Langener Eventagentur

Seit März keinen Cent eingenommen: Schwarzes Jahr für die Veranstaltungsbranche

Faszination Eis: So lautet das coronataugliche Konzept des Langener Eventunternehmens Gauditours für winterliche (Firmen)Feiern, das letztlich aber doch nicht umgesetzt werden konnte.
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Faszination Eis: So lautet das coronataugliche Konzept des Langener Eventunternehmens Gauditours für winterliche (Firmen)Feiern, das letztlich aber doch nicht umgesetzt werden konnte.

Das Langener Eventunternehmen Gauditours musste alle Veranstaltungen absagen und hat seit März keinen Cent mehr eingenommen.

Langen – Es sollte das beste Jahr für Gauditours werden: Das Langener Eventunternehmen, das sich hauptsächlich auf teambildende Veranstaltungen spezialisiert hat, ist seit 1989 am Markt. Für 2020 gab es bereits zahlreiche Buchungen für Firmenevents mit 400, 800 und eine sogar mit 3500 Teilnehmern. Wegen der Corona-Pandemie wurden sie alle abgesagt.

Geschäftsführer Karsten Helbig bezeichnet sich selbst als einen sehr umtriebigen Menschen. Er ist dabei, parallel zwei Software-Unternehmen als zweites Standbein aufzubauen. Denn er ist sich sicher, dass in der Event-Branche zukünftig große Unsicherheit herrschen wird. Besonders für Unternehmen, die Live-Veranstaltungen für und mit Menschen organisieren – wie die Langener.

Seit März hat Gauditours keinen Cent mehr eingenommen. Auch im Sommer, als die Infektionszahlen Lockerungen der Maßnahmen gegen das Virus zuließen, haben interessierte Firmen letztendlich doch wieder abgesagt. Der Grund sei die Angst vor Ansteckungen trotz Hygienemaßnahmen, sagt Helbig: „Die Firmen hatten Angst vor Schließungen, wenn sie ihre Mitarbeiter zu Veranstaltungen wie unseren schicken. Die berechtigte Angst davor, dass sich Mitarbeiter reihenweise anstecken, war und ist allgegenwärtig. Der Fall Tönnies ist ein sehr abschreckendes Szenario, das sich kein Geschäftsführer wünscht.“

Auch für die Zeit der Weihnachtsfeiern hatte sich das Gauditours-Team etwas ausgedacht – es wäre mit kleinen Weihnachtsmärkten bei den Firmen vor Ort aufgeschlagen. „Das sind keine Weihnachtsmärkte, wie man sie sofort im Kopf hat. Es geht auch hier um Teambuilding“, erklärt Helbig. Rund um ein Lagerfeuer oder eine Feuerschale werden Zelte aufgestellt, in denen die Firmenmitarbeiter etwa eine Eisskulptur herstellen. „Faszination Eis“ nennt Gauditours das Angebot. Es wurde mit viel Aufwand ein Corona-Konzept entwickelt und darauf geachtet, Abstand halten zu können – ohne Ertrag für Gauditours. Firmen lehnten Anfragen ab und dann kam der Lockdown light.

Teambuilding draußen rund um die Feuerschale: Der neuerliche Lockdown machte den Plänen den Garaus.

Auch für 2021 sieht es erst mal noch schlecht aus für die Langener Firma und andere Event-Unternehmen. „Veranstaltungen, die auf 2021 umgebucht wurden, sind teilweise schon wieder abgesagt worden“, sagt Helbig. Er sieht die gesamte Branche als „extrem gefährdet“ an, obwohl gerade jetzt deutlich werde, wie wichtig soziales Miteinander sei. „Alles was den Menschen ausmacht, geht allein vor einem PC einfach nicht: sei es in Familie oder Gesellschaft. Alleine sitzen wir wie Zombies aus dem Film Surrogates mit Bruce Willis zu Hause.“ Das führe in die falsche Richtung, würde die Menschen entzweien und Emotionen und ehrliche Gespräche verhindern. Helbig ist sich sicher, dass die Bedeutung von Teambuildung-Events in Zukunft stark ansteigen wird und seine Branche dann sehr gefragt sei. „Der Mensch ist einfach ein soziales Wesen“, so Helbig.

Um Menschen die Angst vor größeren Events zu nehmen, sei es wichtig, die positiven Aspekte hervorzuheben. Diesen Appell richtet der Geschäftsführer vor allem an die Politik, aber auch an die Medien: „Ich bin positiv gestimmt. Es wird uns allen wieder besser gehen. Die Frage ist nur, wann das so sein wird. Bis dahin spreche ich lieber von 99 Prozent genesenen Patienten, auch wenn es für mich und mein Unternehmen wirklich keine rosigen Zeiten sind“, so Helbig. (Von Theresa Ricke)

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