Bagger ebnen Weg für Fachmarktzentrum

Abriss des Pittler-Turms hat begonnen 

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Bagger beißen Stück für Stück des ehemaligen Pittler-Büroturms und des Pförtnerhäuschens weg, um den Weg für ein Nahversorgungs- und Fachmarktzentrum zu ebnen.

Langen - Die letzten Überbleibsel aus Glanzzeiten des Werkzeugmaschinenbaus in Langen sind leider längst nur noch Ruinen. Von Holger Borchard

Nun verschwinden auch die: Seit gestern beißen Bagger Stück für Stück des ehemaligen Pittler-Büroturms und des Pförtnerhäuschens weg, um den Weg für ein Nahversorgungs- und Fachmarktzentrum zu ebnen. „Das ist der Wendepunkt im Wirtschaftszentrum, der eine neue Ära der Stadtentwicklung einleitet“, ist Bürgermeister Frieder Gebhardt überzeugt.

Am Donnerstagvormittag kurz vor 10 Uhr schlägt der Abrissbagger mit seinem langen Arm das erste Mal ins Dach des achtgeschossigen Pittler-Turms. Mit jedem Biss der hydraulischen Zange verschwindet ein weiteres Stück des 1968 errichteten Verwaltungsbaus des einstigen Aushängeschilds des Werkzeugmaschinenbaus. „Wir gehen von etwa sechs Wochen Abrissdauer aus“, erklärt Norbert Kittler, Geschäftsführer der KIZ GmbH aus Bad Soden-Salmünster, deren Projektentwicklungs-Tochter Unit GmbH das Großprojekt umsetzt. Sie hat 2009 die Hälfte des insgesamt 80.000 Quadratmeter großen Areals erworben und in der Folge das Konzept für das Fachmarktzentrum mit 12.250 Quadratmetern Verkaufsfläche entwickelt.

Fachmärkte und Gastronomie stehen in den Startlöchern

Ein Toom Bau- und Gartenmarkt (9000 Quadratmeter), ein Edeka-Getränkemarkt, ein Discounter, weitere Fachmärkte und Gastronomie stehen in den Startlöchern, um an der Pittlerstraße zu eröffnen. Kittlers Unternehmen, das bereits den benachbarten Edeka-Markt an der Amperestraße gebaut hat, wird die Flächen an die neuen Betreiber vermieten. „Die Entscheidung, hier knapp 20 Millionen Euro zu investieren, fällt leicht, weil Langen dank seiner Lage und Infrastruktur ein Standort mit besten Zukunftsaussichten ist und die Zusammenarbeit mit der städtischen Bauverwaltung schnell und reibungslos vonstatten geht“, betont Kittler. Bestandteil des Konzept sind mehr als 600 neue Parkplätze. Ferner ist spruchreif, dass der Toom Bau- und Gartenmarkt von Egelsbach nach Langen und der Profi-Getränkemarkt von der Pittlerstraße an die Ampèrestraße vis-à-vis des Edeka-Markts umziehen werden (Profi ist eine Edeka-Tochter).

Um die gewerbliche Neuausrichtung Realität werden zu lassen, mussten freilich im Vorfeld planerische Hürden genommen werden. Grundvoraussetzung: die Änderung des Regionalen Flächennutzungsplans zugunsten der Fachmärkte, die an dieser Stelle ursprünglich nicht vorgesehen waren. Ferner musste die Stadt ihren Bebauungsplan überarbeiten.

Bebauungsplan-Verfahren liegt in den letzten Zügen

Nach der Pittler-Pleite hatte bekanntlich zunächst die Südpark Entwicklungsgesellschaft aus Dreieich bei einer Zwangsversteigerung das komplette Gelände gekauft. Deren Pläne eines „Platanenparks“ mit attraktiven Wohnhäusern und Gewerbe scheiterten aber mangels Nachfrage. Auch die angedachte Sanierung des Pittler-Hochhauses fiel flach – vielmehr wurde der Turm zum Schandfleck mitten im Wirtschaftszentrum, der nur noch Vandalen anzog.

„Das Bebauungsplan-Verfahren für das Gelände, mit dem sich alle Beteiligten über Jahre schwer getan haben, liegt jetzt in den letzten Zügen und sollte im März abgeschlossen sein“, sagt Frieder Gebhardt. „Und unsere Bauanträge liegen fertig vorbereitet in der Schublade, wir können sofort durchstarten“, spielt Norbert Kittler den Ball zurück. Er geht vom Baubeginn Mitte des Jahres aus. Fertigstellung soll im Frühjahr 2014 sein – „für die Märkte der perfekte Eröffnungstermin, denn dann beginnt die Gartensaison“.

„Ein Riesengewinn für fast 9000 Langener “

Aus Sicht des Rathaus-Chefs schlägt das Ganze mehrere Fliegen mit einer Klappe: „Das Warenangebot wird noch attraktiver, es ist ein Riesengewinn für fast 9000 Langener westlich der Bahnlinie in Oberlinden, Linden und Neurott, es bindet Kaufkraft in unserer Stadt und endlich wird einem Schandfleck an exponierter Stelle neues Leben eingehaucht“, jubiliert Gebhardt.

In die gleiche Kerbe schlägt Fachbereichsleiter Carsten Weise, der dem Noch-Zustand vor Ort den „Charme eines Zonenrandgebiets“ attestiert. „Von dieser Bebauung wird Signalwirkung für die Ansiedlung weiterer Betriebe ausgehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass alle Flächen, die wir in Langen noch haben, im Laufe der kommenden zehn Jahre bebaut sein werden – und zwar ganz im Sinne der Stadt.“

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