Rund um den Vierröhrenbrunnen warviel los

Damals im sündigen Langen

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Neue Linde, neue Rundbank: Bei der Übergabe der Sitzgelegenheit freuten sich (von links) VVV-Vorsitzender Walter Metzger, Stefan Löbig (Erster Stadtrat), Karl Koch, Dagmar Dietzig, Gabriele Koch, Frank Oppermann, Manfred Wuttke (zweiter Vorsitzender VVV) und Stadtarchivar Heribert Gött.

Langen - „Rechtsprechung und Gerichtsbarkeit in Langen“ – unter diesem Titel luden Heimatkundige zu einer Führung durch die Altstadt ein. Dabei übergab der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) die neue Rundbank um die vor einem Jahr gepflanzte Linde am Vierröhrenbrunnen. Von Vanessa Kokoschka

Hexen, Mörder und Kaiser, die über Tod und Gnade walten: Solche Akteure treiben heute nur noch in historischen Romanen oder in mittelalterlichen Filmen ihr Unwesen. Langener Heimatkundige haben diese Gestalten nun zumindest mündlich wieder zum Leben erweckt. Denn im Mittelpunkt der von der Volkshochschule organisierten Führung steht die Rechtsprechung in der Sterzbachstadt.

Oppermann (mit Reinhold Werner) nahm die Teilnehmer der heimatgeschichtlichen Führung mit auf eine Reise zurück ins Mittelalter.

Zuvor überreicht der Verkehrs- und Verschönerungsverein die neue Rundbank um die Linde. „Wir können uns jetzt zu Recht als Bankenstadt bezeichnen“, sagt Vorsitzender Walter Metzger mit einem Schmunzeln. Denn neben der Rundbank auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz stehen noch über 300 andere Bänke in der Gemarkung. Auch der ehrenamtliche Stadtarchivar Heribert Gött freut sich über die neue Sitzmöglichkeit. Getreu dem Motto: „Aller guten Dinge sind Drei“ folge die Rundbank auf das erneuerte Gerichtslinde-Mosaik und die junge Linde (die den morschen, gefällten Vorgänger-Baum ersetzt), sagt Gött. Neben dem VVV beteiligten sich auch Privatpersonen an der Finanzierung. Darunter der mittlerweile verstorbene Günter Dietzig, der auch den Altstadtmarkt ins Leben rief. Seine Tochter Gabriele Koch mit Ehemann Karl sowie Schwiegertochter Dagmar Dietzig waren mit bei den ersten, die auf der Bank Platz nahmen.

Im Anschluss referieren Professor Frank Oppermann, Peter Holle und Heribert Gött über Verurteilungen, Hexen sowie Tanz- und Gerichtslinden. So war die Tanzlinde Pfarrer Eucharius Zinkhausen ein Dorn im Auge. Von seinem Pfarrhaus auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz habe er freie Sicht auf das Feiern der Einwohner gehabt, berichtet Peter Holle. „Die Langener machen aus einem Werktag einen Feiertag und aus einem heiligen Tag einen Werktag“, liest Holle aus einer Niederschrift Zinkhausens vor. Darum habe der Pfarrer den Landesherrn gebeten, „das sündige Langen endlich verlassen zu dürfen“. Der Wunsch blieb ihm verwehrt, verrät Holle. „Und wie hieß die Frau, die das Tanzen organisiert hat?“, fragt ein Zuhörer. Oppermann und Holle blicken ihn ahnungslos an. ,,Sieglinde“ antwortet der Fragesteller und sorgt mit seinem Wortwitz für einige Lacher.

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In der Zeitreise machen die Heimatkundigen Halt im dunklen Mittelalter: Kaiser Ludwig der Bayer besuchte 1338 das damals noch beschauliche Langen. „Er ließ das mündliche Recht in einen Kodex übersetzen“, erzählt Oppermann. In diesem Kodex waren alle Vergehen und die dazugehörigen Strafen aufgezählt. „Bei leichten Vergehen gab es eine Prügelstrafe oder demjenigen wurden die Haare geschoren“, erklärt Gött, „bei härteren Vergehen brandmarkten sie den Täter oder schlitzen seine Ohren an.“ Daher stamme der noch heute gängige Begriff des Schlitzohrs.

Zum Schluss der Führung zeichnet Peter Holle noch den Fall der Katharina aus Kelsterbach nach. Sie galt als Hexe und wurde zudem der Plünderei an einem Verstorbenen bezichtigt. Trotz Folter habe sie nicht gestanden und kam wieder frei. Einen Persilschein, um ihren Ruf reinzuwaschen, bekam sie vom Landesherrn trotzdem nicht, berichtet Holle.

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