Einbruchserie in Kleingärten

Diebe brauchen einfach alles

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250 Euro Belohnung für „griffige“ Hinweise auf den oder die Unbekannten, die seit Wochen in Langener Schrebergärten schamlose Selbstbedienung praktizieren. Rainer W. setzt auf Eigeninitiative und Beobachtungen von Spaziergängern, um die Diebesserie zu stoppen.  

Langen - Was haben Buddha-Figuren, ein Schubkarren-Reifen, ein Karton Spirituosen und ein Zaunpfosten gemeinsam? Da kommen Sie nie drauf, aber die Sache ist bitterernst: All diese Gegenstände haben in den vergangenen Wochen in Kleingärten zwischen Loh und Ex-B 3 die Besitzer gewechselt. Von Holger Borchard

Illegal versteht sich – denn dort treiben Diebe ihr Unwesen, die offenbar alles gebrauchen können.

Der exotischste Beutezug dieser Serie – soweit bislang bekannt – wurde verspätet gemeldet, beschäftigt die Polizei daher erst seit Kurzem: Zwischen 1. und 23. Dezember verschwanden aus einer Laube im Kleingarten-Gebiet „An den schmalen Wiesen“ zwei Buddha-Figuren im Wert von mehreren hundert Euro. Die Statuen aus vergoldeter Bronze sind ungefähr 25 Zentimeter groß und wiegen knapp drei Kilo – den oder die unbekannten Täter lockte wohl weniger der religiöse als vielmehr der Altmetall-Wert.

Abgespielt hat sich dieser Einbruch in einem Garten im Grünzug zwischen Langen und Egelsbach Richtung Loh, der über Feldwege von der Darmstädter Straße aus erreichbar ist. In diesem Bereich scheinen die Diebe bis einschließlich der Weihnachtsfeiertage ihr Unwesen getrieben zu haben. Auf den Bericht unserer Zeitung hin meldete sich nun eine weitere Geschädigte: „Mein Mann und ich haben in der Gegend ebenfalls einen Garten“, erzählt die Frau und listet auf: „Inzwischen wurden uns ein Fenster aus der Gartenhütte, eine zur Reparatur ausgebaute Metalltür, der Reifen der Schubkarre, ein Rechen und, wie wir erst dieser Tage fassungslos festgestellt haben, ein Zaunpfosten gestohlen.“

Geschädigter ergreift selbst Initiative

In der Tat eine absurde Litanei – lachen mögen die Eigentümer darüber mittlerweile freilich nicht mehr. Sie haben Anzeige erstattet.

Das hat beispielsweise auch der Besitzer eines weiteren Gartens getan, der eines Morgens vor nicht allzu langer Zeit einen Karton mit Miniatur-Spirituosen vermisste. Insofern ist die Polizei über die „Selbstbediener“ in den Kleingärten im Bilde. Deren Pressprecherin Andrea Ackermann bittet weitere Einbruchsgeschädigte, dies der Langener Polizeidienststelle, Tel.: 90300, oder der Regionalen Ermittlungsgruppe Dreieich, Tel: 06103 50660, anzuzeigen – „und sei der materielle Wert noch so gering“. Ackermann bestätigt: „Wir gehen von einem oder mehreren Seriendieben aus, die Kollegen vor Ort reagieren darauf mit verstärkten Streifenfahrten.“

Weil das allein aber in den seltensten Fällen Erfolg zeigt, hat ein weiterer Geschädigter selbst Initiative ergriffen: Seit Kurzem hängen entlang des kompletten Leukertswegs Zettel mit einer Telefonnummer, die 250 Euro für Hinweise ausloben, die „zur namentlichen Erkennung der Personen führen, welche in die Kleingärten im Leukertsweg einbrechen“.

Angebracht hat sie Rainer W., dessen Geschichte neben Diebstahl die Komponente Vandalismus ins Spiel bringt. „Mir wurden nicht nur neues Werkzeug, Lkw-Batterien zur Stromerzeugung und Gartenartikel wie Beetfolien gestohlen, sondern vor allem die Hütte kräftig verwüstet.“ Deren Tür war mit einem Sicherheitsschloss versehen, so dass die Täter selbige an den Scharnieren aufstemmten. „Das muss ein ordentlicher Schaff gewesen sein“, so W., „die waren sicher ’ne Stunde lang beschäftigt“. Wohl vor lauter Zorn hätten die Einbrecher anschließend eine Riesensauerei im Inneren angerichtet, indem sie Lebensmittel verstreuten, Saftkartons aufschlitzten und ihrem Zerstörungswerk mit dem Inhalt dreier Feuerlöscher die Schaumkrone aufsetzten.

Transparent im Garten

„Zwei Wochen hab’ ich gebraucht, um die Hütte wieder sauber zu kriegen und schon dreimal war ich bei der Polizei“, erzählt W. „Aber was nützt es mir, wenn ich nach einem halben Jahr Nachricht bekomme, dass das Verfahren eingestellt ist?“, fragt er. „Da setze ich lieber auf Beobachtungen von Spaziergängern und lasse mir den entscheidenden Tipp auch gerne mal was kosten.“

Für diese Art Fahndung hat auch die Gartenbesitzerin, die Tür, Fenster, Schubkarrenreifen etc. vermisst, jede Menge Sympathie: „Wo kommen wir denn hin, wenn hier Typen in unglaublicher Unverschämtheit immer wieder auf ,Schnäppchenjagd‘ gehen, um mitgehen zu lassen, was man gerade braucht oder zu Geld machen kann?“

Die Langenerin will nun ebenfalls ein Transparent an ihrem Garten aufhängen, das vor Dieben warnt. Dies nicht zuletzt, weil zu Ärger, Sachbeschädigung und Verlust aus ihrer Sicht noch ein weiterer Faktor hinzukommt: „Ich gehe momentan mit einem mulmigen Gefühl in den Garten, weil ich solchen Typen wahrhaftig nicht gegenüberstehen will.“

Letztlich müssen die Diebe doch mal irgendwo auf frischer Tat ertappt werden, hoffen die Geschädigten – nach neuesten Informationen könnten sie nun im Bereich des Friedhofs aktiv sein. „Man kann doch nicht ungesehen mit einer Tür unterm Arm durch die Gegend laufen. Etwas mehr Aufmerksamkeit unter Mitmenschen könnte schon allerhand bewirken“, sagt Rainer W. Seine persönliche „Fahndung“ hat im Übrigen bislang „noch nichts Griffiges“ ergeben.

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