Konzept für Anna-Sofien-Höfe

Ein Zentrum für Langener Quartier

Das Punkthaus in den Anna-Sofien-Höfen ist auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten. Im Erdgeschoss sind die Mobilitätszentrale des Begegnungszentrums Haltestelle und des Fördervereins, ein Veranstaltungsraum und Pflegestützpunkt vorgesehen.
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Das Punkthaus in den Anna-Sofien-Höfen ist auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten. Im Erdgeschoss sind die Mobilitätszentrale des Begegnungszentrums Haltestelle und des Fördervereins, ein Veranstaltungsraum und Pflegestützpunkt vorgesehen.

Sie sollen „ein Paradebeispiel für ein generationenübergreifendes Zusammenleben sein“ – das wünscht sich der Vorstandsvorsitzende der Baugenossenschaft Langen, Wolf-Bodo Friers, für die neu entstehenden Anna-Sofien-Höfe.

Langen - Das Herzstück des Neubauprojekts der Baugenossen im Nordend – auf dem Grundstück an Anna- und Sofienstraße sollen bis April 2022 154 Mietwohnungen entstehen – ist das Punkthaus, das ein Quartierszentrum mit Sozialangeboten beherbergen soll.

Die Stadt und die Baugenossenschaft haben nun ein Konzept dazu ausgearbeitet. Die Vorlage zum Kooperationsprojekt „Mobilität, Kommunikation und Pflege im Quartier“ wurde vom Ausschuss für Soziales, Kultur und Sport sowie dem Haupt-und Finanzausschuss bereits einstimmig befürwortet.

Ziel ist es, im Quartier unterschiedliche Angebote zu bündeln, damit die Bewohner „im vertrauten Umfeld gemeinsam alt werden und mobil bleiben können“. Vor allem junge Menschen, Familien und Senioren, die es oft schwer haben, eine bezahlbare Wohnung zu finden, sollen in den Anna-Sofien-Höfen ein Zuhause finden. Doch es geht um mehr als Wohnen: Es soll Begegnungsorte wie Grünflächen, Spielgeräte und ein Café geben. „Wir bauen bei den Anna-Sofien-Höfen wortwörtlich auf Kooperationen mit Organisationen und Einrichtungen, die die soziale Gemeinschaft im Quartier und in dem umliegenden Stadtviertel positiv beeinflussen sollen“, erläutert Friers. So hat die Baugenossenschaft mit Zijad Dolicanin einen eigenen Referenten für das Genossenschaftliche Leben, der das generationsübergreifende Miteinander fördern soll und sich as Ansprechpartner für Bewohner und Kooperationspartner um die soziale Arbeit im Quartier kümmert.

Bis ins hohe Alter mobil bleiben: Das wollen die Haltestelle und ihr Förderverein voranbringen – unter anderem mit dem Verleih von E-Mobilen.

Maßgeblich beteiligt ist die Stadt mit ihrem Begegnungszentrum Haltestelle, ihrer Sozialstation sowie dem Förderverein „Freundeskreis der Haltestelle“. Zielgruppe des Engagements sind die älteren Bewohner. Deshalb will die Stadt Räume im Punkthaus anmieten, das die Baugenossenschaft entsprechend ausstattet. „Die Wohnungen werden barrierefrei, wir schaffen Gästeapartments und Gemeinschaftsbereiche“, berichtet Friers.

Im Erdgeschoss des Punkthauses sind die Mobilitätszentrale der Haltestelle und ihres Fördervereins, ein Veranstaltungsraum und ein Pflegestützpunkt vorgesehen. Speziell der Bereich Mobilität ist dem Leiter der Haltestelle, Martin Salomon, wichtig. „Gerade bei den E-Mobilen stellen wir eine starke Skepsis bei Senioren fest – aber nur, bis sie das erste Mal eines ausprobiert haben. Dann sind sie begeistert.“ Aus diesem Grund soll künftig jeder Interessent niedrigschwellig und ohne Kaufzwang unterschiedlichste Modelle an E-Mobilen, aber auch multifunktionalen Rollatoren und Rollstühlen ausprobieren, ausleihen oder bei Gruppenausfahrten erleben können. Auch Schulungen sowie Fahr- und Verkehrssicherheitstraining sind geplant. „Für alle Generationen“, betont Salomon. Er ist sich sicher, dass den E-Mobilen die Zukunft gehört. „Bald wird man sich auf Routenplanern im Internet nicht mehr nur Streckenverläufe für Autos, den ÖPNV oder Fußgänger aufzeigen lassen, sondern auch für E-Mobile“, so der Leiter der Haltestelle.

Mit Konzept für Innovationspreis beworben

Die Baugenossenschaft stellt der Stadt die 206 Quadratmeter großen Räumlichkeiten die ersten drei Monate kostenfrei und danach zu einem günstigen Preis zur Verfügung. Mit dem Rahmenkonzept haben sich die beiden Partner für den mit 75 000 Euro dotierten Hessischen Preis für Innovation und Gemeinsinn im Wohnungsbau, „Miteinander der Generationen im Quartier“, beworben. „Dort haben wir es bereits in die zweite Phase der Konkretisierung geschafft“, sagt Constantin Strelow Castillo, städtischer Fachbereichsleiter Soziales und Bildung.

Aber auch die Senioren, die diese Gefährte nicht nutzen können oder wollen, werden nicht vergessen. Denn: „Immobilität führt zum Rückzug in die Einsamkeit“, weiß Salomon. „So haben wir vor der Corona-Pandemie Fahrdienste zu unseren Gruppenangeboten angeboten. Mit der Folge, dass bei uns die Teilnehmerzahlen – im Gegensatz zu anderen Kommunen – steigen. Wir werden das sofort wieder aufnehmen, sobald es die Lage zulässt.“

Solche Gruppenangebote sind künftig auch im Cafébereich im Erdgeschoss des Punkthauses vorgesehen, der allen Mietern offensteht. Er kann für Feste und Feiern genutzt werden, regelmäßige Bildungs-, Freizeit- und Sportangebote sind ebenso geplant wie Kooperationen mit Vhs, Musikschule, Seniorenhilfe, Awo und anderen Initiativen.

Für Bewohner der Anna-Sofien-Höfe mit Unterstützungsbedarf will die Haltestelle ein „Betreutes Wohnen zu Hause“ anbieten. „Durch ein Netzwerk von Mietern, Ehrenamtlichen und Profis soll ein niedrigschwelliges Angebot geschaffen werden, das auch Zeit für Kommunikation, Soziales und gemeinsame Aktivitäten ermöglicht“, erläutert Salomon. Konkret beinhaltet „Betreutes Wohnen zu Hause“ unter anderem Hilfe im Haushalt, beim Einkaufen oder der Wohnungsreinigung, ambulante Pflege, gemeinsames Essen zu Hause, Spaziergänge und Ausfahrten, Zeit für Gespräche und psychischem Beistand sowie unterschiedliche Gruppenangebote.

„Die Bündelung der unterschiedlichen Angebote in einem Quartierszentrum vermittelt den Bewohnern der Anna-Sofien-Höfe die Sicherheit, im Alter im vertrauten Umfeld nicht nur wohnen, sondern auch mobil bleiben zu können“, fasst Erster Stadtrat Stefan Löbig die Vorteile des Konzepts zusammen. „Es ist nicht alltäglich, dass eine Baugenossenschaft so eng mit einer Stadt zusammenarbeitet“, betont Bürgermeister Jan Werner. In enger Kooperation mit dem Freundeskreis des Begegnungszentrums Haltestelle ermögliche das ein neues Modell, das hilft, dass ältere Menschen – mit und ohne Behinderung – selbstständig und mobil bleiben können. Über die Anmietung der Räume durch die Stadt sowie das Gesamtkonzept entscheidet die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 18. Februar. (jrd)

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