Langen vor der Wahl:

Von Desinteresse keine Spur

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Statt des erhofften Quintetts stellten sich nur drei Landtagswahl-Kandidaten der Runde von Schülern und interessierten Besuchern. Der Diskussion schadete das nach Meinung von Organisatoren und Auditorium aber nicht.

Langen - Wahlversprechen –realisierbar? Finanzierbar? Oder doch nur leere Worte? Im Rahmen des Demokratieprojekts 2013 engagieren die Gymnasiasten der Dreieichschule sich nicht nur für mehr Wahlbeteiligung in Langen, sondern fühlen auch den Politikern gehörig auf den Zahn. Von Sina Gebhardt

Sie haben die Landtagswahl-Direktkandidaten des hiesigen Wahlkreises für Montagnachmittag zur Podiumsdiskussion gebeten. Die Runde im Musiksaal der Schule fällt kleiner aus als erwartet: Zwar sind die Stuhlreihen bis auf den letzten Platz mit Schülern, Langener Bürgern und Politikinteressierten gefüllt, doch nur drei der fünf eingeplanten Politiker sind letztlich erschienen. Während Hartmut Honka (CDU) den Termin zeitlich nicht wahrnehmen kann, glänzt Natascha Bingenheimer von der Linken ganz spontan durch Abwesenheit. So stellen sich nur Corrado Di Benedetto (SPD), Lisa Süß (Bündnis 90/Die Grünen) und Axel Vogt (FDP) den kritischen Fragen des Auditoriums und der Moderatoren.

Fabiane Behr, Ben Gutberlet und Celina Kirschner führen durch die Veranstaltung, deren Schwerpunkt klar auf den landespolitischen Zielen liegt. Zusammen mit Moritz Krohn leiten die Zwölftklässler das Demokratieprojekt des Leistungskurses Politik und Wirtschaft von Lehrer Stefan Trier. „Wir finden es wichtig, die Menschen, die einen vertreten, persönlich kennenzulernen“, schickt Kirschner der Debatte vorweg. Und so erhalten die Parteienvertreter zunächst Gelegenheit, sich den Besuchern in einer kurzen Vorstellungsrunde zu präsentieren. Im Anschluss geht es „ans Eingemachte“.

Mit Politikverdrossenheit haben die Gymnasiasten bei ihren Hausbesuchen schon reichlich Erfahrung gemacht. Sie wissen nun, dass nicht nur junge Menschen für die geringe Wahlbeteiligung verantwortlich sind. Die mangelnde Partizipation der Bevölkerung ist eines der Hauptthemen, auf das die Politiker unterschiedlich reagieren. Während Vogt den Vertrauensverlust der FDP als berechtigt eingesteht, sieht Süß die Ursache in der Komplexität und Informationsaufbereitung: „Ich befürworte das Demokratieprojekt sehr, weil es die Menschen informiert und ihnen hilft, mündige Wähler zu werden.“

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Die Diskussionen drehen sich bald intensiv um das Bildungssystem. Unter Schlagworten wie Nachhaltigkeit, Unterrichtsausfall und Schulformen G8 oder G9 beteiligen sich die Schüler rege, geht es hier doch um ihre Belange. Auf große Versprechen von Di Benedetto, der mit bewusster Arroganz das bessere Bildungspaket der Sozialdemokraten anpreist, reagieren die Jugendlichen mit gesundem Misstrauen. Sofort wird die Frage eingeworfen: „Wo soll denn das Geld dafür herkommen? Die engagierten Beiträge bestätigen, was Celina Kirschner auf den Punkt bringt: „Jugendliche sind nicht verblödet und faul, sondern nur enttäuscht.“

Nach der Abschlussrunde stehen die Politiker dem Publikum noch ein Weilchen für Fragen zur Verfügung. Die Organisatoren ziehen unterdessen ein erstes, positives Fazit: „Es lief deutlich besser und entspannter als beim vorigen Mal“, findet Fabiane Behr. „Weil wir weniger Politiker da hatten als erwartet, waren die Diskussionen um einiges intensiver und die Schüler konnten viele Fragen loswerden.“

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