Hilfe in der Corona-Krise

Tüten voller Glück: Gemeinschaftszaun versorgt Bedürftige mit Sachspenden

Hilfe zum Mitnehmen: Das Zeltlager-Team von St. Jakobus hat den Gemeinschaftszaun ins Leben gerufen. Der wird sehr gut angenommen, sagt Patrick Matheisl.
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Hilfe zum Mitnehmen: Das Zeltlager-Team von St. Jakobus hat den Gemeinschaftszaun ins Leben gerufen. Der wird sehr gut angenommen, sagt Patrick Matheisl.

Haltbare Lebensmittel, Kosmetikartikel oder Hundefutter – Tüten voller nützlicher Dinge hängen jeden Tag am Zaun der Kirche St. Albertus Magnus und in einem eigens aufgestellten Zelt. 

Langen – Sie sind bestimmt für Menschen, die sich diese Artikel gerade nicht leisten können. Sie können sich die Tüten am Gemeinschaftszaun einfach abholen – ohne sich irgendwo anzumelden, unauffällig und komplett kontaktlos.

Die Idee für die Initiative, die es bereits in mehreren anderen Städten gibt, hatte das Zeltlager-Team der katholischen Pfarrgemeinde St. Jakobus Langen. „Der Zaun ist eine Möglichkeit, um Leute zu versorgen, die sonst durchs Raster fallen würden“, sagt Patrick Matheisl, einer der Ehrenamtlichen, der das Projekt mitorganisiert hat. Das Zeltlager-Team habe ein sichtbares Zeichen dafür schaffen wollen, „dass wir in dieser schwierigen Zeit alle füreinander da sind“, sagt Matheisl. Durch die coronabedingten Kontaktbeschränkungen kam die Gruppe, die aus gut zehn jungen Ehrenamtlichen ab 16 Jahren besteht, schnell auf die Idee eines Gabenzauns – die in immer mehr Städten umgesetzt wird. Auch in Dreieich und Offenbach gibt es schon entsprechende Spenden-Zäune. „Diese Idee wollten wir auch in Langen umsetzen“, sagt Matheisl. In Absprache mit Pfarrer Ulrich Neff und dem städtischen Ordnungsamt war dann schnell klar, dass der „Gemeinschaftszaun“ an der Albertus-Magnus-Kirche entstehen soll. Er befindet sich seit Ostern am Albertus-Magnus Platz 2 gegenüber der Dreieichschule.

Das Prinzip: Jeder kann nach bestimmten Vorgaben (Näheres siehe Kasten) Tüten mit Spenden an den Zaun hängen. Wer sich gerade nicht selbst gut genug versorgen und etwas Kostenloses gut gebrauchen kann, nimmt einfach einen Beutel mit nach Hause. Der Inhalt ist auf ihnen vermerkt. Um Lebensmitteltüten vor Sonne und Regen zu schützen, haben die Ehrenamtlichen ein Zelt aufgestellt.

Vor allem in der Zeit, in der die Langener Tafel geschlossen war, wollten die Ehrenamtlichen von St. Jakobus so eine Versorgungslücke schließen. Sie sehen ihr Projekt als Ergänzung zu bestehenden Hilfsangeboten. „Aber im Gegensatz etwa zur Tafel muss man sich bei uns natürlich nicht registrieren“, sagt Matheisl. Wer Hemmungen hat, nach Hilfe zu fragen, kann sich beim Gabenzaun so unbeobachtet bedienen.

Zum Schutz vor der Sonne kann man Tüten mit verderblichen Lebensmitteln in einem Zelt im Hof der Kirche aufhängen. Patrice Schuster vom Team kontrolliert diese.

Was darf in die Tüte?

Nach den Vorgaben des Zeltlager-Teams soll man eine Tüte jeweils pro Person packen – „also mit so vielen haltbaren Lebensmitteln oder Hygieneartikeln, wie ein Mensch an einem Tag verbrauchen kann“. Möglich sind Lebensmitteltüten mit etwa Obst, Gemse, Msliriegeln, Getränken oder haltbaren Backwaren oder Tten mit Sachspenden wie Hygieneartikel oder Tierfutter. Zum Schutz sollte man beim Packen Handschuhe tragen. Um zu vermeiden, dass die Tten aufgerissen werden, werden sie beschriftet und auf Lebensmittelspenden das Datum vermerkt. Auf dem Albertus-Magnus-Platz mssen zwei Meter Abstand eingehalten und es darf kein Müll hinterlassen werden. Die Organisatoren appellieren zudem, lieber regelmäg zu spenden als einmal eine große Menge. Und: Nur abgeben, was man selbst nutzen wrde.

Das Gemeinschaftszelt schließt abends, dann ist das Tor zur Kirche zu und der Zaun nur vom Bürgersteig aus erreichbar. Matheisl und seine Mitstreiter kontrollieren jeden Abend, ob der Platz sauber ist, keine Tüten aufgerissen oder Lebensmittel offensichtlich verdorben sind. Ansonsten ist das Projekt ein Selbstläufer. Und findet großen Anklang, wie er sagt. „Der Zaun wird sehr gut angenommen. Viele Leute bringen Tüten an, die dann meist nur wenige Stunden lang hängen“, schildert Matheisl die Beobachtungen der Gruppe. Einige Menschen, die das Projekt unterstützen wollen, aber sich aus Angst vor Ansteckung nicht aus dem Haus trauen, hätten dem Zeltlager-Team schon Geld geben wollen – mit der Bitte, davon einzukaufen und mehr Tüten an den Zaun zu hängen. Probleme mit Müll oder Vandalismus gebe es bislang erfreulicherweise keine, so Matheisl.

Wie lange es den Gemeinschaftszaun geben wird, ist noch nicht raus. Ursprünglich wollte das Zeltlager-Team ihn nur solange aufrechterhalten, bis die Tafel wieder öffnet – was ja ab heute wieder der Fall ist. „Wir haben uns aber entschieden, das Projekt noch eine Weile weiterlaufen zu lassen und zu gucken, wie groß die Resonanz jetzt noch ist“, sagt Matheisl. Wenn nach wie vor viele Tüten aufgehängt werden und sich Menschen, die die Sachen dringend benötigen, weiter bedienen, könnte der Gemeinschaftszaun in die Verlängerung gehen. „Wenn wir das Projekt beenden, werden wir das auf jeden Fall über Zettel am Zaun und unsere Facebook-Seite mitteilen“, sagt Matheisl.

Infos im Internet gibt es auf facebook.com/ZeltlagerLangen.

VON JULIA RADGEN

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