Heiraten unter Corona-Bedingungen

Mit Maske und Sicherheitsabstand vor den Traualtar oder Hochzeit verschieben?

Glück gehabt: Jessica Kaufmann und Frank Seel sind das letzte Paar, das Pfarrer Steffen Held vor Beginn des Corona-Lockdowns in der Stadtkirche traute.
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Glück gehabt: Jessica Kaufmann und Frank Seel sind das letzte Paar, das Pfarrer Steffen Held vor Beginn des Corona-Lockdowns in der Stadtkirche traute.

Das war knapp: Am 14. März gaben sich Jessica Kaufmann und Frank Seel in der Langener Stadtkirche das Ja-Wort – dann kam der Lockdown.

Langen – Die erste Trauung, die Pfarrer Steffen Held dort wieder im Terminplan stehen hat, ist die von Daniel und Franziska Arndt Mitte August – wenn sie denn stattfindet.

Eigentlich soll der Tag der Hochzeit der schönste im Leben eines Paares sein – nicht selten steckt hinter einer gelungenen Feier monatelange Vorbereitung. Dabei kommt gerade der kirchlichen Trauung nach wie vor eine hohe Bedeutung zu. So wünschen sich in Langen jeweils 15 bis 20 evangelische und katholische Paare pro Jahr Gottes Segen für ihre Ehe. Doch durch die Corona-Pandemie ist nun alles anders: Zwar ist es möglich, den Bund der Ehe zu schließen – sowohl auf dem Standesamt als auch inzwischen wieder in der Kirche – doch gelten dafür besondere Hygieneregeln: Mund-Nasen-Schutz ist auch in Gotteshäusern obligatorisch, ebenso ein Mindestabstand von 1,5 Metern. Immerhin dürfen seit Mitte Juni auch Personen, die zwei Hausständen angehören, nebeneinandersitzen. Aber das gemeinsame Singen ist aus Sicherheitsgründen nach wie vor verboten.

Dass ihre Trauung die vorerst letzte in der Stadtkirche sein würde, war Jessica Kaufmann und Frank Seel zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewusst. „Erst als Steffen Held einen Tag vorher anrief und fragte, ob es unter den besonderen Umständen bei dem Termin bliebe, wurde uns klar, dass es eng wird“, erinnert sich Jessica Kaufmann. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits alle Gottesdienste abgesagt, doch der Langener Pfarrer erklärte den Brautleuten, dass ihre kirchliche Hochzeit unter bestimmten Voraussetzungen stattfinden könne. So wurden Hygieneregeln beachtet, es gab kein Händeschütteln und Held legte dem Brautpaar für den Segen seine vorab sorgfältig desinfizierten Hände auf.

Der Bräutigam fühlt sich in der Wahl des Hochzeitstermins bestätigt – dem Physikstudenten gefiel die Idee, am „Pi-Tag“ zu heiraten (der amerikanischen Schreibweise des Datums entsprechend: 3.14). „Eine Woche später hätte die Trauung nicht mehr stattgefunden“, stellt Frank Seel fest. „Das Standesamt wäre geschlossen gewesen, die Kirche hätte nicht zur Verfügung gestanden, und das Restaurant hätte abgesagt“, zählt er auf. „Uns ist inzwischen bewusst, wie viel Glück wir hatten“, ergänzt seine Frau. „Nicht zuletzt, weil wir und alle unsere Gäste gesund geblieben sind.“

Zwar lebt das Paar in Dreieich, doch bei der kirchlichen Hochzeit war Jessica Kaufmann die persönliche Verbindung besonders wichtig. „Ich habe lange in Langen gewohnt und wurde selbst in der Stadtkirche von Reinhard Zincke konfirmiert“, erläutert die Sport- und Gymnastiklehrerin. Aus dieser Zeit kennt sie Steffen Held, der damals als Vikar mit dem späteren Dekan zusammenarbeitete. Held habe die schwierigen Umstände bei der Trauung durch humorvolle Worte entschärft, sodass das Paar „eine sehr schöne Zeremonie“ erlebte, die einer der Gäste als „wunderbaren Lichtblick in Corona-Zeiten“ beschrieb.

Auf ein solches Highlight hatten sich auch Franziska und Daniel Arndt gefreut. Der Langener engagiert sich bereits seit seiner Konfirmandenzeit im Öffentlichkeitsausschuss der örtlichen Kirchengemeinde, seine Frau ist im Besuchsdienst für Ältere aktiv. Bereits im vergangenen Sommer stand der Termin für die kirchliche Trauung in der Stadtkirche fest, im Spätherbst war das große Fest durchgeplant, im Winter hatten die angehenden Juristen den Termin für die standesamtliche Eheschließung im Alten Rathaus festgezurrt. Dort wollten die frisch Vermählten im Anschluss an die Trauung mit rund 100 Freunden und Bekannten weiterfeiern.

Teil zwei der Hochzeit fehlt noch: Bislang haben Franziska und Daniel Arndt nur standesamtlich geheiratet.

„Von da an häuften sich die Nachrichten zur Corona-Pandemie“, berichtet Daniel Arndt. „Durch die Vorbereitungen aufs Staatsexamen waren wir erst einmal abgelenkt, aber mit der Zeit haben wir uns dann immer mehr Gedanken gemacht“, erzählt er. Anfang Mai erfuhr das Paar, dass das Alte Rathaus bis auf Weiteres aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen gesperrt sei. „Was nun?“ Auf einen späteren Termin wollten sich die beiden Endzwanziger nicht einlassen und wichen stattdessen kurzerhand ins benachbarte Frankfurt aus. „Dort haben wir uns während des Studiums kennengelernt, mein Mann ist gebürtiger Frankfurter und meine Mutter hat sich auch gefreut, ihre Heimatstadt einmal wiederzusehen“, so Franziska Arndt. Die Hochzeit abzusagen oder auf einen fernen Zeitpunkt zu verschieben, habe nie zur Debatte gestanden. „Wir haben das Beste draus gemacht!“

„Unsere Erwartungen wurden übererfüllt“, gibt ihr Mann zu. „Das Wetter war toll, die Sonne schien, die Ansprache war stimmungsvoll, nur die Sicherheitsvorkehrungen waren eben ein wenig befremdlich“, zählt er auf. So waren die Brautleute von der Standesbeamtin durch eine Plexiglasscheibe getrennt. „Die Papiere mussten wir unten durch einen Schlitz hindurchschieben, nachdem wir sie unterschrieben hatten – natürlich mit unserem eigenen Kuli“, verdeutlicht die Braut.

Was die Segnung vor dem Traualtar angeht, so sieht es derzeit nicht so günstig aus: „Bei mir sinkt die Hoffnung täglich, dass wir Mitte August in der Stadtkirche heiraten werden“, seufzt Franziska Arndt. Das Paar misst der kirchlichen Trauung eine so hohe Bedeutung bei, dass es ernsthaft überlegt, die Zeremonie zu verschieben. „Die Lockerungen, die nötig wären, damit wir einen schönen, berührenden Gottesdienst mit Gesang feiern können, sind wohl bis dahin nicht zu erwarten“, äußert sich ihr Gatte. „Wenn nur die Hälfte der ursprünglich angedachten Gäste mit Mundschutz und Sicherheitsabstand dieses wichtige und emotionale Fest mit uns erleben können, dann entspricht das nicht dem, was wir uns vorgestellt haben. Zudem wollen wir niemanden einer gesundheitlichen Gefahr aussetzen.“

Bis Anfang Juli werden sie noch warten und dann entscheiden, was sie tun. Ihre Gäste haben sie bereits in einem Brief um Verständnis gebeten und darum ersucht, sich den Termin freizuhalten. Pfarrer Held kann gut verstehen, wenn das Brautpaar die kirchliche Trauung auf den Sommer 2021 verschiebt, „weil dann die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass man wieder unter normaleren Bedingungen feiern kann“. Wobei allen Beteiligten bewusst ist, dass es keine Sicherheit gibt, dass im nächsten Jahr alles wieder ist wie vor Corona. VON STEPHANIE KUNERT

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