Isoliert aber nicht alleine

Langen: Evangelisches Dekanat Dreieich veranstaltet virtuelle Treffen mit Video-Software

Nicht nur hören, auch sehen: Bei „Happy To Meet You“ sind alle Teilnehmer per Video-Konferenz verbunden. 
+
Nicht nur hören, auch sehen: Bei „Happy To Meet You“ sind alle Teilnehmer per Video-Konferenz verbunden.

Das Coronavirus zwingt viele Menschen in die Einsamkeit. Um dem entgegenzuwirken, hat das evangelische Dekanat Dreieich eine Strategie.

  • In Langen bietet das evangelische Dekanat Dreieich virtuelle Treffen an
  • Teilnehmer sind begeistert
  • Auch nach der Corona-Krise virtuelle Treffen in Langen?

Langen – „Social Distancing“ nennt sich die Maßnahme, mit der wir gerade weltweit versuchen, die Corona-Pandemie einzudämmen. Das bedeutet, dass wir auf unsere sozialen Kontakte so gut es geht verzichten sollen – oder? Kann man nicht auch auf anderen Wegen „sozial“ sein? Am Freitagabend startete die Langener Gemeindepädagogin Carolin Jendricke vom evangelischen Dekanat Dreieich mit der Auftaktveranstaltung von „Happy To Meet You – Verbunden bleiben trotz Isolation“ eine neue Veranstaltungsreihe via Videokonferenz.

„In der aktuellen Situation rund um Corona sind Begegnungen nicht mehr so möglich, wie man es gewohnt ist“, sagt Jendricke. „Natürlich kann man auch in Zeiten der Isolation miteinander telefonieren oder schreiben, doch es hat – zumindest für mich – eine ganz andere Qualität, wenn ich mein Gegenüber sehe.“

Aus diesem Grund entschied sie sich dafür, einen Versuchsballon über die Software Zoom zu starten. Das Programm ermöglicht Videokonferenzen mit mehreren Teilnehmern. Ein Dutzend Interessierte nahmen am ersten Zoom-Meeting am vergangenen Freitagabend teil. Stattfinden soll das Ganze nun regelmäßig.

Dreieich: Begeisterung nach dem Ausprobieren

Viele der Teilnehmer finden sich bei der Premiere zunächst aus reiner Neugier ein. Thomas Krämer sagt: „In Anbetracht der aktuellen Lage entwickeln sich ganz viele kreative Ideen wie diese hier.“ Er finde es wichtig, solche Angebote zur Abwechslung vom Alltag wahrzunehmen. Seine Frau Birgit stimmt ihm zu: „Es ist wichtig, die Leute auch in solch einer schweren Zeit zu sehen.“ Julia Webers, die sich aus Mainz dazu geschaltet hat, ergänzt: „Es ist auch schön, mal wieder einen festen Termin zu haben.“ Als Studentin habe sie derzeit keinen geregelten Tagesablauf. „Sich wieder etwas vornehmen zu können, ist toll.“

Andere nutzen das Angebot des Dekanats nicht zuletzt deshalb, um sich den Neuen Medien anzunähern. „Ich dachte, ich werde mit der Technik nicht zurechtkommen, aber auf einmal war ich im Meeting und konnte euch alle sehen“, kommentiert Teilnehmerin Elisabeth. „Das ist wundervoll.“

Obwohl Carolin Jendricke derzeit im Dekanat primär die Projektstelle „Innovative Erwachsenenarbeit 55+“ bereut, ist die Zielgruppe ihres neuen Angebots „Happy To Meet You“ sehr viel breiter aufgestellt. „Wie ich sehe, haben wir eine Altersspanne von neun bis 85 Jahren“, freut sie sich. Mareike Breyer hat ihre neunjährige Tochter Mia mit ins Gespräch genommen. Auch sie freut sich, wieder mal andere Gesichter zu sehen. „Wir huschen aktuell nur schnell durch die Straßen, um etwas zu erledigen“, erzählt Mama Mareike. „Lange Gespräche kommen im Moment wirklich viel zu kurz.“

Eine Möglichkeit des Zusammenkommens in Dreieich über Corona hinaus

Solange die Krise andauert, soll das Video-Meeting regelmäßig stattfinden. „Schön wäre es aber, wenn sich das Format auch nach Corona etabliert“, sagt Jendricke. Eine digitale Konferenz ermögliche nämlich auch Menschen, deren Mobilität eingeschränkt ist, die Teilnahme an einer Gruppenveranstaltung. Außerdem sei das Ganze überregional, wie man zum Beispiel an Julia aus Mainz sehe. „Man kommt mit Leuten ins Gespräch, mit denen regelmäßiger Austausch wegen der geografischen Distanz schwer ist.“

Jendricke hat in das virtuelle Treffen einen Impuls von Pfarrer Steffen Held mitgebracht. „Wie lange noch? Wie lange müssen wir in der aktuellen Situation noch verweilen?“, fragt sich Jendricke und damit auch die Teilnehmer. Keiner hat eine Antwort darauf. Wie auch? Doch gerade in der jetzigen Zeit sei Austausch und Miteinander wichtiger denn je. Und vielleicht sollte man die Isolation weniger als „Social Distancing“, sondern eher als „Physical Distancing“ sehen. Denn soziale Interaktionen sind, wie man nicht zuletzt am Freitagabend gesehen hat, auch ohne körperliches Beisammensein möglich.

VON JULIA LOTZ

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare