Einkaufszentrum Oberlinden wird zur Ausstellungsfläche

Kunst kommt vor Kommerz

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Langen -  In das größtenteils leer stehende Einkaufszentrum Oberlinden kehrt wieder Leben ein: Der ehemalige Supermarkt wird für vier Monate zur Ausstellungsfläche, weitere Läden werden von einzelnen Künstlern als Galerien genutzt. Von Markus Schaible 

Und kommendes Jahr soll dann die Modernisierung des EKZ beginnen. Der Zustand des Einkaufszentrums im Farnweg ist – da gibt es nichts zu beschönigen – heruntergekommen. Eine Sparkassen-Filiale, eine Kneipe, ein Frisör, ein Gemischtwarenlädchen (Bekleidung/Spielsachen) und der Seniorentreffpunkt Allerhand sind die letzten Angebote, ansonsten stehen die Flächen leer. Der Supermarkt, einst Kernstück, hatte Mitte 2010 seine Tore geschlossen. Entstanden war das EKZ in den 1960er Jahren, als die meisten Wohnungen in der damals neuen Modellsiedlung Oberlinden bezogen waren.

Über die Zukunft wurde lange gestritten; mittlerweile gibt es einen gültigen Bebauungsplan, der eine Modernisierung und Aufstock ermöglicht. Die Arbeiten sollen nach Angaben von Besitzer Kambiz Ghaliai im kommenden Jahr beginnen. Doch bevor die Bauarbeiter anrücken, stellt Ghaliai der Stadt die unvermieteten Ladenflächen für mehrere Monate kostenfrei zur Verfügung – für ein ganz besonderes Projekt: Der ehemalige Supermarkt wird unter dem Titel „Kunsträume Oberlinden“ zur Ausstellungsfläche. Parallel dazu werden Künstler kleine Ladenlokale als Galerien nutzen.

Dass im Langener Rathaus die Bereiche Wirtschaft und Kultur in einer Hand liegen, erleichtert das Projekt: „Wirtschaftsförderung ist inzwischen auch Leerstandsmanagement“, sagt der zuständige Fachbereichsleiter Joachim Kolbe. Denn ungenutzte Ladenflächen wirken sich negativ auf die Nachbarschaft aus, eine solche Zwischennutzung sei da ein gutes Mittel dagegen. „Wir haben das vielleicht ein bisschen spät entdeckt“, sagt Kolbe mit Blick aufs EKZ, dafür wolle man jetzt aber umso intensiver tätig werden.

Das Projekt „Kunsträume Oberlinden“ dauert vom 23. November bis zum 30. April 2018 und ist in drei Ausstellungen untergliedert. Auftakt ist der vierte „Langener Salon der Kunst“. Vom 23. November bis zum 14. Januar präsentieren fast 30 Künstler aus der Region ihre Werke dort, wo früher Lebensmittel und Getränke aller Art unters Volk gebracht wurden. Auf der Teilnehmerliste stehen bekannte Namen wie Renate Kletzka, Nicola Barth oder die Mitglieder der Künstlergruppe Art People.

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Vom 26. Januar bis zum 25. Februar zeigen erfolgreiche Langener Fotografen ihre Bilder in den Räumen des Carrés am Farnweg. Den Abschluss der „Kunsträume“ bildet die Ausstellung „TypIsch“, in der es vom 15. März bis zum 30. April Porträts und Texte über Einzelhändler der Sterzbachstadt zu sehen gibt.

Bürgermeister Frieder Gebhardt begrüßt, dass das Einkaufszentrums über Kunst und Kultur wiederbelebt wird. „Mit dem Projekt können wir das Grundstück zumindest vorübergehend aus dem Dornröschenschlaf holen.“ Das Einkaufszentrum sei trotz der Tristesse noch immer ein belebter Ort, weiß Joachim Kolbe: „Es gibt sehr viele Leute, die dort durchlaufen.“ Ziel sei es aber, „dieser Adresse im Stadtgedächtnis wieder einen Platz zu verschaffen und ihr Wertschätzung entgegenzubringen“. Und auch, Leute ins EKZ zu holen, die noch nie dort waren.

„Diese Aktion soll Schule machen“, skizziert Martina Retzdorff, eine der Künstlerinnen der Art People, eine weitere Intension. Vielleicht seien ja auch Immobilienbesitzer in der Bahnstraße bereit, nicht vermietete Läden für einige Zeit als Ausstellungsfläche zur Verfügung zu stellen, statt sie leer stehen zu lassen. Unterstützt werden die „Kunsträume“ von der Sparkasse Langen-Seligenstadt und den Stadtwerken Langen. Der Eintritt zu allen Ausstellungen ist frei.

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