Umbau beginnt im Frühjahr an der ehemaligen Post

Mehr Bushaltestellen in Langen werden barrierefrei

Die Stadt treibt den barrierefreien Ausbau der Bushaltestellen voran: beginnend mit der Station Post auf der Südseite der Bahnstraße (linkes Bild). Das zweite Ausbaubündel, das beschlossen werden soll, soll für leichteren Einstieg an Rhein-, Darmstädter und Wallstraße (Bild) sorgen.
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Die Stadt treibt den barrierefreien Ausbau der Bushaltestellen voran: Das zweite Ausbaubündel, das beschlossen werden soll, soll für leichteren Einstieg an Rhein-, Darmstädter und Wallstraße (Bild) sorgen.

Langen – Sie sind nicht nur für Menschen mit Gehbehinderung wichtig, auch für Senioren mit Rollator, Eltern mit Kinderwagen, Sehbehinderte und Gehörlose ist ein barrierefreier und sicherer Zugang zu Bussen unerlässlich. Überdies ist die entsprechende Umrüstung der Haltestellen gesetzlich vorgeschrieben. Das erneuerte Personenbeförderungsgesetz fordert „eine vollständige Barrierefreiheit“.

Bei Bushaltestellen, die in den vergangenen Jahren neu eingerichtet oder umgestaltet werden mussten, hat die Stadt diese Vorgabe bereits berücksichtigt. Es liegt aber noch ein ordentliches Stück Arbeit an: Von insgesamt 105 Haltestellen in Langen müssen noch 65 umgebaut werden.

Mit der Umgestaltung der Bushaltstelle „Post Süd“ in der Bahnstraße beginnt im Mai der barrierefreie Ausbau älterer Haltestellen in der Innenstadt. Im ersten Schritt sollen in diesem Jahr vier Haltestellen umgebaut werden. Zudem hat der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung gerade die Pläne für ein zweites Ausbaubündel vorgelegt, das dann ab Frühjahr 2022 realisiert werden soll.

Das erste, im vergangenen Juni von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Ausbaubündel umfasst in der Bahnstraße neben „Post Süd“ noch die beiden Haltestellen an der Ludwig-Erk-Schule sowie die südliche an der Luisenstraße. Das Land hat der Stadt dazu vergangenen November eine Förderung von 80 Prozent der geschätzten Baukosten von 350 000 Euro zugesagt. Nachdem die Ausführungsplanung steht, bereitet die Stadt aktuell die Ausschreibung der Baumaßnahmen vor.

Bei den bereits 2020 beschlossenen Haltestellen geht es mit der Station Post auf der Südseite der Langener Bahnstraße los.

Um im nächsten Jahr den Ausbau fortführen zu können, hat der Magistrat nun in Absprache mit der Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) sechs Bushaltestellen für das nächste Ausbaubündel ausgewählt. Es umfasst jeweils beidseitig die Haltestellen in der Rhein-, der Darmstädter und der Wallstraße, die von Regionallinien angefahren werden. Für dieses Jahr sind dafür bereits 57 000 Euro an Planungsmitteln im Haushalt eingestellt. Die geschätzten Baukosten liegen bei 240 000 Euro. Auch dazu erwartet die Stadt einen Landeszuschuss von 70 bis 80 Prozent.

Das nächste Ausbaubündel war auch Thema in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Bau und Verkehr. Zwischen Beschluss und Baubeginn liege viel Zeit, es werde erst vergleichsweise spät gebaut, bedauert Rainer Bicknase (SPD). Auch wenn klar sei, dass der Hintergrund die Fördermittel seien. Doch die große Zeitspanne zwischen Projektplanung und Baubeginn verleitet Jörg Nörtemann (CDU) zu einer anderen Frage: „Sollte man nicht die Entscheidungen der KVG abwarten, wo welche Buslinien in Zukunft langfahren? Wir sollten keine Haltestellen umbauen, die dann später nicht mehr genutzt werden“, gibt Nörtemann zu bedenken. Seiner Fraktion wäre es lieber, vor dem neuen Beschluss Informationen über die angedachten Linienführungen bei den Verkehrsgesellschaften einzuholen. „Wir tun uns schwer und hätten gerne eine zweite Lesung“, sagt Nörtemann. Auch Rainer Schöner (Grüne) mahnt, der barrierefreie Ausbau der Haltestellen sollte an die Verkehrspläne angepasst werden. „Wenn die Stadtwerke den Stadtbusverkehr einstellen würden, wäre das der worst case.“

Stadtverwaltung spricht sich mit Kreisverkehrsgesellschaft ab

Die Magistratsvorlage basiere auf einer Priorisierung der Kreisverkehrsgesellschaft, erklärt Heike Gollnow, städtische Fachbereitsleiterin. „Die KVG sagt: Diese Haltestellen werden wir auch zukünftig nutzen“, betont sie. In diesem Jahr werde der Nahverkehrsplan neu geschrieben. „Wir arbeiten streng nach dieser Prioritätenliste und das ist, was wir momentan leisten können“, sagt Erster Stadtrat Stefan Löbig. Heinz-Georg Sehring (FWG-NEV) meint: „Wir sind oft kritisch, was Ausgaben angeht, aber das sind die absolut dringendsten Haltestellen – eine nötige Investition.“ Auch Bicknase teilt die Skepsis der CDU nicht: „An diesen Haltestellen wird immer ein Bus vorbeifahren.“

Ob es nicht sinnvoller sei, wenn die Stadt befristet jemanden für die Planung des barrierefreien Umbaus einstellt, als jedes Mal die hohen Planungskosten zu zahlen, will Uli Vogel (FWG-NEV) wissen. „Das kann man nicht so hochrechnen“, erklärt Petra Wagner, Fachdienstleiterin für Stadtplanung. Die Verträge seien schon vor längerer Zeit geschlossen worden. „Und manche Haltestellen bauen wir ja auch im Rahmen von anderen Bauprojekten um.“ Gollnow resümiert: „Alles in allem haben wir da ein leistbares Päckchen geschaffen.“ Nicht nur finanziell, sondern auch logistisch. „Sie wissen ja selbst, wie das Bauaufkommen gerade in der Stadt ist“, gibt sie zu bedenken. Am Ende sprechen sich alle Ausschussmitglieder einstimmig für die Vorlage aus. Der Fachdienst werde aber bezüglich der künftigen Haltestellennutzung noch mal bei der KVG nachhaken, verspricht Wagner. Die endgültige Entscheidung fällt in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 18. Februar.

Von Julia Radgen

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