Vorsitzender der Seniorenhilfe Langen plaudert aus dem Nähkästchen

„Ende der Bürgerhilfe war vermeidbar“

Langen/Egelsbach - Die Berichterstattung zum Aus der Bürgerhilfe Egelsbach hat auch in Langen Echo gefunden, nicht zuletzt bei der Seniorenhilfe. Von Holger Borchard 

Deren Vorsitzender betont: Für Langen ist das Konzept gegenseitiger (Senioren-)Hilfe keinesfalls ein Auslaufmodell – und das hätte es auch in Egelsbach nicht sein müssen. „Das Ende der Bürgerhilfe Egelsbach wäre zu verhindern gewesen“, ist Bernhard Knerr felsenfest überzeugt. Er sei extra rüber nach Egelsbach gefahren, um an der außerordentlichen Hauptversammlung teilzunehmen und das Aus für Egelsbach zu verhindern, plaudert der Vorsitzende der Langener Seniorenhilfe aus dem Nähkästchen. „Ich habe dargelegt, wie die Egelsbacher in unserer Langener Seniorenhilfe hätten aufgehen können, auf dass die 20.000 über die Jahre auf ihren Konten aufgelaufenen Leistungspunkte nicht einfach verfallen.“

Die Resonanz? „Frustrierend. Von 39 Anwesenden konnten sich nur neun für eine Fusion, sprich einen Übergang unter unser Dach erwärmen, der erstmal das Tabula-rasa-Machen verhindert hätte“, schildert Knerr. Sein Eindruck: „Die Zeichen standen von vornherein auf Auflösung. Das schlicht, weil vor allem die älteren Protagonisten amtsmüde sind – was man ihnen aufgrund der mangelnden Resonanz auch nicht verdenken kann.“ Leistungen gegen Punkte, die man später selbst wieder gegen Leistungen eintauschen kann. Dieses Prinzip war in Egelsbach auf dem absteigenden Ast, in Langen dagegen kann Knerr ganz andere Zahlen präsentieren: „Voriges Jahr haben unsere Mitglieder 5 200 Arbeitsstunden geleistet und darüber 10.379 Leistungpunkte erworben. Unser Verein zählt aktuell 1 450 Mitglieder, von denen 300 aktiv Punkte sammeln und 100 weitere Punkte sammeln würden, sofern ihre weniger alltäglichen Angebote wie etwa Übersetzerdienste in Anspruch genommen würden.“ Das Gros der angeforderten Dienste besteht aus Erledigungen, Begleitungen und Fahrdiensten (450 Fälle), dicht gefolgt von Besuchen (398) und Bürodiensten (391). „Und wir können feststellen, dass die Fluktuation immer noch gegeben ist und etwa 100 Neuzugänge im Jahr die Abgänge kompensieren.“

Ein Problem, das den Niedergang in Egelsbach fraglos begünstigt habe, sei für Langen ebenfalls nicht von der Hand zu weisen, räumt Knerr ein – der Altersdurchschnitt. „Für Egelsbach standen da 76 Jahre zu Buche, wir bringen es durchschnittlich auf ,nur’ 73 Jahre. Immerhin ist unser Vorstand im Schnitt etwas jünger, wobei ich im November auch den 70. feiere“, fügt er schmunzelnd hinzu. Vor Knerr ist freilich die Seniorenhilfe selbst mit dem Feiern an der Reihe. Gegründet im Sommer 1996, besteht sie seit runden zwei Jahrzehnten. Das soll am 7. Juli in der Stadthalle gewürdigt werden.

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Warum der Seniorenhilfe-Himmel in Langen längst nicht so grau ist wie jener in Egelsbach, erklärt der Vorsitzende nicht zuletzt mit dem stattlichen Nebenprogramm aus Veranstaltungen, Ausflügen, Kursangeboten und Ähnlichem. „Da spielt natürlich unsere gute Kooperation mit der Stadt und deren Seniorenzentrum Haltestelle oder mit der Arbeiterwohlfahrt, mit der wir zum Beispiel den Anwohnertreff Allerhand im Einkaufszentrum Oberlinden unterhalten eine herausragende Rolle.“ Nicht zuletzt der zweimal jährlich erscheinende „Seniorenhilfe-Bote“ und das Seniorenmagazin „Zeitlos“ leisteten zur öffentlichen Wahrnehmung des Vereins einen wesentlichen und begünstigenden Beitrag.

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Und wie hätte die „Übernahme“ der Bürgerhilfe Egelsbach durch Langen nun ausgesehen beziehungsweise funktionieren können? „Wären die Nachbarn auf den Vorschlag eingegangen, hätte unser Vorstand erst einmal unsere Mitglieder informiert und anschließend das weitere Vorgehen geprüft“, sagt Knerr. In die Wege zu leiten wäre einiges gewesen, beispielsweise wollen Finanzamt und Amtsgericht in solchen Fällen eingeschaltet sein. „Uns hat eine ,Fusion light’ nach dem Motto der Kleine schlüpft unter das Dach des Großen vorgeschwebt“, so Knerr. „Wie das geht, haben die Sportvereine vorgemacht, sodass es da schon rechtliche Anhaltspunkte gibt.“ Ohnehin habe die Seniorenhilfe Langen Mitgliedern aus Dreieich oder Egelsbach von jeher nicht die Mitgliedschaft verweigert. „Nur das Hilfeleistungsprinzip macht an der Stadtgrenze Halt; zu Ausflügen etc. sind auswärtige Mitglieder schon immer willkommen.“ Aktuell stammen 101 Beitragszahler der Seniorenhilfe nicht aus Langen – 39 leben in der Gemeinde Egelsbach.

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