Kreisverband eröffnet Kleiderladen

DRK-Kleiderkammer schließt Ende des Monats

Langen - Nach mehr als 40 Jahren ist Schluss: Die Kleiderkammer des DRK-Ortsvereins, in der sich Bedürftige kostenlos einkleiden können, schließt Ende August. Grund: Der Kreisverband eröffnet einen DRK-Kleiderladen. Von Markus Schaible

Beim Langener Roten Kreuz sieht man das mit einem weinenden, aber auch einem lachenden Auge, da die bislang engagierten Ehrenamtlichen der Altersklasse 80 plus angehören. Den Generationenwechsel beim Sozialdienst hat der Langener DRK-Ortsverein bereits vor einigen Monaten vollzogen: Beate Schams übernahm die Leitung der Gruppe, die für die Kleiderkammer und die Betreuung der Blutspender zuständig ist, von ihrer Mutter Elfriede Ludwig. Ludwig, die auf eine über 40-jährige Tätigkeit zurückblicken kann, wurde dafür mit den anderen Damen des Sozialdienstes kürzlich beim Sommerfest geehrt – unsere Zeitung berichtete vergangenen Samstag. Was das DRK zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht vermeldete, war dann am Wochenende in einem kurzen Facebook-Post zu lesen: „Die Kleiderkammer schließt Ende August.“

„Ja, das stimmt, Ende August ist Schluss“, bestätigt Schams auf Anfrage unserer Redaktion. Grund sei der Kleiderladen, den der DRK-Kreisverband am Samstag, 25. August, in der Gartenstraße 1-3 (nahe Lutherplatz) eröffnet. Immer dienstagabends konnten sich Bedürftige und Wohnungslose (und nur die) in der Kleiderkammer, die nach mehreren Umzügen seit 1997 im DRK-Zentrum in der Ohmstraße 8 zu finden ist, kostenlos mit Kleidung eindecken. Den Kleiderladen dagegen kann jeder nutzen. „Die Bedürftigen erhalten von der Stadt vierteljährlich Gutscheine und bekommen damit im Kleiderladen weiterhin kostenlos etwas zum Anziehen“, erklärt Schams. Neu ist aber, dass sie darüber hinaus – also wenn die Gutscheine aufgebraucht sind – zum Vorzugspreis weitere Stücke kaufen können. Für Bürger, die nicht bedürftig sind, präsentiert sich das Angebot als ganz normales Second-Hand-Geschäft.

Seit vergangenem Jahr sei den Langenern bekannt, dass der Kreisverband auf der Suche nach Räumen in zentraler Lage und mit einer bestimmten Größe sei. Als der Laden in der Gartenstraße gefunden war, habe der Ortsvereins-Vorstand festgestellt: „Beide Angebote zusammen machen keinen Sinn.“ In gegenseitiger Absprache sei beschlossen worden, die Kleiderkammer nach der Eröffnung des Ladens zu schließen. Sie sehe das mit einem weinenden und einem lachenden Auge, sagt Schams: „Irgendwann musste es mal sein.“ Denn die ehrenamtlichen Damen seien alle über 80 Jahre alt, die Kleiderausgabe werde für sie immer beschwerlicher. Einige würden sich aber auch weiterhin im Kleiderladen engagieren, der dann jedoch nicht mehr in der Verantwortung des Ortsvereins, sondern ausschließlich des Kreisverbandes liege.

Im Alter in eine Wohngemeinschaft ziehen

Wichtig sei, dass der Ortsverein weiterhin finanziell profitiere. Bislang hat er überzählige Kleidung, die nicht ausgegeben wurde, selbst an Altkleiderhändler verkauft. Künftig mache das der Kreisverband, das Geld aber bleibe bei den Langenern, erklärt Schams. Der Erlös, der im Laden gemacht werde, diene zur Deckung der Kosten von Miete, Strom, Wärme und Ähnlichem. Ganz reibungslos aber funktioniert der Übergang leider nicht, bedauert Elfriede Ludwig. Die bereits mehrfach an den Kreisverband gestellte Frage, ob die noch in der Kleiderkammer vorhandenen Stücke in den Laden gebracht werden sollen, sei bislang ebenso unbeantwortet geblieben wie die Bitte, die neuen Öffnungszeiten mitzuteilen, damit sie an die aktuellen Nutzer weitergegeben werden können. Zumindest scheinen inzwischen Zeiten festzustehen – laut Aushang im Laden dienstags und donnerstags von 10 bis 12 Uhr.

Rubriklistenbild: © dpa

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