Für haltbare Lebensmittel

Endlich mehr Platz: Langener Tafel hat neuen Vorratsraum

Bis unter die Decke stapeln sich die haltbaren Lebensmittel im neuen Lagerraum der Langener Tafel. Dass der Verein diesen im Nebengebäude in der Carl-Schurz-Straße anmieten konnte, ist ein echter Glücksfall.
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Bis unter die Decke stapeln sich die haltbaren Lebensmittel im neuen Lagerraum der Langener Tafel. Dass der Verein diesen im Nebengebäude in der Carl-Schurz-Straße anmieten konnte, ist ein echter Glücksfall.

Die Langener Tafel hat schon seit Längerem ein Platzproblem. Dem Verein fehlte Lagerfläche für die vielen geretteten und gespendeten Lebensmittel. Nun hat die Tafel endlich einen neuen Vorratsraum, der praktischerweise direkt an die Räumlichkeiten angrenzt. Und es gibt noch ein besonderes Extra.

Langen – Bis unter die Decke stapeln sich in einem Regal Nudeln und Reis, gegenüber Müsli, Chips und Brühe. Sie sind schon nahe am Verfallsdatum oder die Packungen haben leichte Dellen. In Kartons in der Raummitte warten Schoko-Hasen und -Eier darauf, an neue Besitzer verteilt zu werden. Für all diese Lebensmittel hat die Langener Tafel nun endlich genug Platz. Zu Jahresanfang hat das Team begonnen, die neuen Räume – direkt neben dem Sitz in der Carl-Schurz-Straße – auszuräumen. Im Februar ging es dann richtig los mit den Sanierungsarbeiten und der Erneuerung der Elektrik. Kurz vor Ostern waren alle Arbeiten abgeschlossen.

Dann räumten die Tafel-Mitarbeiter fleißig ein und um, und jetzt ist die Erweiterung, für deren Sanierung der Tafelverein laut seinem Vorsitzenden Günter Böhnel einen mittleren fünfstelligen Betrag ausgegeben hat, so gut wie fertig. Nur noch die Gefrierschränke müssen aus dem Keller der Ausgabestelle ins Zweitquartier umziehen.

„Das ist eine Investition in die Zukunft“, sagt Böhnel, der sehr glücklich ist, dass der Tafelverein die benachbarten Räume von seinem bisherigen Vermieter anmieten konnte. Auf gut 50 Quadratmetern ist ein großer Raum untergebracht, der über und über mit Regalen gefüllt ist. Er ist ebenerdig zugänglich – so können auch schwere Paletten ohne Kraftaufwand schnell ins Lager geschoben werden und die Tafel-Helfer müssen Vorräte nicht mehr die Treppe hinuntertragen. Dazu gehört ein kleiner Hinterraum mit Tür nach draußen und ein kleinerer Raum im Keller. Der steht bislang noch leer, aber der Trägerverein kann sich gut vorstellen, ihn als Teamraum zu nutzen – wenn die Pandemie vorbei ist.

Frische Ware wird weiterhin direkt in den eigentlichen Tafelräumen gelagert, in unmittelbarer Nähe zur Ausgabe. „Das hier ist ein reiner Vorrats- und Lagerort für haltbare Beigaben, die wir so aber dennoch griffbereit haben“, erklärt Böhnel die Systematik. Eben Konserven, die lange halten, oder Chips und Schokolade, die natürlich nur in Maßen abgegeben werden. „Aber unsere Tafelkunden freuen sich unheimlich darüber“, sagt Böhnel und deutet auf die süßen Überbleibsel des Osterfests.

Neu ist, dass die Langener Tafel nun auch Tiefkühlware retten und weiterverteilen kann. Diese in größeren Mengen zu lagern, war in Langen zuvor nicht möglich. „Das ist für uns schon ein neuer Abschnitt, denn es wird viel Tiefkühlware abgegeben“, sagt Böhnel. Und so eine Tiefkühlpizza sei für viele Kunden ein echtes Highlight.

In drei Minuten wieder hygienisch sauber: Die neue Kistenwaschanlage, die über ein Förderprogramm finanziert wurde, ist ein echter Pluspunkt. Auch die benachbarten Tafeln in Dietzenbach, Neu-Isenburg und Offenbach können die Spülmaschine nutzen.

Außerdem hat die Tafel eine Neuanschaffung getätigt, die auf den ersten Blick unspektakulär erscheinen mag, aber viele Vorteile bringt: eine Industriespülmaschine für die Transportkisten. Denn von diesen zusammenklappbaren Kisten gehen jeden Tag viele bei der Tafel ein – immerhin holen die Freiwilligen aktuell bei gut 30 Märkten Lebensmittel ab. Dass da mal Obst- und Gemüsereste in der Kiste bleiben oder etwas ausläuft gehört zum Tagesgeschäft. Bislang haben die Tafel-Helfer die Kisten manuell ausgewischt und desinfiziert. Alle paar Monate hat der Verein die Transportkisten außerdem zu einem Lebensmittel verarbeitenden Unternehmen aus Dreieich gebracht, um sie dort durch die „Kistenwaschanlage“ laufen zu lassen. Das kann die Langener Tafel nun selbst erledigen. „Damit sparen wir Zeit, Ressourcen und können außerdem den solidarischen Tafel-Gedanken leben – denn Tafeln aus den benachbarten Kommunen können die Anlage auch nutzen“, verdeutlicht Böhnel. Finanziert wurde das gut 12 000 Euro teure Gerät über ein Förderprogramm durch Supermarkt-Pfandspenden, das die Tafel Deutschland initiiert hat. Zweckgebunden für Projekte im Bereich Hygiene gewährte es eine 75-prozentige Unterstützung. Die automatisierte Reinigung dauert nur drei Minuten, dann sind die Kisten wieder sauber und bereit für ihren nächsten Einsatz.

Die Lebensmittelmenge ist trotz Krise auf hohem Niveau. Immer wieder bekommt die Tafel auch Großpakete vom Landes- oder Bundesverband. Das Aufkommen an Sach- und Geldspenden sei durch die Krise etwas geringer, sagt Böhnel. Dennoch ist die Tafel natürlich über jede Unterstützung dankbar. Doch Spenden – die überdies oft zweckgebunden sind – sind natürlich nicht planbar, die Fixkosten laufen weiter. „Wir Verantwortlichen würden uns deshalb freuen, wenn sich die von uns versorgten Kommunen prozentual an unserer Hauptmiete beteiligen würden“, sagt Böhnel. Diesen Appell, der den Adressaten bekannt sei, richtet der Tafel-Vorsitzende nicht nur an die Stadt Langen, sondern auch an Dreieich, Egelsbach und Erzhausen. Die gut 90 Tafel-Mitarbeiter arbeiteten an der Belastungsgrenze, gleichzeitig sei die Kundenzahl seit Corona um rund 30 Prozent gestiegen. Die Miete gesichert zu wissen, wäre da eine große Hilfe. „Wir würden unsere Arbeit gern von den Kommunen anerkannt wissen“, sagt Böhnel, eben auch finanziell.

Er befürchtet: „Die hiesige Tafellandschaft wird sich auf lange Sicht reduzieren.“ Deshalb müsse sich die Langener Tafel für die Zukunft gut aufstellen. Der Trägerverein hat deshalb noch einiges vor: Durch ein Tauschgeschäft mit der Offenbacher Tafel hat er ein neues Kühlfahrzeug erworben, das noch effizienteres Arbeiten ermöglicht. „So können wir mehr Ladung bei weniger Touren transportieren“, verdeutlicht Böhnel. Langfristig will der Verein auch den Anmelderaum umstrukturieren, um für mehr Diskretion zu sorgen. „Er ist nicht mehr zeitgemäß.“ Doch der größte Wunsch ist erst mal, dass das Tafel-Team und die Kunden weiter sicher durch die Krise kommen. (Julia Radgen)

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