Dreieichschüler treffen auf Senioren

Verständnis für ältere Generation

Langen - Alt sein wünscht sich keiner, aber das älter werden lässt sich auch nicht aufhalten. Bei vielen Jugendlichen herrscht eine einhellige Meinung zu dieser Lebensphase und das Bild ist oftmals einseitig und schlichtweg negativ. Von Sina Gebhardt

Im Rahmen der Projektwoche haben es sich Geschichts- und Lateinlehrerin Eleni Hensel und die Studentin Carolin Jendricke zur Aufgabe gemacht, Dreieichschüler mit ihrem Generationenprojekt für das Thema „Alt sein“ zu sensibilisieren und ihre Sichtweise zu verändern.

Es ist ein privates Anliegen und eine Herzensangelegenheit von Jendricke, die an der Hochschule Darmstadt Soziale Arbeit studiert und das Konzept für dieses Projekt erstellt hat. Anders als die Schüler hat sie viel Kontakt zu alten Menschen, ist selbst in einem Mehrgenerationenhaus aufgewachsen und engagiert sich in der Seniorenarbeit und der Kirche. „Gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel sollen sich die Jugendlichen abseits von Statistiken mit dem Thema auseinandersetzen“, erläutert Jendricke das Ziel ihres Projekts.

Erschreckende Zustände

Dazu hat sie mit den Jungen und Mädchen Einrichtungen wie ein Seniorenheim, das Ginkgo-Haus und das Begegnungszentrum Haltestelle besichtigt, um ihnen vor Augen zu führen, was „Alt sein“ bedeuten kann: „Viele junge Leute assoziieren nur negative Aspekte mit dem Thema, aber sie sollen weg von der Vorstellung, dass alle Senioren nur alt, schwach und dement sind.“ Die Besuche haben schnell Wirkung gezeigt und zum kritischen Reflektieren bei den Schülern angeregt. Besonders die Zustände im Altenheim waren für die Teenager erschreckend: „Dort hat es uns überhaupt nicht gefallen“, berichtet die 17-jährige Veronika. „Die Atmosphäre war nicht schön, die Senioren wurden wie Kinder behandelt und man hatte das Gefühl, dass die Menschen dorthin abgeschoben wurden.“

Positivere Erfahrungen konnten dann gesammelt werden, als drei Mitglieder aus Jendrickes Seniorentischtennisgruppe im Alter von 85 bis 93 Jahren in die Dreieichschule kamen, um in direkten Dialog mit den jungen Projektteilnehmern zu treten. „Ich habe viel erzählen können und sehr interessierte Zuhörer gehabt“, sagt der 1925 geborene Dirk Hesse. Der gelernte Elektrotechniker freut sich über das Projekt und schätzt die Möglichkeit für beide Seiten, sich mit der anderen Generation austauschen zu können. Für die Schüler sind gerade die Kriegsgeschichten aus Sicht eines Zeitzeugen spannend und lehrreich, aber sie können auch Vergleiche zu ihrer eigenen Jugendzeit ziehen: „Es ist ein drastischer Unterschied“, stellt die 14-jährige Lara fest. „Er hatte eine ganz andere Kindheit als wir.“

Umfangreiches Projekt

Das Projekt hat den Jugendlichen die Möglichkeit geboten, Einblicke in das Leben dieser Generation zu erhalten und dadurch festgefahrene Vorurteile abzubauen. „Es ist ein sehr umfangreiches Projekt, wir haben viele Einrichtungen besucht und dadurch ein größeres Verständnis entwickelt“, zieht der 18-jährige Patrick Bilanz. Überraschend war für den Teenager, wie aktiv man noch in hohem Alter am Leben teilnehmen kann, wie es bei Hesse der Fall ist. Auch Lara ist froh, an dem Projekt teilgenommen zu haben. Sie könne sich nun besser in ältere Menschen hineinversetzen und sei sich bewusster, welche Wünsche sie für später habe.

Die engagierte Studentin Jendricke kann mit ihrem Generationenprojekt mehr als zufrieden sein: Es ist ihr gelungen, das schlechte Bild der Schüler vom „Alt sein“ zu verändern. Sie konnte ein besseres Verständnis vermitteln, ebenso wie die Erkenntnis: „Alte Menschen waren auch mal junge Menschen.“

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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