Latein – weder tot noch langweilig

Dreieichschule wirbt mit „Römertag“ für antike Fremdsprache

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Außergewöhnliche Schulstunde: Beim Römertag wirbt Fabian Steinbrückner vom Verein Raetici Romani bei Sechstklässlern für Latein als Fremdsprache.

Langen - Schwer, langweilig und eigentlich schon längst ausgestorben – was müssen die Lateiner nicht für Vorurteile wegen ihrer Sprache über sich ergehen lassen. Dass die aber überholt sind, soll gerade den Schülern vermittelt werden. Deshalb lud die Fachschaft Latein der Dreieichschule ihre Sechstklässler wieder zu einem „Römertag“ ein. Von Sina Gebhardt

Zwei Jungs dürfen dem „waschechten“ Römer seine Legionärsrüstung anlegen und dabei lernen, dass allein der Brustpanzer mit seinen rund zehn Kilogramm schon ganz schön schwer ist. Denn bei Latein geht es um weitaus mehr als nur die vermeintlich „tote Sprache“. Fabian Steinbrückner ist selbst Geschichtslehrer an einer Frankfurter Schule, aber heute im Dienste des Vereins Raetici Romani, der sich der römischen Geschichtsdarstellung verschrieben hat, unterwegs. „Wir wollen den Kindern Latein zugänglich machen. Dazu setzen wir auf authentische, hochwertige Darstellung nach wissenschaftlichem Stand.“

Zum fünften Mal macht das Gymnasium inzwischen Reklame für Latein als zweite Fremdsprache. Die Spanischfraktion erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit und muss deshalb nicht explizit die Werbetrommel rühren. In diesem Jahr fällt der Römertag erstmals mit dem Besuch des France Mobils zusammen, das die Schüler für Französisch begeistern soll. Ein Zufall, der durchaus seine Vorteile bringt: „So haben die Schüler einen direkten Vergleich, was sie mehr interessiert“, so Isabella Petavrakis, Fachsprecherin Latein. Seit 2012 ist die Lehrerin an der Dreieichschule und weiß um die Schwierigkeiten, mit denen ihr Fach zu kämpfen hatte. „Gerade als Spanisch als zweite Fremdsprache neu war, hatten wir große Probleme, aber inzwischen ist der Andrang wieder gestiegen. Dieses Jahr hatten wir sogar wieder zwei Lateinklassen.“

Die gängigen Vorurteile weist Petavrakis von der Hand: So sei Latein nicht schwerer zu lernen als andere Sprachen – auch dort müssen die Schüler schließlich Vokabeln büffeln. Und bei dem Begriff „tote Sprache“ sträuben sich ihr die Nackenhaare, denn „Latein lebt in den anderen romanischen Sprachen weiter und ist deshalb eine super Grundlage, um diese auch zu verstehen.“ So hat sich Latein sogar gerade bei Kindern mit Migrationshintergrund als große Hilfestellung bewährt, so Petavrakis. Die Schüler selbst seien bei der Fremdsprachenwahl übrigens nicht das größte Hindernis, vielmehr raten oftmals die Eltern ab, weil sie sich an ihren einst langweiligen, stupiden Lateinunterricht erinnern – doch der gehöre der Vergangenheit an.

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Das demonstriert Steinbrückner heute den Sechstklässlern und bindet sie in die außergewöhnliche Schulstunde ein: Zwei Gruppen dürfen sich bekriegen, die einen attackieren mit – natürlich harmlosen – Wurfgeschossen, die anderen nehmen mit Schilden bewaffnet die schützende Kampfformation „Schildkröte“ ein. Denn die Sprache macht nur einen Teil des Unterrichts aus, der andere befasst sich mit dem Leben der Römer, das spannend und vielseitig ist. So sind die Übergänge zu anderen Fächern und Themenbereichen fließend und die Schüler lernen gleichzeitig viel über Geschichte, Religion, Mythen, Geografie und Philosophie.

Vorteile statt Vorurteile ist bei Latein also die Devise. Trotzdem bleibt es jedem Schüler selbst überlassen, welches Fach für ihn die richtige Wahl ist. Einen zusätzlichen Anreiz hat Petavrakis aber dann noch in petto: „Ein Latinum im Lebenslauf kommt immer gut an.“

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