Geldstrafe für 26-Jährigen

Ex-Freundin und vier Polizisten geschlagen

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Langen - „So wie die Frau da erzählt hat, so stimmt alles!“ „Die Frau da“, das ist Amtsanwältin Anja Wolf. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Was sie in ihrer Anklageschrift verlesen hat, beschreibt einen hitzköpfigen Widerstand gegen die Polizei und Beleidigung derselben – wie praktisch, wenn der Angeklagte gleich zu Beginn der Verhandlung ohne Gegenwehr und Verteidiger alles zugibt. Da könnte das Gericht nahtlos zum Urteil übergehen. Ganz so einfach kann sich Amtsrichter Volker Horn die Sache natürlich nicht machen. Bevor er den 26-jährigen Langener zu einer Geldstrafe von 2 400 Euro nebst Prozesskosten verdonnert, versucht er in einer 75-minütigen Verhandlung mit drei Zeugen und einem Gutachter, den Sachverhalt lückenlos aufzuklären. Folgendermaßen erinnern sich die „geschädigten“ Beamten an diesen Einsatz:.

27. Juli 2013, 6 Uhr morgens, Dienstbeginn für die Frühschicht der Langener Polizei. Schon geht der erste Notruf ein: Eine junge Frau gibt an, in ihrer Wohnung vom Ex-Freund geschlagen worden zu sein. Vier Beamte fahren los. Im Wohnzimmer hat sich der arbeitslose Tischler bereits zu einer Drohgebärde für die Ordnungshüter aufgeplustert: Breitbeinig steht der 170 Zentimeter kleine Kerl da, eine Hand zur Faust geballt, die andere in der Hosentasche – und lässt keine Spur eines Zweifels seiner Kampfbereitschaft aufkommen: „Ich mach euch fertig!“ Die Hand in der Tasche signalisiert für die Polizei denn auch sofort Gefahr: Sie könnte eine schussbereite Waffe umklammern. Nach mehrminütigen Verhandlungen kann diesbezüglich glücklicherweise Entwarnung gegeben werden.

Unter Alkohol- und Kokaineinfluss

Die folgende Festnahme des uneinsichtigen und unter Alkohol- und Kokaineinfluss stehenden jungen Mannes gestaltet sich aber wie angekündigt „aufwendig“. Erster Impuls des Angeklagten: Ich muss mich größer machen. Mit einem Purzelbaum über die Rückenlehne der Couch steht er plötzlich auf selbiger: neue Drohgebärde unter pausenloser Verfluchung der Staatsgewalt mit dienstbekannten Beleidigungen. Ziemlich erfolglos: Den so titulierten „Bullenschweinen“ gelingt es schnell, das 65-Kilo-Leichtgewicht durch Wegziehen eines Couchteils auf den Boden zu bringen und zu viert an Händen und Füßen zu fixieren. Gegen die Festnahme und den folgenden Abtransport hilft auch kein Greifen ins Gesicht, kein Schlagen gegen die Schutzwesten oder Verknoten der eigenen gefesselten Gliedmaßen.

Die Erklärung des Langeners: „Ich war ein bisschen schräg drauf, hab meinen Job und die Freundin verloren. Es tut mir leid!“ Zwischen 1,2 und 1,5 Promille Blutalkohol, Spuren von Cannabis- und Kokainkonsum bescheinigt ein Gutachten für die Tatzeit. Der Sachverständige Dr. Hans-Werner Leukel: „Aufgrund der Wechselwirkungen zwischen Alkohol und Drogen kann eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit nicht ausgeschlossen werden. Das hohe Aggressionspotenzial und die körperliche Leistungsfähigkeit sprechen für diese Wirkung.“ Das daraus resultierende milde Urteil hat der gebürtige Kasache außerdem seiner bislang weißen Weste zu verdanken.

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