Fahrradclub: „Endlich realisieren“

Radschnellweg: ADFC zu den Problemstellen in Langen

Nicht nur in Langen gibt es Problemstellen: Auch am Kreisel auf der K 168 in Egelsbach treffen Radschnellweg und Autos aufeinander.
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Nicht nur in Langen gibt es Problemstellen: Auch am Kreisel auf der K 168 in Egelsbach treffen Radschnellweg und Autos aufeinander.

Dass aus der Idealvorstellung nichts wird, ist schon länger klar: Mindestens vier Meter breit sollte er sein, keine Kreuzungen aufweisen und dauerhafte Vorfahrt bieten. Die Rede ist vom Radschnellweg Frankfurt-Darmstadt, der auch durch Egelsbach und Langen führt.

Langen/Egelsbach – Die Realität hat jedoch gezeigt, dass an einigen Stellen Abstriche gemacht werden müssen, soll das Projekt einigermaßen zeitnah und mit verhältnismäßigen Kosten umgesetzt werden. Seitdem ist des Öfteren nicht mehr vom Radschnellweg, sondern von einer Raddirektverbindung die Rede. Auch auf der geplanten Route in Langen gibt es zwei Problemstellen: am Bahnhofsvorplatz und am Durchgang von der Goethestraße zur Feldgemarkung (wir berichteten). „Bei Letzterer hat die Stadt gleich mehrfach geschlafen“, bemängelt der ADFC Langen/Egelsbach nun in einer Stellungnahme. Beide Häuser rechts und links der Engstelle hätten den Besitzer gewechselt. Die Stadt hätte ihr Vorkaufsrecht nutzen und weitere Quadratmeter aufkaufen müssen, betont der Fahrrad-Club.

Nun sei der Weg mit genau zwei Metern Breite auch noch enger als versprochen (die Stadt hatte Ende April mitgeteilt, der Durchgang sei auf drei Meter verbreitert worden). „Es bleibt nur noch Inkaufnahme, dass an dieser Stelle vorsichtig gefahren werden muss – unterstützt durch entsprechende bauliche Gestaltung und Markierungen“, so der ADFC. Immerhin kämen zwei Fahrräder – oder ein Radfahrer und ein Fußgänger – dort noch aneinander vorbei.

Auch Probleme in Egelsbach

Der ADFC weist zudem darauf hin, dass es auch andernorts problematische Stellen gibt. Auf dem bereits fertiggestellten Abschnitt zwischen Egelsbach und Wixhausen sei das bereits zu beobachten. So müssen die Radschnellwegfahrer in Egelsbach etwa beim Einfädeln in den stark befahrenen Kreisel auf der K 168 die Vorfahrt des Autoverkehrs beachten. Am Bahnübergang in Erzhausen hat der querende (Auto-)Verkehr Vorfahrt. „Da steht man im Berufsverkehr öfter ziemlich lang, wenn die Schranke gerade aufgegangen ist“, erzählt Werner Weigand, Erster Vorsitzender des ADFC Langen/Egelsbach.

Auch vor Wixhausen gebe es einen nur etwas über zwei Meter breiten und „nicht sehr übersichtlichen“ Abschnitt, da mit einem Grundstücksbesitzer keine Einigung erzielt worden sei. Und am Bahnhof Wixhausen sei es „unvermeidlich“, dass der Zugang zum Bahnsteig über den Radschnellweg führen wird, schätzt der ADFC.

„Himmelweiter Unterschied" zu sonstigen Wegen

„Das heißt, auf circa viereinhalb Kilometern kommen leider vier Stellen, an denen Radfahrende besonders aufpassen, langsamer fahren oder sogar warten müssen“, betont Weigand. Man könne es aber auch positiv formulieren: „Es sind schon mal über vier Kilometer realisiert, auf denen es einen himmelweiten Unterschied zum früheren Zustand gibt und riesig Spaß macht, zügig zu fahren. Man schaue sich nur an, wie gut dieses Teilstück schon genutzt wird.“

Dennoch übt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Kritik an der Planung des Langener Abschnitts. Zur ganzen Geschichte gehöre auch, dass nicht die Wunschlösung des ADFC realisiert werde. Der Ortsverband hatte schon vor Jahren eine Alternative vorgeschlagen: Statt durch die Engstelle in der Goethestraße könnte man den Radschnellweg als südliche Verlängerung der Walter-Rietig-Straße entlang der Bahngleise anlegen, anschließend das Naturschutzgebiet auf zirka 110 Metern queren und dann über eine landwirtschaftlich genutzte Fläche den Leukertsweg erschließen. „Diese Lösung wurde mit der Begründung Naturschutz sofort abgewimmelt“, so der ADFC. Dafür gehe es nun 130 Meter durchs Landschaftsschutzgebiet.

„Inzwischen sind bald fünf Jahre vergangen, in denen man eine verträgliche Lösung mit dem Naturschutz und bezüglich der Ackerfläche hätte finden können. Dabei ist der Umstieg vom Auto aufs Rad Klimaschutz – und damit Naturschutz – pur“, so der ADFC. „Für die Verknüpfung der Klimakiller Flugzeug und Auto mit einem neuen Autobahnanschluss für das Terminal 3 holzt man ein großes Stück Wald ab. Das setzt man durch – da steckt mehr Lobby dahinter.“

Doch nun gehe es darum, „die vereinbarte (zweitbeste) Lösung endlich schnell zu realisieren“, betont Weigand. „Hoffentlich kommen die Gremien der Langener politischen Bedenkenträger bald zur Entscheidung – auf die lange Bank schieben ist da beliebt.“ Und wenn es irgendwann mal hieße: „Zügiges Radeln auf Raddirektverbindung durch Langen realisiert – auf 4,3 Kilometern nur zwei Stellen, an denen langsam gefahren werden muss“ – dann sei das doch eine positive Nachricht.  msc

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