Eine Lobby für die Schutzbedürftigen

Langen - Ippen-Stiftung spendet 5 000 Euro an Kinderschutzbund

Langen Wenn sich Kinder selbst Gewalt antun, sich die Unterarme aufritzen, zu Drogen greifen oder heimlich hungern, handelt es sich meist um stumme Hilferufe. Wenn sie den Weg zum Kinderschutzbund finden, ist dann häufig der erste Schritt getan, um langsam zur Normalität zurückzufinden. „Viele kommen auf Anregung von Lehrern oder Freunden – oft kommen sie zu zweit“, erzählt Diplom-Sozialpädagoge Stephan Zeuch.

Vor 25 Jahren wurde der Ortsverband des Deutschen Kinderschutzbunds Westkreis Offenbach gegründet; heute bieten seine Mitarbeiter in den Beratungsstellen in Langen (Hauptsitz), Neu-Isenburg und Dietzenbach Kindern und Jugendlichen, Familien und Alleinerziehenden kostenlos Hilfe und Beratung  – egal, ob es sich um kleinere oder schwerwiegende Probleme handelt.

Alle Ansprechpartner in der Wiesenstraße 5 sind qualifizierte Sozialpädagogen. Die Probleme, mit denen die Betroffenen auf sie zukommen, reichen von schulischem Leistungsabfall über Erziehungsprobleme und Trennungskonflikte bis hin zu Misshandlung und Selbstmordgefährdung. „Es ist auch schon mal passiert, dass Jugendliche mit ihrem Koffer vor der Tür standen und sagten: Ich geh’ nicht mehr nach Hause.“ Doch solche extremen Fälle seien eher selten, sagt Vorsitzende Ursula Abeln.

Mit allen Fragen und Schwierigkeiten bei der Erziehung können sich Eltern an die Beratungsstelle wenden. Die Therapeuten betonen, dass man nicht warten solle, bis die Probleme überhand nehmen. „Manchmal reicht auch ein einziges Gespräch, etwa wenn die Eltern unsicher sind, ob sie den richtigen Weg eingeschlagen haben. Es ist gut für die Eltern, von professioneller Seite einfach nur eine Bestätigung zu bekommen“, sagt Diplom-Sozialpädagogin Monika Behrens, die seit Januar in der Langener Beratungsstelle tätig ist. Über ihre Arbeit möchten die Sozialpädagogen nur ganz allgemein sprechen – Vertraulichkeit steht in der Wiesenstraße an oberster Stelle. „Unsere Beratungsräume sind nach außen hin völlig dicht“, sagt Ursula Abeln.

Neben der Beratung und verschiedenen Kursen für Eltern und Jugendliche bietet der Kinderschutzbund auch betreuten Umgang an – für Familien, die so zerstritten sind, dass ein Treffen eines Elternteils mit dem Kind nicht mehr möglich ist. Das Kind trifft seine Mutter oder seinen Vater dann ausschließlich in Anwesenheit eines geschulten Mitarbeiters. Zwei hauptamtliche, vom Kreis Offenbach finanzierte Mitarbeiterinnen sind in Langen dafür zuständig. Unterstützt werden sie derzeit von ungefähr zehn ehrenamtlichen Umgangsbetreuern, die eine intensive Schulung durchlaufen haben.

Meist werden die Eltern vom Jugendamt oder Familiengericht in die Beratungsstelle geschickt. „Viele Eltern fühlen sich ungerecht behandelt und nehmen uns als parteiisch wahr. Aber wir versuchen, die Konflikte immer aus Sicht der Kinder zu betrachten“, sagt Diplom-Sozialpädagogin Christiane Wade. „Deshalb bieten wir hier auch keine Eheberatung an“, fügt Ursula Abeln hinzu. „Es sind die Kinder, die eine Lobby brauchen“, betont auch die stellvertretende Vorsitzende Verone Schöninger. „Wir suchen daher stets Leute, vor allem auch jüngere, die sich aktiv engagieren wollen.“

Schon lange stößt der Verein an seine Grenzen. 480 Familien, Kinder und Jugendliche, Paare und Einzelpersonen wandten sich 2007 Hilfe suchend an den Kinderschutzbund. „Wir könnten ohne weiteres noch zwei weitere Kräfte einstellen und wären trotzdem noch völlig ausgelastet“, sagt Ursula Abeln. Drei der vier Familientherapeutenstellen tragen Kreis und Kommunen, für die vierte kommt der Verein selbst auf. Auf etwa 80 000 Euro belaufen sich die jährlichen Ausgaben. Bei nur 210 Mitgliedern (der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt mindestens 30 Euro) sind die Ehrenamtlichen auf Spenden angewiesen.

Ursula Abeln freut sich daher besonders über eine Spende in Höhe von 5 000 Euro von der Ippen-Stiftung. Auf Vorschlag unserer Lokalredaktion hat sich das Kuratorium Ende des vergangenen Jahres entschieden, den Kinderschutzbund zu unterstützen – für 2009 ist eine weitere Spende in gleicher Höhe ins Auge gefasst.

Seit 2000 engagiert sich die Stiftung des Verlegers Dr. Dirk Ippen, zu dessen Verlagsgruppe auch unsere Zeitung gehört, für die Stärkung von Bürgersinn und bürgerschaftlichem Engagement auf lokaler Ebene. „Eine Spende in dieser Höhe bedeutet für uns einen großen Motivationsschub“, sagt Ursula Abeln – und hofft auf weitere Unterstützer.

Die Beratungsstellen des Kinderschutzbundes Westkreis in Langen (Wiesenstraße 5, 06103/5 12 11) und Neu-Isenburg (Stoltzestraße 8, 06102/ 25 47 47) sind jeweils mittwochs und freitags von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Die Beratungsstelle im Dietzenbacher Stadtteilzentrum, (Wilhelm-Leuschner-Straße 33, 06074/81 49 97) öffnet freitags von 9 bis 12 Uhr; telefonische Sprechzeit ist zudem mittwochs von 9 bis 12 Uhr.

In Neu-Isenburg wird ferner eine Vätersprechzeit angeboten, und zwar mittwochs von 9 bis 12 Uhr. Telefonisch können sich Väter unter 06102/15 15 melden. Wer Bedarf am betreuten Umgang hat, kann sich montags zwischen 14 bis 16 Uhr unter 06103/92 05 05 melden.

Außerhalb der Öffnungszeiten ist ein Anrufbeantworter geschaltet. Beratungsgespräche finden nach Vereinbarung statt.

In der neu eröffneten Klamottenkiste in Neu-Isenburg (Lukas-Zentrum im Stadtteil West) bietet der Kinderschutzbund montags zwischen 11.30 und 13.30 Uhr günstige Kleidung für Kinder bis sechs Jahre an.

www.kinderschutz                 bund-wko.de

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