Langener Brunnenwirt krönt Ebbelwoikönig und ehrt Staffel-Teams

Ebbelwoifest: Ein Kanister Stöffche für den guten Willen

Hat den besten Ebbler gekeltert: Dieter Trunz wurde von Brunnenwirt Heinz-Georg Sehring zum Ebbelwoikönig 2021 ernannt. Er reicht schon seit zwei Jahrzehnten Proben ein.
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Hat den besten Ebbler gekeltert: Dieter Trunz wurde von Brunnenwirt Heinz-Georg Sehring zum Ebbelwoikönig 2021 ernannt. Er reicht schon seit zwei Jahrzehnten Proben ein.

Die Daaf kann nicht stattfinden, die Ebbelwoifstaffel muss wegen zu geringer Teilnehmerzahl abgesagt werden, aber immerhin wurden in Langen diesmal wieder ein Ebbelwoikönig und die Ebbelwoiprinzen gekürt.

Langen –Zur Krönung am Sonntagmittag gibt es erst mal Musik des Orchestervereins Langens unter Leitung von Thomas Mischke, bevor Brunnenwirt Heinz-Georg Sehring unter den schattigen Bäumen des Kirchhofs die live gestreamte Zeremonie (die man sich noch auf Youtube ansehen kann) eröffnet. Mit dabei sind auch diejenigen, die unter anderem mit entscheiden, wer Ebbelwoikönig wird. „Das sind die Ebbelwoiritter oder -ritterinnen, müsste man heute auch sagen“, erklärt der Brunnenwirt. Wie gerne hätte der VVV mehr als eine Handvoll Gäste in den Kirchhof dazu eingeladen. „Aber das dürfen wir nicht. Wir sind aber dankbar, dass wir es so machen können“, so Sehring.

Im großen Saal der Stadthalle konnten die 33 Ebbelwoiritter – weniger als sonst – am vergangenen Mittwoch mit Abstand die 22 selbst gekelterten und anonymisierten Stöffche einer Geruchs-, Geschmacks- und Farbprobe unterziehen und die besten wählen. „Das hat mich sehr überrascht, dass wir am Schluss doch so viele Proben zusammenbekommen haben“, lobt Sehring. Auch die Qualität sei sehr hoch gewesen. „Alle Sorten waren genießbar“, betont er unter Applaus der Anwesenden – keine Selbstverständlichkeit.

Spannend war es bei der Probe, denn in der zweiten Runde gibt es zunächst einen Gleichstand. Damit der Bembel nicht durchgeschnitten werden muss, entschließen sich die Ritter, dass die Punktzahl des vorherigen Wahlgangs die Entscheidung bringt. Christopher Seibert, der 2018 Ebbelwoikönig wurde, wird als erster Ebbelwoiprinz ausgezeichnet. Die Ritter bescheinigen ihm, dass ihm ein besonders guter Ebbler gelungen ist, der der Runde „mit besonderem Wohlbehagen über die Zunge floss“. Mit nur einem Punkt mehr knapp davor landet Marcus Ott, auch kein Unbekannter. Bereits zum dritten Mal wird er Ebbelwoiprinz – „und schafft es ja vielleicht auch eines Tages mal, als König hier präsentiert zu werden“, kommentiert Sehring. Auch Ott freut sich über Bembel und Urkunde. Den dritten Prinzentitel holt einer der „Stöffchemacher“: Der Bayerseicher Lothar Stumpf erhält erstmals die Auszeichnung. Sein Ebbelwoi ist der zweitbeste des Jahrgangs und erhält 26 Stimmen – obwohl oder gerade weil „e bissche Quitte“ mit drin ist.

Zu den Ebbelwoiprinzen wurden (von links) Lothar Stumpf, Marcus Ott und Christopher Seibert gekürt. Die Preisverleihung streamte der VVV live.

Die meisten Stimmen – mit 27 also nur eine Stimme mehr – erhält einer, der zwar schon sehr viele Ebbelwoiproben eingereicht hat, aber noch nie ausgezeichnet wurde. Umso mehr freut sich Sehring, Dieter Trunz zum diesjährigen Ebbelwoikönig zu krönen. Trunz ist sichtlich froh und reckt nach der Übernahme der Scherpe die Arme in Siegerpose. Er hat sich noch schnell ein Bembelchen zum um den Hals hängen besorgt, denn seins hat er daheim vergessen.

Ein Novum für den Langener Brunnenwirt

Für den Brunnenwirt ein Novum: „Ich konnte in der Ebbelwoirunde verkünden, der König ist mitten unter uns“, erzählt Sehring. Denn Trunz, der seit 25 Jahren keltert, ist als Gedaafter einer der Ritter gewesen. „Ich mache so zwischen 180 und 230 Liter Ebbelwoi“, erzählt er. Die Äpfel stammen von der Plantage eines Kollegen beim Langener Schützenverein, bei dem Trunz neben den Modellbauern noch aktiv ist. „Dieses Jahr ist es gelungen, ein gutes Stöffchen zu machen. Ein bisschen Glück gehört auch dazu“, sagt Trunz. Das Wichtigste sei aber, dass der abgefüllte Ebbelwoi um die Adventszeit eine Nacht lang mit Vollmond beschienen wird. „Sonst kriegt er nicht den Geschmack“, verrät der frisch gekrönte Ebbelwoikönig unter Gelächter im Kirchhof.

Urkunden gibt es auch für diejenigen, die sich für die Ebbelwoistaffel angemeldet haben, aber dann ja nicht mitmachen konnten. Der Spaß-Wettbewerb sollte auf der Rollschuhbahn am Freibad vor sich gehen. „Aber irgendwie haben das nicht alle so richtig mitbekommen oder hatten vielleicht nicht so viel Lust ohne Publikum. Oder vielleicht hat der Termin nicht ganz gepasst“, mutmaßt Sehring. Die regelmäßigen Teilnehmer – die Sahneschnittchen, die Kartoffelsäcke oder Hacketours – werden aber trotzdem geehrt. „Da ich wusste, dass die hier unterwegs sind – die junge Leud habe den Haferkasten fast leer getrunken – hab ich gesagt, kommt doch mal rüber. Denn ihr seid auch Träger des Ebbelwoifests“, lobt der Brunnenwirt die Vertreter der regelmäßig teilnehmenden Staffel-Gruppen. Als Dank gibt es ein paar Kanister Ebbelwoi als „kleinen Trostpreis“, verbunden mit dem Versprechen, nächstes Jahr wieder mitzumachen.

Musik darf nicht fehlen: Der Orchesterverein Langen umrahmte das Programm musikalisch.

Damit die erstmals extra angefertigten hübschen Sieger-Bembel nicht „beim nächsten Polterabend geworfen werden müssen“, werden sie trotzdem verteilt. Und zwar an diejenigen, die sich innerhalb der Frist für die Staffel angemeldet haben – für ihre Bereitschaft, mitzumachen: „Allein schon der Wille zählt“, sagt Sehring. Den „dritten Platz“ erhalten die Messdiener von St. Jakobus und St. Josef. Zweitplatzierte wird die Langener Karneval Gesellschaft (LKG). Das neue Team „Wildkirche“, das erstmals mitmachen wollte, belegt in Abwesenheit den ersten Platz.

Zum Schluss richtet Noch-VVV-Vorsitzender Walter Metzger ein paar Worte an die Anwesenden und die Zuschauer zu Hause. „Ich glaube, wir können behaupten, auch unser diesjähriges Programm in der Pandemie war ein Erfolg.“ Metzger dankt den Aktiven, die die Dehaam-Ausgabe federführend auf die Beine gestellt haben. „Was ihr in den letzten 14 Tagen geleistet habt, ging an die Grenze der Ehrenamtlichkeit.“ An der Kiesgrube wurden etwa bei sengender Hitze über 100 Meter Leitungen verlegt. Aber natürlich formuliert auch Metzger die Hoffnung, dass das Ebbelwoifest nächstes Jahr wieder in der alten Form gefeiert werden kann. Eine gute Auswirkung habe die Pandemie dennoch: Es wurde wieder vermehrt im kleinen Kreis in den Höfen gefeiert, „das war auch der Ursprung des Ebbelwoifestes, der jedoch etwas verloren ging“, sagt Metzger. Sein Wunsch sei, dass man sich darauf wieder bei den nächsten Ausgaben etwas zurückbesinnt.

Von Julia Radgen

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