Stadtverordnete wollen Platzsharing prüfen

Ein Kitaplatz für zwei Kinder

+
Symbolbild

Langen - Platzsharing könnte nach Ansicht der Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung ein Lösungsansatz sein, um die langen Wartelisten in der Kinderbetreuung zu reduzieren. Die Kritiker dagegen befürchten neue Probleme. Jetzt wird geprüft. Von Markus Schaible 

Platzsharing, das bedeutet, dass sich zwei Kinder einen Platz in der Kita teilen, also abwechselnd nach einem vorher festgelegten Plan an der Betreuung teilnehmen. Die SPD hatte den Vorschlag in die städtischen Gremien eingebracht; gemeinsam mit weiteren Vorschlägen der CDU lag der Stadtverordnetenversammlung jüngst ein gemeinsamer Antrag der beiden Fraktionen zur Beratung vor. Der Magistrat soll prüfen, ob und in welcher Form ein Platzsharing im U3- und Ü3-Bereich möglich ist. Dabei sei eine softwaregestützte Form (beispielsweise die Verwendung des 2015 in Egelsbach eingeführten „KitaTools“) zu berücksichtigen. Zeitnah soll es zudem eine Befragung aller Eltern, die ihre Kinder bereits in Kita oder Krippe haben, sowie der Eltern, die auf der Voranmeldeliste stehen, geben. Die Ergebnisse sowie eine Aufstellung eventuell zu erwartender Kosten und möglicherweise entstehender negativer Veränderungen in den Gebühreneinnahmen sollen dem Ausschuss für Soziales, Kultur und Sport vor Beginn der Haushaltsplanungen im November vorgelegt werden.

Was in anderen Kommunen bereits praktiziert wird, stößt in Langen aber nicht nur auf Zustimmung. So lehnen die Grünen das Platzsharing rundweg ab. Es bringe nur neue Probleme, betonte Martina Dröll: „Welches der Kinder darf beispielsweise in der Kita zu Mittag essen – das, das vormittags da ist, oder das am Nachmittag? Oder was passiert, wenn die Eltern im Stau stehen, das Kind aber abgeholt werden muss, um den Platz freizumachen?“ Auch könnten ja nicht beide Kinder an Ausflügen oder Waldtagen teilnehmen. Marianne Wurm (fraktionslose Linke) hält Platzsharing für „pädagogisch nicht sinnvoll“. Den Kindern werde die Möglichkeit verbaut, täglich mit ihren Freunden zu spielen. Michael Kraus (UWFB) schließlich verwies darauf, dass nach Auskunft der Stadtverwaltung überhaupt kein Bedarf vorhanden sei: „Warum sollen wir das dann noch mal prüfen lassen?“

Es sei überhaupt nicht daran gedacht, die Plätze in Vor- und Nachmittag zu teilen, betonte Monika Hoppe (SPD), damit sei ein Teil der Argumente der Grünen bereits hinfällig. Es gehe um eine tageweise Aufteilung, wie sie beispielsweise in Fulda, aber auch in Egelsbach bereits praktiziert werde: „Und da läuft es.“ Zudem solle die Möglichkeit nun ja erst einmal geprüft und noch nicht verbindlich eingeführt werden.

So können Eltern das kindliche Selbstbewusstsein stärken

Christian Gött (CDU) ergänzte: „Es soll ein Angebot sein für diejenigen, die Interesse haben. Wir wollen niemand dazu zwingen.“ Auch bei FDP und Teilen der FWG-NEV stieß der Vorschlag auf Zustimmung. „Der Waldkindergarten ist nur an drei Tagen in der Woche und dann auch nur vormittags geöffnet und es funktioniert“, berichtete Christian Jaensch (FDP). Das zeige, dass es durchaus Eltern gebe, die keine tägliche Betreuung benötigen. „Eine Teilung vormittags/nachmittags funktioniert garantiert nicht. Aber tageweise ist machbar“, sagte Claudia Trippel (NEV).

Letztlich stimmten CDU, SPD und FDP komplett sowie drei NEV-Parlamentarier zu und sicherten dem Prüfungsauftrag somit die Mehrheit. Einstimmig angenommen wurde in der Sitzung auch ein Antrag von Joost Reinke (Linke, fraktionslos) mit Blick auf die Errichtung weiterer Betreuungseinrichtungen. Der Magistrat solle Sorge tragen, dass die in den Langener Neubaugebieten geplanten Kitabauvorhaben zeitgerecht fertiggestellt werden. Die Errichtung von Kitas dürfe auf keinen Fall der Wohnbebauung nachgeordnet werden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare