Neue Maßnahmen

Corona-Ausbruch im DRK-Seniorenzentrum trotz Schnelltests für Besucher

Corona-Schnelltest im Seniorenheim
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Im Langener DRK-Seniorenzentrum gibt es seit Jahresbeginn auch kostenlose Schnelltests für Besucher. (Symbolbild)

Im DRK-Seniorenzentrum in Langen hat es einen Corona-Ausbruch mit mindestens 25 Infizierten gegeben. Wie genau das Coronavirus ins Haus kam, ist unklar.

Langen - Der Mann bezeichnet sich selbst als „besorgten Leser“, ansonsten bleibt er anonym. Er sei regelmäßiger Besucher des DRK-Seniorenzentrums in Langen, wo eine Angehörige von ihm wohne, schreibt er in einem Brief an die Redaktion. Der Grund für die Kontaktaufnahme: „Bei meinen Besuchen wurde ich bisher nicht ein einziges Mal getestet!“, echauffiert sich der Mann. Bei mehreren telefonischen Nachfragen habe er die Auskunft bekommen, dies sei „nicht notwendig und würde in dieser Einrichtung aufgrund des hohen personellen Aufwandes nicht durchgeführt“. Den Leser beunruhigt das: „Ich mache mir extrem große Sorgen um meine Angehörige.“

Wie Ilija Ohm, Leiter des DRK-Seniorenzentrums in der Frankfurter Straße auf Anfrage erklärt, bietet das Pflegeheim nun aber seit Beginn des neuen Jahres Tests für Besucher an. „Angehörige können sich jetzt einmal die Woche kostenlos testen lassen“, sagt er. Während Gäste vor ihrer Stippvisite in Seniorenheimen in den vergangenen Monaten tatsächlich keinen Corona-Test vorweisen mussten, hat sich das kurz vor Weihnachten geändert. Am 22. Dezember erließ der Kreis eine Allgemeinverfügung, laut der Besucher nun „ein aktuelles negatives Testergebnis“ vorlegen müssen. Dieses kann per Antigenschnell- oder PCR-Test erfolgen und darf nicht älter als 24 Stunden sein.

Langen im Kreis Offenbach: Corona-Ausbruch im DRK-Seniorenzentrum

Schon seit Zulassung der Antigen-Schnelltests hatte das DRK-Seniorenzentrum diese einrichtungsintern sämtlichen 180 Bewohnern und 170 Mitarbeitern kostenfrei angeboten. „Das ist eine extreme personelle Belastung und dazu sehr kostspielig“, so Ohm. Dennoch habe die Leitung nun entschieden, zusätzlich auch Tests für Besucher anzubieten.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen hat es diese Woche einen Corona-Ausbruch im DRK-Zentrum gegeben. Am Mittwoch meldete das Kreis-Gesundheitsamt 38 neue Corona-Fälle in Langen, auffallend viele. „Die hohe Zahl an Neuinfizierten in Langen geht auf den Ausbruch in einem Alten- und Pflegeheim zurück“, teilte der Kreis mit. Wie eine Sprecherin auf Anfrage bestätigt, handelt es sich dabei um das DRK-Heim. 25 der 38 Infektionen seien auf einen dortigen Ausbruch zurückzuführen. Und: „Erfahrungsgemäß kommen in den Tagen danach noch einzelne Fälle hinzu“, so die Kreis-Sprecherin.

Verschärfte Regeln nach Corona-Ausbruch in Langener Seniorenheim im Kreis Offenbach

„Sämtlichen Bemühungen zum Trotz konnte ein Viruseintrag in das DRK-Senioren-Zentrum Langen, wie auch in so vielen Einrichtungen im Umfeld, nicht verhindert werden“, teilt Kai Wachowski, Assistent der Geschäftsführung des DRK-Kreisverbands Offenbach, auf Anfrage mit. Auf welchem Weg das Virus in die Einrichtung kam, könne nicht seriös beantwortet werden. Höchste Priorität habe nun, die Weiterverbreitung des Virus innerhalb der Einrichtung einzudämmen.

Dazu wurden einige mit den Gesundheitsbehörden abgestimmte Maßnahmen getroffen: Persönliche Kontakte unter den Bewohnern und Mitarbeitern seien „soweit wie möglich eingeschränkt“, erklärt Wachowski. Bewohner, bei denen ein Verdacht oder Nachweis auf Infektion vorliegt, seien soweit wie möglich von den anderen isoliert, betroffene Mitarbeiter dürften die Einrichtung aktuell nicht betreten. Schon seit Längerem seien Besuche im Senioren-Zentrum „nur noch in Ausnahme- und Härtefällen möglich“. Möglichkeiten der kontaktlosen Begegnung, etwa über Video-Telefonie, seien installiert.

Corona im Kreis Offenbach: Kostenlose FFP2-Masken im DRK-Seniorenheim in Langen

Bislang war das DRK-Heim eigentlich gut durch die Krise gekommen. Wie viele Infektionsfälle es in den zurückliegenden Monaten gab, will Einrichtungsleiter Ohm aus Datenschutzgründen nicht sagen. Es habe immer wieder einzelne Fälle und kleinere Ausbrüche gegeben. „Durch die vielen Tests und unser Hygienekonzept hatten wir das aber immer nach zwei bis drei Wochen bekämpft.“ Besucher erhalten mittlerweile am Eingang kostenlose FFP2-Masken und wenn nötig auch einen Schutzkittel.

In der Vergangenheit seien es häufig Angehörige gewesen, die das Virus ins Haus trugen, erzählt Ohm. Einige würden sich nicht an die Vorgaben halten und beispielsweise auf dem Zimmer ihre Maske ausziehen. „Ich verstehe das ja, dass man dann doch mal die Oma umarmen will“, sagt Ohm. „Aber ich appelliere wirklich an alle Besucher, sich an die Hygienemaßnahmen zu halten.“

Nach Corona-Ausbruch im Kreis Offenbach: Impfungen im Langener DRK-Seniorenzentrum

Hoffnung macht zumindest die Corona-Schutzimpfung, die im DRK-Seniorenzentrum bereits angelaufen ist. Am 5. Januar war ein mobiles Impfteam erstmals vor Ort, am 26. Januar folgt die zweite Runde. Ein größerer Teil der Bewohner und Angestellten habe sich bereits impfen lassen, berichtet Ohm. „Kein einziger hatte größere Nebenwirkungen. Das ist alles gut gelaufen.“ Auch Ohm wurde geimpft, bis auf leichte Schmerzen im Arm wie bei anderen Impfungen habe er ebenfalls keine Nebenwirkungen verspürt – „und das war am nächsten Tag wieder weg.“ Er könne es jedem nur empfehlen, sich impfen zu lassen.

Ohm hofft, dass sich die nun schon seit langer Zeit angespannte Situation in seinem Haus durch den Impfstoff endlich wieder ein wenig normalisiert: „Ich bin zuversichtlich, dass die Lage in zwei Monaten deutlich entspannter ist.“ (Von Manuel Schubert)

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