„Die beste schwarze Stimme Europas“

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Fototermin im Mühltal: „The Voice“ Joan Faulkner, geboren im US-Bundesstaat Indiana, hat in Langen ihre neue Heimat gefunden – zuhause ist sie auf den Bühnen dieser Welt.

Langen - Joan Faulkner lebt für die Musik. Singen bedeutet der Amerikanerin alles – wenn sie auf der Bühne steht, fühlt sie sich lebendig. Von Denis Düttmann

Musikproduzent Frank Farian, dessen Bandprojekten Milli Vanilli und Boney M. sie ihre Stimme lieh, nennt sie die „beste schwarze Stimme Europas“ oder schlicht „The Voice“. Faulkner trat im Vorprogramm der Soul-Legenden Ray Charles und Percy Sledge auf, stand mit den Weather Girls und Howard Carpendale auf der Bühne, sang in den Big Bands von Hugo Strasser, Thilo Wolf und Bill Ramsey. Für ihre Auftritte reist sie durch ganz Europa, doch auch in ihrer Heimatstadt Langen begeistert die Sängerin das Publikum mit ihrer ausdrucksstarken Stimme – wie Anfang 2009 beim Neujahrsempfang der Stadt.

Begonnen hat die Karriere der leidenschaftlichen Musikerin jedoch auf der anderen Seite des Atlantiks in einer kleinen Kirche in Gary/Indiana. Mit drei Jahren sang Joan Faulkner zum ersten Mal vor versammelter Gemeinde, mit 14 leitete sie bereits den Gospelchor in der Kirche ihres Vaters und mit 17 war sie Assistenz-Dirigentin des Indiana State Chors. „Musik liegt meiner Familie im Blut“, sagt Faulkner. „Alle meine Verwandten können mindestens ein Instrument spielen und gesungen wurde bei uns eigentlich ständig.“ Ein besonders intimes musikalisches Erlebnis verbindet sie mit ihrer Tante. 2002 besuchte die damals bereits über 80-jährige Nancy Anderson ihre Nichte in Deutschland und gemeinsam nahmen sie das Album „Praise Him“ mit einer Auswahl handverlesener Gospels und Spirituals auf.

Nach einigen Jahren in South Dakota, wo sie tagsüber in der Kirche und nachts in den Clubs sang, kam Faulkner 1978 mit ihrem damaligen Ehemann nach Frankfurt. Sie arbeitete als Sekretärin auf der Air Base, doch wann immer sie Zeit hatte, griff sie zum Mikrofon. In der quirligen Frankfurter Jazz-Szene machte sie sich schnell einen Namen und lernte viele Kollegen kennen, mit denen sie bis heute eine musikalische Freundschaft verbindet.

In den 1980er Jahren arbeitete Joan Faulkner wie eine Besessene. Mehrere Auftritte in Bill Ramseys Fernsehshow „Geheimtipp“ hatten sie berühmt gemacht und öffneten ihr so manche Tür im Showbusiness. Sie machte nun Tourneen durchs Ausland, gehörte bald zum festen Inventar im Frankfurter Tigerpalast und stand für die Arzt-Serie „Klinik unter Palmen“ als Krankenschwester Ella vor der Kamera.

Doch sie hat auch die Schattenseiten des Geschäfts kennen gelernt: Die Ehe ging in die Brüche, ihr Manager nutzte sie aus und von so mancher versprochener Gage hat sie nie etwas gesehen. Verbittert ist Faulkner darüber nicht geworden: „Das Leben eines Künstlers besteht aus Aufs und Abs. Ich habe durch meine Erfahrungen viel dazu gelernt und mich auch musikalisch weiterentwickelt.“ Ihre Stimme erzählt von einem bewegten Leben: von guten und von schlechten Tagen, von Freude und Schmerz, Glück und Trauer. „Ich will Musik machen, die die Menschen berührt – ich möchte Songs schreiben, die ewig leben“, erklärt Faulkner.

Ihre Lieder zielen direkt aufs Herz: Elegant modulierte Melodien untermalen feinsinnige Geschichten über die Widrigkeiten des Lebens und das Wechselbad der Gefühle. Treffsicher klettert Faulkner die Oktaven hinauf – mal ganz leise und behutsam, mal laut und kraftvoll. Swing und Soul, Blues und Jazz – virtuos bewegt sich „The Voice“ durch die Genres und verleiht dabei jedem Stil ihre persönliche Note.

Heute steht sie meist mit ihrer Band „3 Ladies of Blues“ oder ihrem Lebensgefährten, dem ungarischen Pianisten Gustav Csik, auf der Bühne. Hier hat sie ihre musikalische Heimat gefunden, hier ist sie ganz bei sich.

http://www.joanfaulkner.com

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