Damit das Fest auch „froh“ wird

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Rund 400 Päckchen konnten (von links) Friedelgaard Pietsch, Esther Hoyer, Karin Diekmann, Ellen Noll, Hildegard Fendt, Astrid Herfurth und alle anderen Helfer der Langener Tafel im Foyer von Albertus-Magnus an Bedürftige ausgeben.

Langen ‐ „Frohe“ Weihnachten ist relativ, wenn Geldsorgen jedem Frohsinn schon im Vorhinein den Garaus machen. Auch in Langen und Umgebung fehlt unzähligen Leuten das nötige Kleingeld für Weihnachtsgeschenke – darunter überdurchschnittlich vielen Familien. Von Cora Werwitzke

Die Langener Tafel hat sich ausdrücklich „frohe“ Weihnachten auf die Fahnen geschrieben. Auf ihren Spendenaufruf gingen wieder hunderte Päckchen ein, die gestern im Rahmen der Weihnachtsfeier an bedürftige Menschen ausgegeben wurden.

Sieht das nicht fantastisch aus?“, fragt Friedelgaard Pietsch, Vorsitzende der Langener Tafel, strahlend in die Runde. Wohin man blickt, türmen sich im Foyer von Albertus-Magnus bunte Weihnachtspäckchen. Aus einem kleinen Radio tönt Weihnachtsmusik. Es ist die Ruhe vor dem Sturm.

Der herrscht nebenan: Rund 200 Menschen sitzen dicht gedrängt im Pfarrsaal, essen und unterhalten sich. Wie ein kleiner Markt nimmt die Lebensmittelausgabe die Hälfte der Fläche ein. Vor den Feiertagen sind Lebensmittel besonders gefragt: „Zum Glück haben wir vor Weihnachten ganz viele Lebensmittel-Spenden bekommen“, ist Friedelgaard Pietsch erleichtert. Rund 400 Geschenke für Kinder und Erwachsene seien abgegeben worden: „Das ist gut, denn die Zahl an Bedürftigen wird immer größer“, weiß Pietsch. Darüber hinaus müssten nicht nur die Anwesenden versorgt werden, sondern auch deren Familien: „Klar, viele Leute haben Partner und Kinder – alles in allem rechnen wir mit rund 600 Bedürftigen.

Eine ältere Frau wartet auf den Startschuss zur Päckchenausgabe: „Es sind sicher Sachen dabei, die man gut gebrauchen kann“, meint sie optimistisch. Sie selbst habe schon oft Gestecke und Kränze für die Weihnachtsdekoration der Tafel gemacht.

Solche Gesten seien keine Seltenheit, erzählt Pietsch: „Einige Gäste zeigen uns mit kleinen Gesten durchaus ihre Dankbarkeit – andere nehmen die Leistungen der Tafel dagegen als etwas Selbstverständliches entgegen.

Knapp 50 Helfer packen bei der Weihnachtsfeier mit an, einige von ihnen zum ersten Mal: „Wir sind zwölf junge Leute und machen das einmalig hier“, erzählt Joanna Walter von einer evangelischen Freikirche aus Darmstadt. Die zusätzlich anpackenden Hände kann die Tafel gut gebrauchen und für die jungen Leute „ist das eine weihnachtliche gute Tat“, freut sich Pietsch.

In die Rubrik „gute Tat“ fallen auch mehrere großzügige Geldspenden: „Zum Beispiel 1000 Euro von Elisabeth Oppermann-Willers vom Kronenhof“, erzählt die Vorsitzende. Aber auch von der Bahá’í-Gemeinde, von Egelsbachs Bürgermeister Rudi Moritz und von vielen anderen, so Pietsch.

Derweil ist eine Mutter mit drei ihrer sieben Kinder bei der Geschenkausgabe an der Reihe: „Die Kinder freuen sich sehr darüber, ohne die Tafel gäbe es wohl keine Geschenke“, sagt sie offen.

Doch nicht alle Gäste kommen an diesem Tag für Essen und Geschenke: „Später hole ich vielleicht auch ein Paket, aber ich finde es vor allem sehr gesellig“, meint eine ältere Frau mit leichtem russischen Akzent. Sie tausche bei der Tafel gerne Neuigkeiten aus.

Dabei können bei den eisglatten Straßen besonders viele ältere Leute gar nicht kommen“, bedauert Pietsch. Aber man werde sich etwas einfallen lassen: „Wir versuchen, diesen Leuten die Pakete nach Hause zu bringen.

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