45. Ebbelwoifest

Ehrung mit Ebbelwoi: Fünf Personen werden gedaaft

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Brunnenwirt Heinz-Georg Sehring (rechts) und VVV-Vorsitzender Walter Metzger haben die Täuflinge in die Mitte genommen. Gedaaft werden (von links) Thomas Räuber, Bernhard Knerr, Ulrich Neff, Uschi Mardeck und Uwe Daneke.

Langen - Trinken, trinken, trinken (aber nicht zu viel) und dann den Rest des Bembels über den Kopf geleert bekommen – so wird es auch dieses Jahr bei der Daaf auf dem Ebbelwoifest wieder sein. Von Markus Schaible 

Doch es gibt zwei Neuerungen: Gedaaft wird nicht mehr samstags, sondern am Freitagabend. Und die Namen der Täuflinge sind vorher kein Staatsgeheimnis mehr. Gestern hat sie der Brunnenwirt vorgestellt. Das 45. Ebbelwoifest wird eines mit etlichen Änderungen und Neuerungen, wir haben es bereits berichtet. Dazu gehört auch ein Pressetermin gestern Vormittag, bei dem bisher Unvorstellbares geschieht: Die Namen der Täuflinge, bislang bis zur letzten Minute streng geheim, werden verkündet, die Personen ausführlich vorgestellt. Es sind wie immer fünf Langener, die sich um die Stadt verdient gemacht haben, aber nicht hier geboren wurden: Ursula „Uschi“ Mardeck, Uwe Daneke, Bernhard Knerr, Ulrich Neff und Thomas Räuber.

Ein bisschen Bammel habe sie schon, weil ihr ja Ebbelwoi über den Kopf geschüttet werde, verrät Uschi Mardeck. Zumindest hat auch sie die Möglichkeit, die Menge durch einen kräftigen Schluck aus dem Bembel zu reduzieren, denn mittlerweile schmeckt ihr das Getränk. Als die 1948 in Waldau geborene Oberschlesierin 1971 nach Langen kam, war ihr erster Gedanke beim erstmaligen Kennenlernen des Apfelweins: „Wie kann man so was trinken?“ Doch Mardeck hat sich bestens eingelebt in Südhessen und ist aus der Evangelischen Kirchengemeinde nicht mehr wegzudenken: Sie leitet unter anderem den Mittagstisch für Senioren im Katharina-von-Bora-Haus und ist auch ansonsten vielfach ehrenamtlich tätig: Aktuell kocht sie in großen Mengen Marmelade, die dann zugunsten des Luther-Denkmals, das auf dem Lutherplatz entstehen soll, verkauft wird.

Neben der evangelischen ist auch die katholische Gemeinde bei der Daaf vertreten: Ulrich Neff, seit Anfang 2015 Pfarrer von Sankt Jakobus, erhält die Ehre, ein echter Langener zu werden. Der 54-jährige Seelsorger, der gerne Motorrad fährt und Orgel spielt, hat keine Berührungsängste mit dem säuerlichen Getränk: „Ich stamme aus Viernheim, da bin ich an Ebbelwoi gewöhnt.“ Und wenn schon ein Pfarrer gedaaft wird, dann sollte doch auch das Wetter beim Ebbelwoifest stimmen, hofft Walter Metzger, Vorsitzender des veranstaltenden Verkehrs- und Verschönerungsvereins.

Zehn Dinge, die jeder Hesse kennen sollte

Uwe Daneke war früher hauptsächlich als städtischer Fachbereichsleiter, unter anderem für die Finanzen zuständig, bekannt. Doch der 1954 in Kassel geborene Verwaltungsfachmann ist schon lange ehrenamtlich aktiv und hat das seit seinem Eintritt in den Ruhestand im April 2017 nochmals intensiviert. Daneke ist Pressewart und Beisitzer im Vorstand des Stenografenvereins, Beisitzer bei der Seniorenhilfe sowie PC-Dozent an der Volkshochschule. Zudem hat er vor einigen Jahren die Langener Bürgerstiftung ins Leben gerufen, die bis heute schon 150.000 Euro an Fördergeldern generiert und für Projekte in der Stadtgesellschaft zur Verfügung gestellt hat. Mit Ebbelwoi hat er gar kein Problem: „Er war von Anfang an meine große Liebe, als ich nach Südhessen kam.“ Seine andere Liebe heißt Regine – seine Frau ist Vorsitzende der Stenografen und wurde bereits 2007 gedaaft.

Danekes „Chef“ bei der Seniorenhilfe ist Bernhard Knerr. 1946 in Heidelberg geboren, begann seine ehrenamtliche „Karriere“, als sich der Bankkaufmann 2005 mit 58 Jahren plötzlich im Ruhestand wiederfand. Seither ist er fest in Langens Vereinslandschaft verwurzelt. In der Seniorenhilfe begann der Gartenfreund, in dem er anderen Mitgliedern Gartenarbeiten anbot. Er arbeitete in Projekten wie „Senioren helfen Berufseinsteigern“ und „Vereine aktiv für Integration“ und wurde schließlich 2011 Vorsitzender – „ein ehrenamtlicher Halbtagsjob“, wie er sagt. Aktiv ist er auch in der Hospizgemeinschaft sowie als Presseverantwortlicher, Schrift- und Protokollführer der Interessengemeinschaft Modelleisenbahn.

Last, but not least wird Thomas Räuber gedaaft. Der 61-jährige Architekt ist ebenfalls vielfach ehrenamtlich tätig, unter anderem im Lionsclub Dreieich und als stellvertretender Vorsitzender der SSG Langen. 1974, im Gründungsjahr des Ebbelwoifestes, war Räuber Kerbvadder – damals war die Langener Kerb noch ein großes Fest, bei dem es sogar einen Umzug mit 70 Nummern gab.

Der größte Bembel der Welt

Dass man sein Leben genießen sollte, so lange man kann, weiß Räuber seit September 1986 ganz besonders: Mit seiner Frau Carmen saß er auf der Rückreise von einer Weltreise in einem Flugzeug der Pan Am, das in Karachi entführt wurde. Als nach 17 Stunden die Notfallsysteme des Fliegers (und damit der Strom) ausfielen, begannen die Terroristen, um sich zu schießen und Granaten zu werfen. Räubers konnten in eine Bordküche springen und dann über die Notrutsche fliehen – die Geiselnahme endete mit 27 Toten und über 150 Verletzten. Seitdem wird zweimal im Jahr Geburtstag gefeiert.

Thomas Räubers Daaf ist dabei auch gleichzeitig als Ehrung für seinen vor knapp einem Jahr verstorbenen Vater Ewald (der ebenfalls viele Spuren in der Stadt hinterlassen hat) gedacht, sagt Walter Metzger. Denn der saß eigentlich regelmäßig mit den Verantwortlichen des VVV zusammen, war aber irgendwie immer übersehen worden, wenn es um die Daaf ging. „Ich weiß wirklich nicht, warum“, sagt Metzger.

Die Daaf findet in diesem Jahr am Freitag, 22. Juni, 19 Uhr, am Vierröhrenbrunnen statt. Der VVV hofft durch die Vorab-Veröffentlichung der Namen, dass viele Freunde und Bekannte der Täuflinge als Zuschauer kommen und dieser zuletzt etwas schwächer besuchte Teil des Ebbelwoifestes wieder mehr Zuspruch erfährt.

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