Albert-Schweitzer-Schule

Eine Schule in den besten Jahren

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Das Jubiläum in Kinderhand: Einen Tag nach der Akademischen Feier ging’s zum 50. Geburtstag der Albert-Schweitzer-Schule auf dem Hof rund.  

Langen - Erinnerungen kommen auf, als Emmy Goering ins Haus 1 – das frühere A-Gebäude – der Albert-Schweitzer-Schule eintritt. Als junge Lehrerin feierte sie vor exakt 50 Jahren die Schuleinweihung mit. Von Cora Werwitzke

Der Festakt zum Jubiläum bringt sie und viele andere Ehemalige wieder für einige Stunden zusammen. Außer ihr ist eine weitere Lehrerin des „Ur-Kollegiums“ gekommen: Ursula Schellenberg.

Anfang der 60er Jahre brauchte der gerade entstandene Stadtteil Oberlinden dringend eine Schule. Auf Anhieb nahm die am 18. April 1963 eröffnete Albert-Schweitzer-Schule knapp 500 Erst- bis Achtklässler auf – damals noch als Volks- und Realschule.

Offizielle Vertreter von Kreis, Stadt und Schulamt, Wegbegleiter und Nachbarn würdigten nun diese Gründerphase und die Errungenschaften der darauf folgenden Jahrzehnte. Pfarrerin Susanne Alberti und Pfarrer Heiner Döll überbrachten gute Wünsche von den benachbarten Gemeinden – „Thomas von Aquin, Albert Schweitzer und Martin Luther Seite an Seite – das gibt’s nur in der Berliner Allee.“ Schulleiterin Barbara Busch und ihr Kollegium freuten sich unter anderem über einen Gutschein für ein Fenster des berühmten Langener Glaskünstlers Professor Johannes Schreiter.

Der Vorbericht zum Schuljubiläum in dieser Zeitung hatte nach Worten der Schulleiterin dafür gesorgt, dass auch Gäste aufmerksam wurden, die man nicht auf der Liste hatte. „Wir haben uns sehr gefreut, dass diese den Mut gefasst haben, auch ohne Einladung zu kommen – etwa der Sohn von Rektor Schwarz, der ja leider schon verstorben ist.“

In die lange Schlange der Gratulanten reihte sich auch Helmolt Rademacher ein. Der Leiter des Projektbüros Gewaltprävention und Demokratielernen begleitet die Grundschule seit zehn Jahren und klärte in seiner Rede auf, warum sich Demokratielernen schon in der Schule auszahlt. Großen Applaus sahnte der eigens fürs Jubiläum reaktivierte Lehrer-Chor ab – mehr Beifall gab’s nur für Hausmeister Karl Heinz Raschig, der noch dieses Jahr in den wohlverdienten Ruhestand entlassen wird, und für die ehemalige Rektorin Wulfhild Schwietzer.

Der Folgetag lag in den Händen der Schülerschar: Alle Klassen leisteten mit Aktionen und Spielen einen Beitrag zum großen Jubiläums-Schulfest. Barbara Busch sprach von einem schönen Gemeinschaftsgefühl – „das ist eine ganz tolle Stimmung im Moment“. Ein Teil der Einnahmen aus dem Schulfest soll im Sinne Albert Schweitzers für Afrika gespendet werden. Vor exakt 100 Jahren erreichte der Friedensnobelpreisträger die im heutigen Gabun liegende Stadt Lambarene.

Ehemalige und aktuelle Lehrer der Schweitzer-Schule schwelgen beim Anblick der Jubiläumsausstellung „Schule im Wandel“ in Erinnerungen. Auf dem Bild zu sehen sind (von links) Heidi Beck, Karl-Heinz Winkel (kommissarischer Schulleiter 1991 bis 1993), Marco Carmacho-Lopez, Emmy Goering, Inge Niemann, Ingrid Weber, Ursula Schellenberg, Wulfhild Schwietzer (Schulleiterin 1993 bis 2007), Barbara Busch (Schulleiterin seit 2011), Else Wagner, Petra Schemmer und Martina Beuth-Dudek.

1963 war die Oberlindener Schule die bundesweit 50. Einrichtung, die nach Albert Schweitzer benannt wurde. „In der Anfangszeit – das waren noch ganz andere Verhältnisse“, sagt Emmy Goering, die bis zu ihrem Ruhestand 1981 an der Schweitzer-Schule unterrichtete. „40 bis 45 Kinder in der Klasse zur Ruhe zu bringen, das war ein Kraftakt ohnegleichen.“ Sie erinnere sich, dass es einmal parallel sieben erste Klassen gegeben habe. Ein Jahr bevor Emmy Goering 1963 von der Scholl- an die Schweitzer-Schule wechselte, zog sie auch nach Oberlinden. Nach Feierabend habe freilich ständig jemand „Hallo, Frau Goering“ über den Zaun gerufen – „das habe ich immer als angenehm empfunden.“ Bis heute wohnt Emmy Goering, die als Konrektorin auch vertretungsweise Schulleiterfunktionen wahrnahm, inmitten ihrer bisweilen selbst zu Großeltern gewordenen Schüler. „Erst gestern hat mich wieder einer besucht“, erzählt die 84-Jährige. „Pater Martin Lenk schaute vorbei, bevor er demnächst wieder zurück in die Dominikanische Republik fliegt.“

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