Der Sparkassen-Mann geht in den Ruhestand und gibt nach 28 Jahren den VVV-Vorsitz ab

Doppelter Abschied: Walter Metzger im Interview

Ihm liegt Langen am Herzen: Walter Metzger will sich trotzdem nicht ganz vom Ehrenamt zurückziehen.
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Ihm liegt Langen am Herzen: Walter Metzger will sich trotzdem nicht ganz vom Ehrenamt zurückziehen.

Langen – Der langjährige Pressesprecher und „Außenminister“ der Sparkasse Langen- Seligenstadt, Walter Metzger, hat sich zum Jahresbeginn in den Ruhestand verabschiedet. Auch im Ehrenamt will Metzger kürzertreten – und gibt nach 28 Jahren den Vorsitz des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVV) ab. Im Interview spricht er über den doppelten Abschied in schwierigen Zeiten, wofür er nach all den Jahren dankbar ist und über die Zukunft des umtriebigen Heimatvereins.

Herr Metzger, wie war der Abschied von den langjährigen Kollegen in Zeiten von Corona?

Der Abschied war ruhig, aber dafür herzlich. Der Vorstand verabschiedete mich im kleinen Kreis und dann verabschiedete ich mich von den Mitarbeiterinnen in meiner Abteilung. Da kam bei mir Wehmut nach über 53 Jahren Dienstzeit auf. Es war emotional, als ich die Schlüssel abgegeben habe. Ich bin dann heimgefahren und habe die Entscheidung Revue passieren lassen. Mit dem Gefühl, dass es richtig war, mit der Arbeit aufzuhören. Die vielen technischen Neuerungen, die sein müssen, haben mich schon gestresst. Ich wollte mir die Umstellungen nicht mehr antun.

Sie sind mit 15 Jahren zur Sparkasse gekommen. Hätten Sie sich träumen lassen, ihr ganzes Berufsleben dort zu arbeiten?

Darüber habe ich nicht nachgedacht. Nach der dreijährigen Lehre ging es schnell bergauf, nach weiteren drei Jahren Praxis wurde mir die Leitung der neu geschaffenen Abteilung Werbung und Öffentlichkeitsarbeit übertragen. Anfang der 70er Jahre wurde der Werbegedanke in die Geschäftspolitik der Sparkasse aufgenommen und ich war als Erster dabei. Als ich die Abteilung übernahm, hat noch der Vorstand die Werbetätigkeit der Sparkasse mit bearbeitet. Damals gab es einen Weltspartag, es wurden Anzeigen geschaltet und Gutscheine und einige Werbegeschenke am Jahresende ausgegeben. Ich hatte also Gelegenheit, die Abteilung auszubauen, was mir rückblickend gelungen ist. Die Arbeit war sehr lebendig, jeder Tag war anders, ich war zufrieden und darum habe ich über einen Wechsel in all den Jahren nicht nachgedacht.

Was hat Ihnen an Ihrer Arbeit immer am meisten Spaß gemacht?

Der Umgang mit unseren Kunden! Die Vielseitigkeit und die lebendige Arbeit waren schön. Ich konnte viel Positives an die Kunden und Vereine geben. Sind die Kunden zufrieden, sind es auch die Mitarbeiter und dann geht es der Sparkasse gut.

Seit 1973 leiteten Sie den Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Im Vergleich zu heute: Was hat sich in fast einem halben Jahrhundert am stärksten verändert?

Die Produktvielfalt war früher wesentlich geringer. Es drehte sich fast alles um die Spar- und Giroeinlagen. Das Wertpapier- und Auslandsgeschäft war noch nicht so ausgeprägt – es war alles überschaubarer. Erst mit der Einführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, vor allem des Girokontos nahm der Werbegedanke an Fahrt auf. Neue Produkte wurden eingeführt. Heute werden die üblichen Bankgeschäfte überwiegend per Telefon, E-Mail oder online abgewickelt. Bei komplexen Beratungen wie Baufinanzierungen, Anlagen und Altersvorsorge wird zwar im Internet recherchiert, aber bei der finalen Beratung suchen Kunden das Gespräch in unseren Beratungscentern. Der persönliche Kontakt wird künftig noch eine stärkere und entscheidende Rolle spielen.

Sie waren auch Geschäftsführer der beiden Stiftungen der Sparkasse. Wie wichtig ist Ihrer Meinung soziales Engagement?

Die Sparkasse hat schon immer soziales Engagement gezeigt, das wird sie auch weiter tun. Das ist ja auch im Hessischen Sparkassengesetz festgeschrieben. Das Sponsoring und die Spendenvergaben sind für die Region sehr gut und wichtig. Darüber hinaus haben wir 1985 und 2001 zwei Stiftungen gegründet, die das soziale Engagement verstärken, mit dem Musik- und Vorlesewettbewerb. Viele Veranstaltungen in Stadt und Kreis gäbe es ohne die Sparkasse nicht.

Welche Erinnerungen aus Ihrem Arbeitsleben werden Ihnen stets im Gedächtnis bleiben?

Schöne Erinnerungen habe ich durch die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen in der Sparkasse und auch außerhalb. Viele Freundschaften sind so entstanden. Was mir besonders in Erinnerung ist: Dass ich mit 20 Jahren die Vertretung der Hauptkasse in der damaligen Sparkasse Langen übertragen bekommen habe. Die Geldversorgung der Geschäftsstellen wurde von dieser Kasse vorgenommen. Mehrere 100 000 DM sind mir damals täglich durch die Hände gegangen. Das war spannend für mich – und ein Vertrauensbeweis unseres damaligen Vorstandes.

Mit der Jahreshauptversammlung (für 26. Februar geplant) werden Sie den Vorsitz des VVV abgeben. Was war ausschlaggebend, mit dem Ruhestand auch im Ehrenamt kürzer zu treten?

Der VVV ist in den letzten Jahren mithilfe aller Vorstands- und Beiratsmitglieder zu einer Erfolgsgeschichte und einer „Marke“ geworden. Er wird es, davon bin ich überzeugt, auch bleiben. Bei dieser Gelegenheit möchte ich meiner Frau Ingrid und meinen Kindern danken, dass sie die ehrenamtliche Tätigkeit in all den Jahren mit allen Problemen mitgetragen haben. Dass ich in den Ruhestand gehe und das Amt des Vorsitzenden zusammen aufgebe, war nicht geplant. Ich hatte vor drei Jahren angekündigt, dass ich 2021 zurücktrete und einen Nachfolger suche. Ausschlaggebend war und ist, dass ich nicht mehr an der Spitze stehen will. 28 Jahre sind genug, dazu kommen zehn als zweiter Vorsitzender und acht als Schatzmeister. Meine Familie hat sich immer an meinem Terminkalender orientieren müssen. Ich werde weiter im VVV mithelfen, bei den Heimatkundigen oder sonstigen Arbeiten. Ich will nur nicht mehr operativ tätig sein und keine Verpflichtungen haben. Ich will das machen, worauf ich gerade Lust habe.

Gibt es schon Kandidaten für Ihre Nachfolge?

Ja. Christopher Muth, ein Mann im „besten Alter“ hat Interesse gezeigt und will diese Tätigkeit übernehmen. Im vergangenen Jahr hat sich ein Orga-Team, bestehend aus jungen Leuten, unter seinem Vorsitz zusammengefunden. Das war für die Vereinsarbeit sehr gut. Das Orga-Team hat besondere Akzente gesetzt: beim Ebbelwoifest dehaam und dem Lebendigen Adventskalender. Beide Veranstaltungen wurden mit großem Erfolg virtuell durchgeführt. Was wir im Moment beobachten, ist, dass seit dieser Zeit junge Leute verstärkt Mitglied im VVV werden.

Das virtuelle Ebbelwoifest – das letzte unter Ihrem Vorsitz – ist ein gutes Stichwort: Durch die Pandemie fielen 2020 viele Veranstaltungen aus, die Gemeinschaft schaffen und Einnahmen bringen. Wie haben Sie das erlebt?

Wir hatten zwar auch mit der Pandemie zu kämpfen. Viele Veranstaltungen mussten ausfallen, aber wir haben das durch die neuen Ideen unseres Orga-Teams bei besagten Veranstaltungen aufgefangen. Wenn es das Orga-Team nicht gegeben hätte, hätte es diese Veranstaltungen nicht gegeben. Der jetzige Vorstand, auch ich, haben und hatten gar nicht das Know-how für Veranstaltungen in dieser Form. Es wäre zu einem Stillstand gekommen. Der VVV ist durch diese Aktivitäten lebendig geblieben. Überrascht war ich über die enorme Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger. Das hatte ich nicht erwartet. Und: Wir haben unsere kleinen Bembelchen zwar nicht alle verkauft, aber fast so viel eingenommen wie in den vergangenen Jahren.

Was sind für Sie persönlich die größten Erfolge des VVV in Ihrer Laufbahn?

Erfolge in meiner „Amtszeit“ die ich mit den Beirats- und Vorstandsmitgliedern erzielen konnte, waren die Vergrößerung der Weihnachtsbeleuchtung und unsere Veranstaltungen wie die Party Zwische de Joahrn, das Silvesterblasen und das Neujahrstreffen am Brezelstein. Auch mit den Aktionen „Langen blüht auf“, „Langen räumt auf“ und anderen Verschönerungen im Stadtgebiet setzten wir Akzente. Das Zusammengehen mit der Langener Altstadtinitiative war ein Glücksfall für die heimatkundlichen Aktivitäten im VVV. Die Heimatkundigen leisten hervorragende Arbeit um die Geschichte der Stadt. Wir haben uns in den vergangenen Jahren zu einem der größeren Heimatvereine Hessens entwickelt. 931 Mitglieder sind eine Hausnummer, die Tendenz ist steigend. Darüber freue ich mich sehr.

Eine große Abschiedsfeier ist aktuell nicht möglich. Tut Ihnen das weh?

Das tut mir überhaupt nicht weh. So eine Abschiedsfeier ist eine Momentaufnahme. Wichtig ist, dass das, was man lange Zeit gemacht hat, in den Köpfen hängen bleibt. Und den Eindruck habe ich.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des VVV?

Wie andere Vereine auch waren wir sehr alterslastig. Das haben wir etwas korrigieren können, sind jünger geworden. Ich bin überzeugt, dass unser kommender Vorstand die erfolgreiche Arbeit fortsetzt und weitere junge Bürgerinnen und Bürger in den VVV eintreten werden – und wir auch in den kommenden Jahren unsere engagierte Vereinsarbeit fortsetzen werden.

Und zum Schluss: Wie werden Sie jetzt Ihre vermehrte Freizeit verbringen?

Ich komme schon mit der vermehrten Freizeit klar. Ich ziehe mich auch nicht aus dem Ehrenamt zurück und helfe weiter im VVV. Ich werde bei den Heimatkundigen mitwirken und auf Kreisebene übernehme ich zwei Ehrenämter. Vor allem achte ich aber darauf, dass ich mit meiner Familie das machen kann, worauf wir gerade Lust haben. Ich will keine Verpflichtungen mehr haben und vor allem gesund bleiben – das wünsche ich mir sehr.

Das Gespräch führte Julia Radgen

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