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Abwasserverband nimmt bei neuer Kampagne kein Blatt vor den Mund

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Von: Markus Schaible

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Langen/Egelsbach -  Kreativ und frech – mit fünf originellen Flyern macht der Abwasserverband Langen/Egelsbach/Erzhausen erstmals heute beim Langener Umweltfest auf die immer größere Müllmengen im Abwasser aufmerksam.

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Sie führen nicht nur zu erhöhten Entsorgungs- und Betriebskosten, sondern belasten auch die Umwelt. „Müll gehört nicht ins Klo“, bringt es Geschäftsführerin Eva-Maria Frei auf den Punkt. Mit flotten Sprüchen und einleuchtenden Infos möchte sie auf das Problem aufmerksam machen und bewirken, dass weder Speisereste, Tabletten, Hygieneartikel noch Feuchttücher oder Farben und Chemikalien über die Toilette ins Abwasser und zur Kläranlage gelangen. Zum Vorbild genommen hat sich der Abwasserverband eine Aktion der Stadtentwässerung Dresden. Diese sei gerade deswegen so erfolgreich, weil sie kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es darum geht, was nicht ins stille Örtchen gehört, meint Frei.

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Schaut man sich die Fakten an, tut Aufklärung in der Tat dringend not: „Jeden Monat müssen wir auf unserer Kläranlage rund 800 Kilo Müll aus dem Abwasser fischen“, bilanziert Eva-Maria Frei. „Da kommt pro Person und Jahr so viel zusammen, wie in einen großen Eimer passt.“ Mengenmäßig stehen die Feuchttücher an erster Stelle, die eigentlich in den Restmüll und nicht in die Schüssel gehören. Denn im Gegenteil zum Toilettenpapier lösen sie sich nicht im Abwasser auf. Viele landen erst gar nicht in der Kläranlage, weil sie auf dem Weg dorthin an den Pumpen hängen bleiben und diese verstopfen. Das kann einen Rückstau hervorrufen und die Pumpen schachmatt setzen. Dann muss der Abwasserverband die Schäden für viel Geld beheben.

Die beliebten Feuchttücher, die nicht nur glatte Oberflächen, sondern auch den Babypopo reinigen und als Waschlappen dienen, sind nur ein Beispiel von vielen. Im Abwasser unterwegs sind darüber hinaus jede Menge Slipeinlagen, Binden, Tampons, Windeln und Kondome. Diese Hygieneartikel verursachen einen hohen Reinigungsaufwand, denn sie setzen sich an Kanälen, Schiebern und Pumpen fest und können dazu führen, dass Rohrleitungen verstopfen. Für sie ist deshalb der Restmüll die richtige Adresse. Auch Speiseöle und Fette bleiben wie Klebstoffe in den Kanälen haften und bilden immer dickere Schichten, bis irgendwann kein Wasser mehr durchfließen kann. Ihre Endstation sollte auf keinen Fall die Toilette, sondern der Bioabfall sein. Gleiches gilt für Speisereste. Landen sie im Kanal, freut das nur die Ratten, die dann aufwendig bekämpft werden müssen.

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Ein weiteres Übel sind Farben, Lacke und andere Chemikalien, die in der Kanalisation explosive und giftige Gase bilden und bei der Abwasserreinigung nicht vollständig entfernt werden können, wodurch die Umwelt belastet wird. Dieses Problem tritt zudem bei Arzneimitteln auf, die niemals über die Toilette weggespült werden dürfen.

Aktuell läuft beim Abwasserverband ein großes Forschungsvorhaben, das nach Wegen sucht, wie künftig Rückstände aus Arzneien, Haushalts-Chemikalien oder Kosmetika bei der Reinigung am sinnvollsten entfernt werden können. Das Projekt ist deutschlandweit einmalig und ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Trinkwasserqualität. Seit einiger Zeit ist auf dem Verbandsgelände eine Versuchsanlage in Betrieb, die unter wissenschaftlicher Begleitung durch die Technische Universität Darmstadt die Vor- und Nachteile von zwei Verfahren ermittelt.

Zur Information der Öffentlichkeit und als Beitrag zum Langener Umweltfest am heutigen Samstag von 14 bis 18 Uhr im Neurott vor dem Paul-Ehrlich-Institut veranstaltet der Verband Führungen über die Kläranlage mit Besichtigung der Forschungseinrichtungen. Geplant sind zwei begleitete Fahrradexkursionen vom Umweltfest zur Kläranlage an der Prinzessin-Margaret-Allee (Kreisstraße 168) mit Start um 14.30 und um 16 Uhr am Stand des Abwasserverbandes. Und dort gibt es natürlich auch die originellen „Was darf rein ins Klo?“-Flyer. (ble)

Infos unter abwasserlee.de.

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