Abschluss mit Wermutstropfen

Bye bye Dreieichschule: Unser Mitarbeiter Moritz Kegler hat die mündlichen Abiprüfungen erfolgreich hinter sich gebracht. Die liefen dank Hygienekonzept reibungslos ab, doch Enttäuschung bleibt – das Drumherum fällt aus. Foto: kegler

Wie das schriftliche Abi unter dem Einfluss der Corona-Pandemie verlief, hat unser Mitarbeiter Moritz Kegler bereits beschrieben. Nun standen die mündlichen Prüfungen unter den ungewöhnlichen Bedingungen an.

Ein Erfahrungsbericht über das Finale der Schullaufbahn in einer besonderen Zeit.

Nach den ersten drei Abiturprüfungen Ende März standen nun in der vergangenen Woche die mündlichen Prüfungen an. Die Vorbereitung hierfür ist ebenfalls ganz anders verlaufen als gewohnt. Man bedenke: Mein letzter richtiger Schultag war Freitag, der 13. März. Während der schriftlichen Prüfungszeit findet grundsätzlich wenig bis gar kein Unterricht statt. Danach bin ich erst einmal froh, diese ganz besonderen Prüfungen gemeistert zu haben.

Die anschließenden Osterferien nutze ich, um mich ein wenig zu entspannen und die letzten richtigen Ferien als Schüler zu genießen. Doch dann heißt es wieder, die Konzentration hochzufahren und sich auf die letzten zwei Prüfungen vorbereiten – ganz alleine, ohne die Unterstützung von Mitschülern und Lehrern. In zwei Videokonferenzen mit den anderen Prüflingen und unserem Lehrer gehen wir gemeinsam alle Themen durch, die relevant sein können, ehe jeder wieder auf sich gestellt ist.

In den kommenden Wochen erreichen mich regelmäßig Emails von anderen Lehrern, in denen darüber gerätselt wird, wie die Leistungen für dieses Halbjahr gewertet werden können. Müssen wir noch eine Klausur schreiben? Werden Ersatzleistungen von Zuhause aus angefertigt oder zählen für das Zeugnis nur die mündlichen Leistungen der Vor-Corona-Zeit? Schlussendlich läuft es auf Letzteres hinaus. In mehreren Fächern muss ich keinerlei schriftliche Leistungsnachweise erbringen und bewertet werden nur die zwei Unterrichts-Monate. Darüber bin ich natürlich ziemlich froh, denn so kann ich mich voll und ganz auf die letzten Prüfungsfächer konzentrieren – zumindest so gut es geht.

Mitte Mai sollte die traditionelle Mottowoche stattfinden. Unter einem täglich wechselnden Thema hätten sich eine Woche lang alle Abiturienten verkleidet, ehe am Ende dann die Zeugnisausgabe des letzten Kurshalbjahres steht. All das muss jedoch dieses Jahr ausfallen. Die Ergebnisse der schriftlichen Abiturprüfungen können wir online einsehen und zur Zeugnisabholung bekommt jeder Schüler unseres Kurses einen Fünf-Minuten-Slot in der Dreieichschule.

Und dann geht es auch schon in die letzte heiße Phase. Da nun bereits der Schulbetrieb für die anderen Jahrgänge wieder läuft, können auch wir Abiturienten an zwei Nachmittagen mit unseren Lehrern letzte Fragen in der Schule besprechen. Dann ist es soweit: Die Prüfungswoche ist da. Jeder Prüfling wird vom entsprechenden Prüfer im Foyer abgeholt und in den Vorbereitungsraum gebracht. Dort herrscht bei der Übergabe der Aufgaben Maskenpflicht, Sicherheitsabstand halten ist schwer. Während der Prüfung verläuft dann alles wie gewohnt. Denn Abstand wird auch unter normalen Prüfungsbedingungen gehalten. Die Ergebnisse sind am Nachmittag wieder online einsehbar und müssen nicht persönlich in der Schule abgeholt werden.

Und das war’s dann. Damit ist das denkwürdige Corona-Abitur zu Ende gegangen. Alle Prüfungen konnten – mit dem entsprechenden Hygienekonzept – wie geplant stattfinden. Die Vorbereitung und die Umstände waren natürlich sehr speziell und denkbar ungewöhnlich, doch letztendlich ist alles gut gegangen. Darüber will ich mich auch gar nicht beschweren. Am meisten enttäuscht bin ich aber von dem gesamten Rahmen, der den Abschluss meiner Schullaufbahn markiert: keine Feiern nach den schriftlichen Prüfungen, keine Mottowoche, kein Abigag und das traurigste: kein Abiball. Zwar wird es in der nächsten Woche eine Art „Akademische Feier“ mit Übergabe der Abiturzeugnisse geben; doch unter welchen Umständen? Die vielen traditionellen Dinge, bei denen ich all die Jahre nur zusehen konnte und mich darauf gefreut habe, selber ein Teil davon sein zu können sind nicht möglich. Und wie geht es danach weiter? Viele Abiturienten wollten ein Auslandsjahr machen oder reisen. Auch das ist gestrichen. Das eigene Abitur vergisst man ohnehin nie, doch ich glaube, dieser Schulabschluss wird mir und allen anderen Abiturienten auf ganz besondere Weise in Erinnerung bleiben.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare