen – meist aus Afghanistan, Syrien oder Eritrea – , wie Ungewohntes in der neuen Heimat funktioniert. „Zum Beispiel, warum wir in Langen das Ebbelwoifest feiern und dass man unser Leitungswasser trinken kann“, sagt Hofmann-Becker.

Besonders freute die Ehrenamtlichen, dass die Teilnehmer eigene Ideen vorbrachten. Als eine Gruppe Frauen sich wünschte, Sport zu machen, bot eine Ehrenamtliche an, sie in Gymnastik zu unterrichten. Und zwei Männer, die in ihrer Heimat Schneider gewesen waren, leiteten einen Nähkurs für Männer. Auch Schwimmkurse gab es und Ausflüge wurden unternommen. „Die weitere Integration findet längst in den Langener Straßen und im Alltag statt“, sagt Hofmann-Becker. Klanglos will das Team des Café Welcome aber nicht aufhören, sondern mit einem Abschiedsfest. Und auch weitere Feste soll es geben – nicht zuletzt um bei den Treffen geknüpfte Bekanntschaften weiter zu pflegen.

Gefeiert wird am Donnerstag, 13. September, von 15.30 bis 17.30 Uhr im Pfarrzentrum Thomas von Aquin (Berliner Allee/Ecke Ginsterbusch).

Rubriklistenbild: © dpa

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