Rodung und Kiesabbau am Waldsee

„Wir brauchen den Bannwald“

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Gut besucht war der Informations- und Diskussionsabend zum Bannwald.

Langen - Bis ganz nach hinten reihen sich die Aktivisten im Tagungsraum der Stadthalle, die beim Informations- und Diskussionsabend ein wenig in die „Zukunft des Langener Bannwaldes“ blicken möchten. Von Sina Beck 

Damit ging am Montag zumindest ein Wunsch des Aktionsbündnisses Langener Bannwald prompt in Erfüllung.
Ein „volles Haus“ hatten sie sich erhofft, um ein klares Zeichen gegen weiteren Waldverlust in der Region zu setzen. Mit dem Ziel, die weiteren Auskiesungs- und Rodungspläne südöstlich des Waldsees der Firma Sehring zu durchkreuzen, hat sich die bis dato größte Allianz in Langen gebildet, so Matthias Rohrbach, Sprecher des Aktionsbündnisses Langener Bannwald. Das Interesse am Erhalt des Waldes ist groß, wie die Besucherzahl beim Informationsabend zeigt – rund 150 Interessierte sind gekommen. Aber sie müssen erkennen: Der Widerstand ist eben auch ein schwieriges Unterfangen.

82,7 Hektar hat die Firma Sehring für ihre Südost-Erweiterung beantragt, davon wurden 63,7 Hektar genehmigt. „Diese Genehmigung kann nicht rückwirkend für obsolet und nichtig erklärt werden“, erklärt Thomas Norgall, stellvertretender Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) – nur eines der formellen Probleme, die das laufende Gerichtsverfahren in die Länge ziehen. Das endgültige Ziel des BUND sei ein generelles Auskiesungsverbot im Bannwald, so der Naturschutzreferent weiter. Das Paradoxe: „Die Ausweisung als Bannwald ist ein Instrumentarium zum Schutz vor Zerstörung“, erläutert Norgall. Doch nach aktueller Rechtsprechung sei ein Bannwald nur vor dauerhaften, nicht aber als „temporär“ geltenden Eingriffen geschützt.

„Man könnte darüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre“, findet auch Günther Lange von den Naturfreunden Egelsbach-Erzhausen. Der Auskiesung im Abschnitt 1a seien bereits zahlreiche Tier- und Pflanzenarten zum Opfer gefallen. Nun gelte es, weiteren Waldverlust – bislang wurden im Rahmen der Südost-Erweiterung 19,5 Hektar gerodet – zu verhindern, um die verbliebene Artenvielfalt zu erhalten. Dazu zählen neben Amphibien und Reptilien auch alleine 70 Vogelarten, von denen „mindestens zehn auf der Roten Liste mit gefährdet bis stark gefährdet aufgeführt sind“, so Lange.

Bilder: Bannwald erhalten oder Kies abbauen?

Die geplanten Renaturierungen empfindet Lange als Farce und „sehr perfide pseudo-ökologische Angelegenheit“, wie er anhand der Aufforstung der Ostgrube verdeutlicht: 49 Hektar alte Aufforstungsverpflichtungen bestünden dort noch, bis Oktober 2013 habe die Firma Sehring 22 Hektar (circa 44 Prozent) erfüllt. Davon seien allerdings erst 3,5 Hektar forstfachlich gesichert, was für die gesamte Aufforstungsfläche sieben Prozent ausmache.

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„Der Bannwald braucht uns nicht, aber wir brauchen den Bannwald“, schließt Lange. Das Aktionsbündnis will alle Hebel in Bewegung setzen, um die noch vorhandenen 44,3 Hektar Waldbestand der Südost-Erweiterung vor der Rodung zu schützen. Als nächste Aktion steht deshalb wieder eine Demonstration an: Start ist am 17. März um 11 Uhr vor der Stadtkirche.

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