Nach fünf Jahren intensiver Zusammenarbeit hat Rot-Grün keine Mehrheit mehr

„Die Handelnden sind jetzt andere“

Langen - Letztlich gibt es nur noch kleinere Verschiebungen: Die Zeit, in der SPD und Grüne eine Mehrheit in Langen hatten, ist vorüber. Die CDU ist erneut stärkste Fraktion, die kleinen Gruppierungen gewinnen teilweise deutlich. Von Markus Schaible 

Allerdings verliert die FDP im Vergleich zum Trend von Sonntagabend noch einen Sitz, während die FWG-NEV einen dazu gewinnt. Mit unverändert 13 Sitzen bleibt die CDU stärkste Fraktion im Stadtparlament, doch nun kann sie selbstständig Mehrheiten zusammenbekommen. Denn SPD und Grüne müssen als einzige Verluste hinnehmen: Die Sozialdemokraten verlieren zwei Sitze, die Grünen gar drei. Ihre Sitzzahl verdoppeln dagegen UWFB und Linke; die FDP gewinnt einen, die FWG-NEV zwei hinzu. Bei SPD und Grünen herrscht natürlich Enttäuschung: „Das tut schon weh“, sagt Margrit Jansen, Frontfrau der Sozialdemokraten, gerade, weil die Partei offenbar Stimmen an die „Kleinen“ verlor: Das Flüchtlingsthema habe wohl eine große Rolle gespielt und viele Bürger wollten das nicht den etablierten Parteien überlassen. Für Langen bedeute das Ergebnis, dass die CDU noch mehr gefragt sei: „Sie war bereits stärkste Fraktion und hat nichts daraus gemacht. Mal sehen, was sie nun damit macht.“ In den vergangenen fünf Jahren wäre nach ihrer Ansicht mehr an gemeinsamen Initiativen möglich gewesen, „aber wenn man nicht mit anderen redet ...“, sagt sie mit Blickrichtung Union. Die SPD sei für Gespräche offen: „Wir werden vernünftige Beschlüsse mittragen.“

„Wir haben eine bürgerliche Mehrheit, das muss man akzeptieren. Die Handelnden jetzt sind andere und die müssen nun schauen, dass sie etwas zustande bekommen“, sagt Grünen-Sprecher Jens Duffner. „Das ist schade, weil wir denken, dass wir eine gute, erfolgreiche Arbeit gemacht haben.“ Allerdings sei den Grünen klar gewesen, dass sie das Ergebnis von 2011, als sie in einer Ausnahmesituation „explosionsartig nach oben geschossen“ waren, nicht würden halten können. „Wir haben vorher gesagt: Wir haben ein Potenzial von 14 bis 15 Prozent, wenn wir zwischen 15 und 17 liegen, wäre das ein schöner Erfolg“, so Duffner. „Hochzufrieden“ ist der neue CDU-Vorsitzende Christian Gött: „Wir haben gegen den Bundestrend unser Ergebnis gehalten, weil wir unsere Langener Themen setzen und vermitteln konnten, dass es um diese Stadt geht.“ Die Union werde nun mit allen reden und dann weitersehen.

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„Wir haben in den vergangenen Jahren eine konsequente Politik gemacht“, analysiert eine „sehr zufriedene“ Anna Sehring, Spitzenkandidatin der FWG-NEV, den Erfolg. Auch habe es an den Personen gelegen, die zur Wahl standen. In den nun kommenden Gesprächen sei eine Koalition nicht vorrangiges Ziel: „Wir wollen eigentlich so frei bleiben, wie wir bisher waren.“ „Schade, den vierten Sitz hätten wir gerne noch mitgenommen“, entfährt es Rolf Diefenthäler (FDP) kurz nach Abschluss der Stimmenauszählung: „Aber natürlich sind wir nicht unzufrieden, es war das beste Ergebnis, das einzuholen war.“

„Wir sind überglücklich“, sagt der bisherige „Alleinkämpfer“ Dr. Detlef Drömer (UWFB): „Wir stellen uns das Arbeiten nun deutlich einfacher vor.“ Auch Marianne Wurm, Nummer eins der Linken, ist sehr erfreut: „Toll, dass wir es mit zwei Leuten rein geschafft haben.“ Ihre Marschroute für die Zukunft: „Wir werden je nach Thema entscheiden.“ Die Liste mit allen Kandidaten-Ergebnissen aus Langen lesen Sie in unserer morgigen Print-Ausgabe.

Rubriklistenbild: © dpa

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