Bürgermeister: „Das war eine Luxussituation“

Kita baut Container ab: Eltern fühlen sich wie „Bürger zweiter Klasse“ behandelt

Zwei dieser Container werden Ende der Woche abgebaut. Sie werden für die Schulbetreuung der WLS genutzt.
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Zwei dieser Container werden Ende der Woche abgebaut. Sie werden für die Schulbetreuung der WLS genutzt.

Rücksichtslos, unangemessen, kurzsichtig und empörend – mit diesen vier Adjektiven ereifern sich Eltern der Kinder aus Langen, die im Kindergarten Im Brühl in Egelsbach betreut werden, über eine Ankündigung.

  • In der Kita Im Brühl in Egelsbach sind Gruppen mit Kindern aus Langen in Containern untergebracht.
  • Die Container sollen jetzt abgebaut werden, weil eine Schule in Egelsbach sie benötigt.
  • Das erzürnt die Eltern der Kinder aus Langen - sie sehen ihren Nachwuchs benachteiligt.

Langen/Egelsbach – Auf Veranlassung der Gemeinde Egelsbach sollen Teile der Containeranlage, in der die Kinder untergebracht sind, abgebaut werden. „Dadurch würden unseren Kindern und ihren Erzieherinnen und Erziehern der im Winter und in der aktuellen Corona-Zeit dringend benötigte Bewegungs- und Kreativbereich genommen“, schreiben die Eltern in einem Brief an die beiden Bürgermeister Tobias Wilbrand (Egelsbach, Grüne) und Jan Werner (Langen, unabhängig), der unserer Zeitung vorliegt.

Die Eltern kritisieren, dass „die zugesicherte Ganztagesbetreuung während der Umbauphase auf Halbtagesbetreuung zusammengekürzt“ werden soll. Zudem sei die Maßnahme ihnen gegenüber nicht begründet und erst unmittelbar vor der Umsetzung angekündigt worden. „Die Betreuung wird räumlich und zeitlich auf ein unzumutbares Maß reduziert. Das Infektionsrisiko wird drastisch erhöht, die vertragliche Verpflichtung zur Ganztagesbetreuung ignoriert und wir werden kurzfristig mit unserem Betreuungsproblem allein gelassen“, bemängeln die Eltern in ihrem Schreiben. Damit würden die durch Corona ohnehin beanspruchten Kinder, Erzieher und Eltern auf eine „zusätzliche und vermeidbare Belastungsprobe gestellt“.

Egelsbach: Container werden an Wilhelm-Leuschner-Schule gebraucht

Die Container sollen für die Wilhelm-Leuschner-Schule (WLS) verwendet werden. Daher sehen die Eltern aus Langen ihren Nachwuchs gegenüber dem aus Egelsbach im Nachteil. „Hier wird offensichtlich die Betreuung und die Gesundheit Langener Kindergartenkinder hinter den Bedürfnissen Egelsbacher Schulkinder hintangestellt.“ Dass die Verwaltung die Langener als „Bürger zweiter Klasse“ behandele, mache die Elternvertreter fassungslos. „Wir fordern, die geplante ersatzlose Wegnahme des Kindergartencontainers sowie die Kürzung der Betreuungszeiten unverzüglich zurückzunehmen und einen Beibehalt der aktuellen Situation bis zum Eintritt in die Grundschule zuzusichern“, lautet der Appell der Eltern an die Rathauschefs beider Kommunen. Zumindest wollen die Eltern in der nächsten Gemeindevertretersitzung gehört werden und fordern einen „konstruktiven Dialog“.

Baumaßnahme in Egelsbach beginnt am Freitag (09.10.2020)

Egelsbachs Bürgermeister Tobias Wilbrand verweist auf gleich eine Reihe von Missverständnissen und erklärt, die Gemeinde nehme mitnichten Kindern und Erziehern einfach Räume weg. Die beiden Gruppen aus Langen seien in Containern untergebracht, in die zuvor vier Gruppen der Kita Brühl untergebracht waren. „Die Räume haben wir genutzt, als wir die Kinder während des Schimmelbefalls der Kita auslagern mussten“, erklärt Wilbrand. Diese Räume – vier 70 Quadratmeter große Gruppenräume und ein Nebenraum – wurden dann für die Langener Kinder der Kita Im Brühl verwendet – waren aber von Anfang an überdimensioniert. „Das ist ein dermaßen großes Luxusangebot gewesen, das keines der Egelsbacher Kinder hatte“, sagt Wilbrand. Zudem sei dies eine Übergangslösung gewesen. Bis Sommer 2021 hätte man die Container nutzen können, ab da sollten sie für die Schulbetreuung im Einsatz sein.

Die Pandemie hat aber einen Strich durch diese Rechnung gemacht: „Wir müssen die Jahrgangsgruppen der Leuschner-Schule trennen, die vorher stufenübergreifend gespielt haben“, so Wilbrand. „Dafür mussten wir bis nach den Herbstferien eine Lösung finden und brauchen daher dringend die Container.“ Zwei von ihnen müssten daher früher als geplant – ab Freitag (09.10.2020) – umziehen, so der Bürgermeister.

Stadt Egelsbach: Kinder aus Langen nicht benachteiligt

Selbstverständlich stünden den Kitakindern weiter Bewegungs- und Kreativbereiche zur Verfügung, nur nicht mehr in unmittelbarer Nähe zu den Gruppenräumen. „Die Betreuungszeiten werden zudem nur während der Umbauphase von fünf Tagen reduziert“, stellt Wilbrand klar. Dann werde bis 14.00 Uhr (statt 16.30 Uhr) betreut. Die Arbeiten habe man bewusst in die Ferien gelegt, damit weniger Familien betroffen sind.

Bei der Kommunikation mit den Eltern aus Langen sei eventuell „geringfügig etwas schiefgelaufen“, so Wilbrand. „Aber die Entwicklung kommt auch sehr kurzfristig für uns.“ Nach Absprachen mit dem Kreis wurde erst in der jüngsten Gemeindevertretersitzung beschlossen, dass die Gemeinde die Container von der vermietenden Firma für diesen Zweck ankauft. Die Eltern will Wilbrand trotzdem nicht alleine lassen. Er hat einen Ortstermin mit Elternvertretern und einem Vertreter der Stadtverwaltung Langen angekündigt, um Transparenz zu schaffen. (Julia Radgen)

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