Ärzte-Chef kritisiert Gesundheitspolitik

Fachärztezentrum: Wichtiges Projekt in schwerer Zeit

+
Symbolbild

Langen - Für den Bau eines zweiten Fachärztezentrums an der Asklepios Klinik werden in Kürze die letzten entscheidenden Weichen gestellt: Der Kreis wird in den nächsten Wochen die Entscheidung fällen, welcher Investor das Projekt in Angriff nimmt. Von Markus Schaible 

Das Ziel ist klar umrissen: Nachdem das bestehende Fachärztezentrum am Krankenhaus aus allen Nähten platzt, soll der Bau eines zweiten Hauses einerseits bereits dort ansässigen Medizinern die dringend benötigten Vergrößerungsmöglichkeiten bieten, andererseits auch neue Ärzte noch nicht vorhandener Fachrichtungen anlocken. Davon profitieren die Patienten ebenso wie von der Nähe zur Klinik; durch eine enge Vernetzung werden zum Beispiel Doppeluntersuchungen vermieden. Entstehen soll das „Fäz 2“ an der Frankfurter Straße direkt an der Einfahrt zum Krankenhaus auf der nach Sprendlingen zugewandten Seite. Die Planungen sehen etwa 4 500 Quadratmeter Nutzfläche sowie ein Parkhaus vor. Stadt und Kreis ziehen dabei an einem Strang: Die Stadtverordneten hatten Ende vergangenen Jahres den erforderlichen Bebauungsplan beschlossen, der Kreis als Besitzer des Geländes daraufhin die Ausschreibung auf den Weg gebracht. Zwei Investoren haben Angebote eingereicht, berichtete Landrat Oliver Quilling jetzt am Rande des Frühjahrsempfangs des Medizinischen Qualitätsnetzes Langen/Dreieich (MQLD). Beide würden nun geprüft; dann werde zeitnah eine Entscheidung fallen, wer den Zuschlag für das Projekt erhalte.

Für den MQLD-Vorsitzenden Dr. Matthias Scholz, in der Internistischen Gemeinschaftspraxis im Fäz 1 ansässig, eine gute Nachricht in überaus schwierigen Zeiten. In der Gesundheitspolitik stehe Deutschland vor gigantischen Aufgaben, doch die Antworten der Politik seien desaströs. Besonders hart ging Scholz (selbst Mitglied der CDU) bei dem Empfang der Ärzte aus Langen, Dreieich und Egelsbach mit dem zuständigen Minister Hermann Gröhe ins Gericht: „Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Wir haben einen CDU-Gesundheitsminister – und wir haben kommunistische Verhältnisse im Gesundheitswesen.“

So könnten Mediziner beim Eintritt in den Ruhestand ihre einst teuer erworbenen Arztsitze nicht mehr verkaufen, vielmehr würden sie von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) enteignet. In den sogenannten überversorgten Regionen – zu denen auch die Rhein-Main-Region zähle – würden Sitze von der KV gegen Zahlung eines Obolus stillgelegt. „Wie sich das auf die Termine beim Facharzt auswirkt, ist für jeden klar denkenden Menschen nachvollziehbar“, so Scholz: „Die gute ärztliche Versorgung in unserer Region soll ausgedünnt werden, und zwar auf Kosten der Patienten.“

Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

An der Antwort der Politik, den Terminservicestellen, lässt der MQLD-Vorsitzende kein gutes Haar: „Die machen jetzt die Arbeit, die wir kostenfrei gemacht haben. Nur kostet das nun Millionenbeträge, die wir Ärzte bezahlen dürfen.“ Ein weiteres Beispiel für eine zentralistische Gesundheitspolitik sei der Ärztliche Bereitschaftsdienst: „Als wir niedergelassenen Ärzte diesen organisiert und geplant haben, musste jeder Arzt im Quartal 150 Euro zahlen.“ Nun habe die KV die Regie übernommen: Die Patienten hätten unter eingeschränkten Öffnungszeiten und einem spürbar schlechter gewordenen Service zu leiden, für den die Ärzte aber mit 700 Euro pro Quartal zur Kasse gebeten werden. Und weil dieser Betrag nicht reichen werde, sei gar schon ein Anstieg auf 1500 Euro angedroht.

Noch könne den Patienten eine gute medizinische Versorgung geboten werden: „Wir versuchen, das Berliner Chaos so gut es geht zu kompensieren.“ Von enormer Wichtigkeit sei dabei die enge Zusammenarbeit nicht nur zwischen Haus- und Fachärzten, sondern auch mit den Medizinern der Asklepios Klinik, erklärte Scholz.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare